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Tipps für junge Gründer


Verena Pausder, Founder und CEO Fox and Sheep, Foto: Kim Keibel

Leidenschaft, Innovation, Fleiß

 Mein Rat ist, Unternehmen nicht am Reißbrett zu entwickeln. Klar kann man analysieren, wo es große Märkte gibt, die noch nicht disrupted sind, wo es Geschäftsmodelle gibt, die sich noch zu kopieren lohnen. Dann schafft man theoretisch eine gute Gründung, steht aber menschlich gar nicht dahinter. Bei vielen Gründungen vermisse ich Leidenschaft – meine Empfehlung ist aber, in einem Bereich zu gründen, der einen wirklich interessiert, in dem man Erfahrung hat und seine Stärken einbringen kann. Bei einer Gründung sollte es außerdem im Idealfall um echte Innovation gehen. Es wird viel von einem eigenen Bedürfnis ausgehend gegründet. Das ist häufig weder innovativ noch besonders schlau oder technisch ausgefeilt. Wir brauchen mehr Anspruch ans Gründen, denn es ist kein Selbstzweck, sondern harte Arbeit. Es geht darum, ein Produkt oder einen Markt zu kreieren, den es in dieser Form noch nicht gibt.

Die größte Gefahr ist, sich im Gründen zu verlieren, von einer Netzwerkveranstaltung zur nächsten zu hetzen und zu denken, dass dauernder Austausch der Weg zum Erfolg sei. Am Ende entscheiden die ersten sechs Monate über Erfolg oder Misserfolg. Kriegt man da die PS auf die Straße, baut man da etwas, das Investoren interessiert, kriegt man Geld, um es groß zu machen? Ist man die ersten sechs Monate zu sehr mit sich selbst beschäftigt, mit dem Drucken von Visitenkarten und dem Einrichten seines Büros, dann wird es nicht funktionieren. Kurz: Fokus aufs Produkt, Kopf runter, hart arbeiten.


 

Lin Kayser, Founder und CEO von Hyperganic

Mut, Leidenschaft und voller Einsatz

Eines der größten Probleme für junge Gründer liegt darin herauszufinden, womit sie sich im Leben eigentlich beschäftigen wollen. Viele Gründer legen eine große Hektik an den Tag und möchten unbedingt ganz schnell erfolgreich sein – und dazu gibt es überhaupt keinen Grund. Gerade als junger Mensch kann man in so viele Themenfelder hineinschnuppern und hat auch noch nicht den großen finanziellen Druck. Man soll, ja man muss Dinge ausprobieren, wenn man jung ist. Und sich ernsthaft fragen: Welche Themen interessieren mich im Alltag wirklich? Was verschafft mir Befriedigung? Worauf kann ich rückblickend stolz sein? Erkennt man seine Passion, dann können ganz tolle Dinge passieren. Man kann aber auch schnell jahrelang relativ uninspiriert vor sich hin schuften. Ich bemerke auch, dass viele junge Gründer recht klein denken, da wird dann eben die hundertfünfzigste Fitness-App entwickelt. Wo bleibt der Mut für größere Themen, für Dinge, die andere für ein bisschen verrückt halten? Meiner Erfahrung nach kostet es genauso viel Energie, ein großes Thema aktiv zu gestalten wie einen kleinen Teilaspekt davon. Es ist immer sehr viel Arbeit, tagsüber und oft auch nachts. Warum also seine Lebenszeit für etwas vergeuden, das wenig Impact hat? Ganz wichtig dabei sind auch die richtigen Mitarbeiter: Nicht vom CV blenden lassen! Bei Hyperganic verfolgen wir im Team zum Beispiel eine klare „No-Asshole-Policy“. Hat einer aus unserem Team bei einem Bewerber kein gutes Gefühl, wird der nicht eingestellt, ganz egal, wie gut sein Lebenslauf ist.



Waldemar Wenzel, Co-Founder Morotai

Never forget why you started 

Dieser Leitspruch hängt bei uns ganz groß im Office. Er soll jeden von uns immer daran erinnern, was unser Antrieb ist – und er geht weit über den monetären Aspekt hinaus, es sind ganz andere Werte, die uns motivieren. Junge Gründer sollten darauf achten, dass sie bei der Teamzusammenstellung auf Mitarbeiter unterschiedlicher Kenntnisse achten, denn ich habe oft gesehen, dass sich zwei zusammentun, die beide aus der gleichen Ecke kommen: zwei Designer, zwei Ingenieure, zwei Software-Entwickler. Nur eine gute App zu entwickeln oder nur gutes Design zu machen reicht aber bei Weitem nicht aus. Wir zum Beispiel haben von Anfang an darauf geachtet, auch Mitarbeiter einzustellen, die Zahlen- und IT-affin sind. Diese schöne Ausgewogenheit an Fachbereichen ist sehr hilfreich. Man sollte sich zudem nicht scheuen, auch auf externe Berater zurückzugreifen, wenn man kurzfristig bei einem Problem nicht weiterkommt. Das Gute ist, dass man heutzutage relativ schnell in einen Bereich eintauchen kann, von dem man eigentlich gar keine Ahnung hat. Denn es ist nicht mehr schwer, sich unglaublich viel Wissen in sehr kurzer Zeit anzueignen, um auf Augenhöhe mit der Konkurrenz mithalten zu können. Man kann in vielen Bereichen noch sehr viel erreichen, wenn man Dinge und ewig bestehende, eigentlich unsinnige Strukturen hinterfragt. Denn es sind nicht mehr die Großen, die die Kleinen fressen, es sind die Schnellen, die die Langsamen überholen. 

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Journalist

Katja Deutsch

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