Weekly News

Auch im Haushalt auf Ergonomie achten

Hausarbeit ist Arbeit. Mit falschen Bewegungen und falschen Arbeitsmitteln kann sie krank machen.

In vielen Studiengängen wird Ergonomie gelehrt, denn Absolventen der verschiedensten Disziplinen haben im Laufe ihres Berufslebens mit ergonomischen Belangen zu tun – Auto- und Computerbauer genauso wie beispielsweise Möbelfabrikanten, Werkzeugmacher, Designer, Ärzte und Landwirte. Der aus dem Griechischen stammende Begriff Ergon heißt Arbeit, Nomos bedeutet Gesetz. Ergonomie ist demnach die Wissenschaft von der Gesetzmäßigkeit der Arbeit, in der untersucht wird, wie Arbeitsabläufe und Arbeitsgeräte möglichst belastungsarm für den arbeitenden Menschen organisiert werden können. Wenig Beachtung fand dabei lange Zeit das Tätigkeitsfeld, das jeder Berufstätige zusätzlich „nebenbei“ bearbeitet, der eigene Haushalt nämlich. Auch wenn natürlich große Unterschiede zwischen einem Singlehaushalt in kleiner Wohnung und dem einer Familie mit Kindern und Haustieren in einer großen Wohnung bestehen, ist der Aufwand, den man braucht, um sein Zuhause sauber zu halten, doch überraschend hoch: So verbringen Frauen in Deutschland laut einer Statistik der OECD aus dem Jahr 2014 durchschnittlich jeden Tag 164 Minuten mit der Arbeit im Haushalt, Männer um die 90 Minuten.

Hausarbeit ist nicht nur körperlich anstrengend, im Haushalt passieren auch nach wie vor die meisten Unfälle. Knapp 10 000 Menschen kommen in Deutschland jedes Jahr bei Unfällen in den eigenen vier Wänden ums Leben, ungefähr dreimal so viele wie im Straßenverkehr. Acht von zehn Menschen verlieren dabei aufgrund eines Sturzes ihr Leben, sei es beim Fensterputzen oder Stolpern über Stufen, Teppichkanten oder Staubsaugerkabel. Rauchvergiftungen und andere Vergiftungen gelten als Todesursache Nummer zwei und drei im Haushalt. Ältere Menschen sind besonders gefährdet, denn sie sehen nicht mehr so gut und reagieren langsamer. Auf Ergonomie zu achten bedeutet demnach auch, auf Sicherheit zu achten.

Putzen, waschen, kochen und alles, was damit zu tun hat, ist nicht nur wegen der Unfallgefahr ein Risiko, die oft anstrengenden Bewegungen belasten auch Wirbelsäule, Muskeln und Gelenke. Bei Hausarbeiten sollte man deshalb immer versuchen, häufig die Arbeitshaltung zu wechseln. Wer viel bügelt, spart mit einem Dampfbügeleisen Kraft und Zeit. Ein am Bügelbrett angebrachter Kabelhalter sorgt dafür, dass sich das Kabel nicht mit Hemd oder Hose auf dem Bügelbrett verwickelt. Um den Rücken zu schonen, kann man eine Fußbank unter sein Bügelbrett stellen, auf die abwechselnd jeweils ein Fuß gestellt wird. Um nicht drei Stunden lang im Stehen zu bügeln, kann man das Bügelbrett nach einer Weile auch auf Sitzhöhe herunterstellen und im Sitzen weiterbügeln. Für kleinere Wäscheteile funktioniert das gut, größere bügelt man wegen der weit ausholenden Bewegungen besser im Stehen.

In der Küche kann man ebenfalls zwischen sitzender und stehender Arbeitshaltung wechseln. Die Höhe der Arbeitsplatte sollte ungefähr zehn bis 15 Zentimeter niedriger als die Ellenbogenhöhe des Benutzers sein. Die optimale Arbeitshöhe am Herd dagegen ergibt sich aus der Oberkante des Topfes, deshalb sollte der Kochbereich nicht zu hoch sein: Beim Kochfeld liegt die ideale Arbeitshöhe 25 Zentimeter unterhalb des Ellenbogens. Anders dagegen die Spüle: Eine erhöhte Spüle ist rückenfreundlich, da man beim Abspülen die Hände in der Spüle hat und somit das schmerzende Bücken vermeidet. In den allermeisten Küchen sind Platte, Kochfeld und Spüle auf einer Höhe, wer jedoch vorhat, sich eine neue Küche anzuschaffen, kann diese Punkte ohne größeren Aufwand berücksichtigen und dabei auch noch gleich ein weiteres Detail beachten, um ergonomischer arbeiten zu können, nämlich den Backofen in Brusthöhe einbauen zu lassen. Um sich nicht dauernd schmerzhaft bücken zu müssen, bieten Unterschränke mit Vollauszügen große Vorteile. Praktisch, aber teuer sind elektronisch absenkbare Oberschränke.

Doch egal ob alte oder neue Küche: Gegenstände des täglichen Bedarfs müssen bequem erreichbar sein und sollten nicht ganz oben oder ganz unten verstaut werden. Als guter Anhaltspunkt gelten hier Knie- und Augenhöhe. Bitte nie auf Stühle steigen, um etwas oben aus dem Schrank zu holen. Besser und sicherer ist ein rutschfester Tritt. Einkaufstasche, Wasserflaschen, Wäschekorb – wer etwas von unten hochheben muss, sollte den Rücken gerade lassen und aus den gebeugten Knien heben.

Ganz weiche Sofas mit extra tiefer Sitzfläche sehen zwar schick aus, sind jedoch alles andere als rückenfreundlich und erschweren mit zunehmenden Lebensjahren das Aufstehen. Besser geeignet sind festere, höhere und weniger tiefe Sofas. Und auch im Schlafzimmer gilt nach wie vor: Wie man sich bettet, so liegt man. Je höher der Lattenrost, desto leichter das Aufstehen. Die Waschmaschine kann auf einen gemauerten Sockel gestellt werden, sodass das tiefe Bücken wegfällt.

Auch beim Putzen und Saugen kann man rücken- und gelenkschonend vorgehen. Alte und schwere Staubsauger verbrauchen nicht nur viel Energie, sie sind auch meistens sehr laut und unhandlich und ganz besonders für Wohnungen mit Treppen aufgrund des Kabels ein enormes Stolperrisiko. Moderne Akkustaubsauger kommen ohne Kabel aus, sind leistungsstark, ergonomisch und bieten Sicherheit – auch beim Absaugen der Bücherregale in Form eines Handakkusaugers.

Worauf im Büroalltag seit Jahren geachtet wird, rückt zunehmend auch in den Fokus vieler Hersteller: Haushalt ist Arbeit, jeden Tag. Dazu benötigt man ergonomische Produkte, die die tägliche Arbeit nicht zur schmerzhaften Belastung werden lassen.

Teile diesen Artikel

Journalist

Katja Deutsch

Weitere Artikel