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Jeder Gang macht schlank - wie die Bewegung in unseren Alltag zurückkommen kann

Wir sind eine mobile Gesellschaft, werden aber immer immobiler. Bewegungsmangel ist nicht nur in Deutschland ein Thema, das sich am besten durch den Kartoffelchips essenden Couchpotatoe vor der Glotze dokumentiert, sondern auch durch die Tatsache, dass der Mangel an Bewegung dazu führt, dass die Gesellschaft immer kränker wird.

 

Diabetes, aber auch Krebs und andere Krankheiten sind unter anderem auch auf den Bewegungsmangel zurückzuführen.

Prof. Dr. Ingo F. Froboese ist unter anderem Leiter des „Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung“ der Deutschen Sporthochschule Köln Mit ihm sprachen wir darüber, wie man verschiedene Altersgruppen motivieren kann, sich vom Sofa oder vom Stuhl zu erheben und aktiver zu werden.

Herr Professor Froboese, unser Alltag ist überwiegend von sitzenden Tätigkeiten geprägt, ist das ein Grund für den Bewegungsmangel?

Evolutionär betrachtet sind wir Menschen Fußgänger oder besser Fußläufer. Ohne das Laufen, wäre die Jagd auf Tiere unmöglich gewesen, genauso wenig wie übrigens die Flucht vor Gefahren.

Die Segnungen unserer moderner Zeit, überall kleine Helferlein zu haben, die uns das Leben erleichtern sollen, sind gleichzeitig unserer Fluch. Wir arbeiten fast nur noch im Sitzen und hängen zuviel auf Bürostühlen oder auf dem Sofa ab.

Welche Folgen hat das für uns?

Ob Sie es glauben oder nicht, sie kosten uns viele gesunde Jahre. Ich will hier nicht den bösen Onkel spielen, der immer alles schwarz malt. Doch es tatsächlich so, die Folgen der hohen Inaktivitätszeiten sind gravierend, denn wir unterfordern unserer Körper, der ja eigentlich auf Bewegung ausgerichtet ist, ständig. Was passiert mit uns, wenn wir ihn mit langen Sitzzeiten unterfordern? Unsere Herz-Kreislauf-System altert vorzeitig, die Herzfunktionen lassen nach, auch die Gefäße beginnen zu schwächeln. Stoffwechselstörungen, ein geschwächtes Immunsystem, Rheuma, Muskelschwund und Arthrose können weitere Folgen sein. Von Übergewicht will ich gar nicht reden. Selbst die Knorpel und die Bandscheibe halten sich durch Bewegung stabil. Aufgrund des Bewegungsmangels fehlt uns die Stabilität für ein gesundes, mobiles, selbständiges und altersgerechtes Leben.

Drehen wir das Thema einmal um, wofür ist Bewegung denn gut?

Nun regelmäßige Bewegung, ich spreche übrigens noch nicht von Sport, verbessert die Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislaufsystems, die Sauerstoffversorgung, den Blutdruck, die Blutfettwerte und das Immunsystem. Der gesamte Bewegungsapparat, Knochen, Sehnen, Bänder, Muskeln und Gelenke werden gestärkt, das Risiko, an Arthrose oder ähnlichem zu erkranken, sinkt. Bewegung hat darüber hinaus einen signifikanten Einfluss auf die Blutzuckerwerte und können sich normalisieren, und auch ein Diabetes Typ 2 kann positiv beeinflusst werden. Das Risiko an Thrombosen- und Herzinfarkt zu erkranken sinkt und die Konzentrationsfähigkeit steigt. Auch das Aussehen der Haut verändert sich.  Und hier wiederhole ich mich möglicherweise: Die Beweglichkeit und körperliche Belastbarkeit bleibt bis ins hohe Alter erhalten.

Es ist überliefert, dass der ehemalige britische Premier Winston Churchill den berühmten Satz getätigt haben soll, warum er so alt geworden ist: „No Sports“.  Den ziehen Couchpotatoes gern heran…

Ja, ich kenne den und er wird natürlich gern zitiert. Aber bedenken Sie, dass selbst bis in die siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, die Menschen viel mehr zu Fuß unterwegs gewesen sind. Im Übrigen will ich darauf hinweisen, dass es mir noch nicht einmal um Sport geht, sondern um Bewegung. Diese muss wieder in den Alltag zurück. Das ist eigentlich ganz leicht, etwa wenn man auf dem Weg zur U-Bahn anstelle der Rolltreppe oder des Fahrstuhles die Treppe nimmt. Ich sage gern - jede Treppenstufe bedeutet einen Herzschlag im Leben mehr. Oder sie nehmen zum Bäcker um die Ecke nicht das Auto, sondern gehen die wenigen Meter zu Fuß oder nehmen das Fahrrad. Wenn es dann auch noch bergab- oder bergauf geht, umso besser.

Im normalen Alltag zu Hause kann das funktionieren, aber im Büro?

Kennen Sie noch den Spruch - Jeder Gang macht schlank. Da ist ja was wahres dran. Stellen Sie doch einfach mal ihren Arbeitsplatzdrucker nicht neben dem Schreibtisch, sondern zwei Räume weiter auf. Dann wechselt sich die sitzenden Tätigkeit auch mit Bewegung ab.

Gut damit haben Sie mich motiviert, mehr zu tun, ausreichend ist das aber noch nicht….

… es ist zunächst einmal ein erster Schritt, und der ist bekannterweise am Wichtigsten. Die Herausforderung ist die richtige Bewegungsform oder Sportart individuell für sich herauszufinden.

Nun, ein stark übergewichtiger Mensch wird ungern ins Schwimmbad gehen…

… genau, kennen Sie den Wahl-o-mat?  So etwas ähnliches bauen wir gerade für ihre persönlichen Bewegungsbedürfnisse. Wir nutzen dafür die Digitalisierung und entwickeln eine Art digitalen Fragebogen, der am Ende die individuelle zugeschnittene Sport- oder Bewegungsart ausspuckt. Wir nennen das Activ-O-Mat! Wir hoffen noch vor Ostern des kommenden Jahres damit an den Start gehen zu können.

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Journalist

Frank Tetzel

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