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Holger Müller, Vorstand der Subito AG und Kay Uwe Berg, Hauptgeschäftsführer des BDIU. UNTERNEHMERTUM

Warum der Mittelstand viel Geld bei Forderungen liegen lässt

Das Managen von Forderungen wird von vielen Betrieben immer noch sehr stiefmütterlich betrieben. Auch die öffentlichen Verwaltungen könnten mit dem richtigen Management richtig viel Geld in die Kassen spülen.

Die Wirtschaft boomt, die Arbeitslosenzahlen sind niedrig und so ist es auch um die Zahlungsmoral der Deutschen gut bestellt. „Die Gründe liegen auf der Hand: Mehr Jobs, höhere Löhne und auch die niedrigen Zinsen spülen mehr Geld ins Portemonnaie. Trotzdem gibt es Probleme. Nicht jeder Verbraucher profitiert von dem guten Trend. Ungefähr jeder zehnte Deutsche gilt als überschuldet, dieser Anteil hat sich in den letzten Jahren leider kaum verändert“, sagt Kay Uwe Berg, der Hauptgeschäftsführer des BDIU (Bund der Deutschen Inkasso Unternehmen).

Laxe Zahler sind problematische Kunden für die Wirtschaft. Sie können kleine und mittelständische Unternehmen ernsthaft in Gefahr bringen. Die Wirtschaft profitiert eindeutig von einer guten Zahlungsmoral, hat aber auch Probleme so Kay Uwe Berg: „Noch vor wenigen Jahren hatten viele Handwerker und Baufirmen Probleme, das Geld für ihre Leistungen zu erhalten. Jetzt ist an erster Stelle der Onlinehandel, der mit säumigen Zahlern kämpft. Das hat mit dem Boom zu tun, den das digitale Einkaufen in den letzten Jahren erlebt hat. Mehr Umsatz bedeutet mehr Inkassofälle, da es immer auch Kunden gibt, die mit ihrer Vertragserfüllung in Verzug geraten.“

Zwischen fünf und zehn Milliarden Euro werden pro Jahr durch die Inkassounternehmen wieder der Wirtschaft zugeführt und immer mehr Unternehmen setzen hier auf externe Dienstleister. Die wollen und sollen mit modernster Software arbeiten, doch hier steht die Digitalisierung der Serviceleistungen noch ziemlich am Anfang. „Das liegt an der Regulatorik im Geschäft, dieser Markt hat ganz hohe rechtliche Einstiegshürden. Wir werden durch die Digitalisierung in Zukunft deutlich mehr Kanäle anbieten müssen, um mit dem Schuldner in Kontakt zu treten. An dieser Stelle gibt es noch richtig viel Platz für gute Ideen. Es gibt bei Payback Punkte, warum soll es so ein System nicht auch für Schuldner geben. Wir müssen es dem Schuldner in Zukunft so einfach wie möglich machen, bezahlen zu können“, sagt Holger Müller, Vorstand der Subito AG. Hier wird genau über solche Systeme nachgedacht, es wird Software entwickelt, die der Mittelstand für das Managen der Forderungen einsetzen kann. 

So sieht das auch der Hauptgeschäftsführer des BDIU, Kay Uwe Berg: „Wenn sich die Wirtschaft immer weiter digitalisiert und die Kunden im Netz einkaufen gehen, dann muss natürlich auch das Forderungsmanagement Schritt halten. Zum Beispiel Schuldnern anbieten, auf digitalem Wege ihre offenen Rechnungen zu begleichen oder online mit dem Gläubiger beziehungsweise dem Inkassodienstleister Kontakt aufzunehmen. Die Branche steht hier vor großen Veränderungen, wir sind dafür gewappnet und werden diesen Prozess mit eigenen Ideen befeuern. Digitalisierung ist eine Chance für noch besseres und verbraucherfreundliches Inkasso.“

Innovationen wie künstliche Intelligenz oder auch die Blockchain werden für neue Möglichkeiten im Forderungsmanagement sorgen. „Wir als Anbieter von Software bieten unseren Kunden die unterschiedlichsten Module an, wenn das Unternehmen wächst, wachsen die Module mit. Wir stehen natürlich auch immer als Partner zu Seite, um beraten zu können“, versteht Holger Müller von der Subito sein Verständnis für die Kunden. 

Das ist wichtig für viele Startups, die können sich so auf den Aufbau und die Finanzierung ihres Geschäftes konzentrieren. Das Managen der ausstehenden Forderungen übernehmen dann qualifizierte Dienstleister. Eine Idee, die sich auch in vielen deutschen Rathäusern und Verwaltungen durchsetzen könnte. Offene Forderungen bei Bund, Länder, Gemeinden und den Sozialversicherungen summieren sich auf über 70 Milliarden Euro, Tendenz steigend. Dieses Geld fehlt dann natürlich an allen Ecken und Kanten in den klammen Gemeinden für die nötigen Investitionen. „In den öffentlichen Verwaltungen findet jetzt zum Glück auch ein langsames Umdenken statt, da geht tatsächlich sehr viel Geld im Augenblick verloren. Das ist für uns ein großer Markt als Anbieter von Software, wo wir jetzt verstärkt reingehen wollen“, erklärt der Vorstand der Subito AG, Holger Müller.

Auch wenn die Städte und Gemeinden jetzt anfangen, ihre Forderungen durch spezialisierte und professionelle Dienstleister managen zu lassen, eines wird sich auch durch die Digitalisierung nicht ändern: „Am Ende zählt beim Inkasso aber immer der persönliche Kontakt. Gerade dafür halten unsere Mitgliedsunternehmen enorme Ressourcen vor. Wenn ein Schuldner sich an ein Inkassounternehmen wendet, um seine Zahlungsverpflichtung zu besprechen, dann wird hier auch in Zukunft ein Mensch mit einem anderen Menschen reden. IT erleichtert den Weg dahin, aber der eigentliche Inkasso-Vorgang basiert immer auf der Kommunikation zwischen zwei Seiten“, da ist sich Kay Uwe Berg sicher. Inkassounternehmen setzen auf digitale Schnittstellen, sowohl mit ihren Auftraggebern als auch mit den Schuldnern, damit die Kommunikation einfacher wird. Das birgt große Chancen, mehr Services anzubieten.“

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Journalist

Frank Tetzel

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