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Um die 100.000 Paare begeben sich jährlich in eins der rund 120 spezialisierten Kinderwunschzentren hierzulande. FAMILIE

Endlich ein Baby!

Für kinderlose Paare gibt es verschiedene Möglichkeiten, der Natur auf die Sprünge zu helfen. 

Etwa jedes zehnte Ehepaar in Deutschland bleibt ungewollt kinderlos. Pro Jahr gehen deshalb um die 800.000 Paare zu Hausarzt, Gynäkologe und Urologe, um den Ursachen auf den Grund zu gehen – die zu jeweils einem Drittel ausschließlich beim Mann und ausschließlich bei der Frau liegen. In jedem dritten Fall liegt es an beiden, bei jedem zehnten Paar jedoch werden gar keine Auffälligkeiten gefunden und trotzdem tritt keine Schwangerschaft ein. Um die 100.000 Paare begeben sich jährlich in eins der rund 120 spezialisierten Kinderwunschzentren hierzulande. Diese helfen den Paaren mit allen Methoden der modernen Medizin und auch mit psychologischer Betreuung. Denn nicht selten wird der verzweifelte Wunsch nach einem Kind zum einzigen Gedanken im Leben. Von 100 bei uns geborenen Kindern kommen übrigens zwei bis drei nach einer Kinderwunsch-Therapie zur Welt – um die 20.000 bis 30.000 Babys gäbe es sonst jedes Jahr weniger.

Von ungewollter Kinderlosigkeit spricht man, wenn die Frau nach ein bis zwei Jahren regelmäßigen Geschlechtsverkehrs ohne Verhütung nicht schwanger wird. Allgemeine Ursachen liegen am gestiegenen Alter der Frauen, an zu niedrigem oder zu hohem Gewicht, am Rauchen, am Stress und an Problemen mit der Schilddrüse. Dazu kommt, dass viele Paare erst berufliche Ziele verwirklichen möchten, bevor sie an ein Kind denken. Doch bereits ab 25 Jahren sinkt die Chance auf eine spontane Schwangerschaft. 

Der Gynäkologe untersucht, ob eine Eizellreifestörung vorliegt, ob der Eisprung überhaupt statt findet, ob genügend Gelbkörperhormone gebildet werden oder zu viele männliche Hormone im Blut sind. Wer vor und bei jeder Regelblutung extreme Schmerzen hat, sollte sich auf Endometriose untersuchen lassen. Diese gutartigen Wucherungen gebärmutterschleimhautähnlicher Zellen können neben Gebärmutter und Eierstöcken auch im Darm auftreten und eine Schwangerschaft unmöglich machen, ebenso wie Myome, Gebärmutterfehlbildungen und Verklebungen der Eileiter. 

Beim Mann wird untersucht, ob sich überhaupt Spermien im Ejakulat befinden. Hormonstörungen, Umweltbelastungen, Hodenhochstand, operierte Tumore oder auch eine frühere Mumpsinfektion können seine Spermienqualität vermindern. 

Wie kann man nun seinem Ziel näher kommen? Zuerst sollten die fruchtbaren Tage bestimmt werden. Zeigt sich, dass die Eizellenreifung zu unregelmäßigem Blutungsmuster führt, kann mittels Medikamenten oder Spritzen eine hormonelle Stimulation erfolgen, die ovarielle Stimulationstherapie.

Bei der In-vitro-Fertilisation, kurz IVF, werden Eizellen der Frau außerhalb ihres Körpers befruchtet. Bei dieser bereits seit 1978 erfolgreich angewandten Methode werden die Eierstöcke hormonell durch Spritzen stimuliert, was zum Heranreifen mehrerer Eizellen führt. Kurz vor dem Eisprung werden die Eizellen abgesaugt und mit den Spermien des Mannes in einer Nährlösung vermischt. Dabei entstehende befruchtete Eizellen werden danach wieder in die Gebärmutterhöhle zurückgebracht.

Bei dieser Methode der Befruchtung wird ein follikelstimulierendes Hormon (FSH) zur Stimulation der Eierstöcke eingesetzt. Wesentlich ist ebenfalls die Bildung von Progresteron von den Eierstöcken. Bei der IVF-Behandlung wird nach der Eizellentnahme Progresteron in die Scheide geführt, um sicher zugehen, dass sich das Hormon in ausreichender Menge in der Gebärmutter befindet. 

Als Unterstützung kann im Rahmen der IVF eine Micro-Injektion (ICSI) erfolgen – hilfreich bei schlechterer Samenqualität des Mannes. Dabei injiziert der Arzt jeweils ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle. Wie auch bei der IVF-Behandlung erfolgt der Embryo-Transfer zurück in die Gebärmutter zwei bis drei Tage später.

Bei der intrauterinen Insemination werden der Frau beim Eisprung speziell aufbereitete Spermien ihres Partners direkt in die Gebärmutterhöhle gespritzt. Sind beim Partner keine Spermien vorhanden, besteht auch die Möglichkeit der heterologen Insemination mittels Samenspenders. 

Manchmal hilft auch einfach der Spruch aus England: abwarten und Tee trinken. Nach zwei Jahren sind nämlich immerhin neun von zehn Frauen schwanger. Falls es trotzdem bisher nicht geklappt hat, wird zunehmend Traditionelle Chinesische Medizin als unterstützende Maßnahme empfohlen. Bei künstlicher Befruchtung steigen mit TCM die Chancen auf eine erfolgreiche Schwangerschaft. Die wichtigste Behandlungsmethode der TCM ist neben der Moxibustion, bei der verglimmende Beifußstäbchen zur Hormonanregung auf bestimmte Stellen der Haut gesetzt werden, die Akupunktur, die nachweislich die Schwangerschaftsrate erhöht. Chinesische Heilkräuter schmecken zwar meist unangenehm, zeigen jedoch bei Mann und Frau nicht zu unterschätzende Erfolge.

Auch spezielles Hormon-Yoga kann beim Kinderwunsch hilfreich sein. Die etwa 20 Übungen setzen sich aus tibetischen Heilmethoden, Kundalini-Yoga und Hatha-Yoga zusammen und sollen die Drüsen und Organe anregen und dadurch die Hormonproduktion ankurbeln.  

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Journalist

Katja Deutsch

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