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„Stillstand ist für mich ein Fremdwort“ – Lea Lange

Lea Lange, Geschäftsführerin und Gründerin von JUNIQE, zählt zu den erfolgreichsten Frauen der deutschen Startup-Szene. Ihre Mission: Kunst in jedes Zuhause zu bringen.

Mein Job ermöglicht es mir, meine Begeisterung für Kunst und Design auszuleben.

Als Lea Lange 2013 die Idee hatte, einen Onlineshop für anspruchsvolle bezahlbare Kunst aufzubauen, ahnte die damals 26-Jährige mit Sicherheit noch nicht, dass ihr Startup einen so durchschlagenden Erfolg haben würde. Die individuell kuratierten Arbeiten von internationalen Künstlern verkauft JUNIQE mittlerweile in 13 Ländern Europas. Heute ist Lea Lange zusammen mit Marc Pohl und Sebastian Hasebrink nicht nur Co-Geschäftsführerin der Firma mit jetzt rund 100 Mitarbeitern. Die Unternehmerin ist immer bemüht, JUNIQE auf ein nächstes Level zu heben. Der neueste Coup: ein Pop-up-Store in der Karstadt-Filiale Schloßstraße in Berlin.

An ihre Anfänge denkt Lea Lange, die vom Forbes Magazine auf die „30 under 30“-Liste der erfolgreichsten Unter-30-Jährigen Europas gesetzt wurde, gern zurück. „Eine aufregende Zeit. Nachdem wir im Januar 2014 live gegangen sind, ging es schnell voran“, bilanziert sie. Bis zu dem Zeitpunkt, als die Seite stand, finanzierten die Wahl-Berlinerin und ihre beiden Geschäftspartner alles selbst. Dann kamen Business Angels hinzu, Mitte 2014 startete die erste große Finanzierungsrunde. Inzwischen wurden mehr als 20 Millionen Euro Investitionskapital eingesammelt. „Das Vertrauen der Geldgeber wollen wir nicht missbrauchen“, sagt Lea Lange, die nahezu rund um die Uhr arbeitet, um ihr „Baby“ voranzubringen. „Natürlich fühlt man sich verantwortlich, aber ich habe ein starkes Team an meiner Seite, das mir viel abnimmt.“

Fünf Gründe für ihren Erfolg

Dass JUNIQE so glänzend dasteht, führt sie auf mehrere Faktoren zurück. Erstens: das Gründerteam, das sich gut ergänzt und vertraut und stets das große Ganze vor Augen hat. Zweitens: Zur richtigen Zeit eine relevante Geschäftsidee – schließlich war JUNIQE die erste Marke für bezahlbare Kunst – und ein stetiger Fokus darauf, wonach der Kunde sucht. Vor allem in der Anfangsphase habe man sehr genau darauf geschaut, was läuft und was nicht, so die sympathische Gründerin, für die Stillstand ein Fremdwort ist. Drittens: Kundenorientierung. „Viele Startups beschäftigen sich zu wenig mit ihren Kunden, ihren Wünschen und Bedürfnissen“, ist Lea Lange überzeugt. „Wir dagegen stehen in einem engen Kontakt mit unseren Kunden und nehmen ihr Feedback ernst.“ Viertens: Produktion „on demand“, weil das eine kostenintensive Lagerhaltung erspart. Und fünftens: eine herausragende IT und ein überzeugendes Design.

Für die Zukunft ist geplant, die Marke noch bekannter zu machen, dabei sind auch weitere Partnerschaften mit Offline-Partnern eine Option. Kernfokus bleibt jedoch die eigene Plattform. So arbeitet das Team beispielsweise daran, seine Kunden durch relevante Inhalte zu inspirieren und durch die richtigen Tools noch besser bei der Auswahl von Designs zu unterstützen. Außerdem steht ganz oben auf der Agenda, eine noch relevantere Shopping-Erfahrung zu bieten. Es gibt also viele Gründe, die Seite regelmäßig zu besuchen und zu schauen, wie Leas Künstlercommunity weiterwächst.


Lea's Tipps für Gründer

• Eine Firma führt man nicht nebenbei. Man muss viel Zeit und Ressourcen investieren und fokussiert sein, um ein Unternehmen voranzubringen. Dabei steht man oft vor der Herausforderung, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und auch einmal Dinge nicht zu machen. Ein aktives „Nein“ kann viel Zeit und Energie sparen.

• Besonders zu Beginn kommt es darauf an, die Geschäftsidee mit den tatsächlichen Kunden zu validieren. Dabei gilt es, Antworten auf die Fragen zu finden, wer genau die Zielkunden sind, wie ihr Kaufverhalten aussieht und welche Kaufanreize sie haben.

• Beim Thema Finanzierung bekommt man immer wieder Absagen von potenziellen Investoren. Durch negatives Feedback und Niederlagen sollte man sich nicht von seinem Weg abbringen lassen, sondern vielmehr versuchen, diese als Challenge zu sehen, daraus zu lernen und das Business-Modell entsprechend zu verbessern.

• Authentische Überzeugungsarbeit kann man nur leisten, wenn man mit Feuer und Flamme dabei ist. Wer nicht für seine Idee brennt, wird kaum lange durchhalten.

• Essenziell ist, die eigene Idee gut zu durchdenken und kontinuierlich dafür zu sorgen, dass sie noch besser wird. Damit das gelingt, ist es ratsam, drei bis fünf Projekte zu identifizieren, die das Business aufs nächste Level heben. Dabei kann man auch einmal seinem Bauchgefühl folgen.

• Die Leidenschaft und den Antrieb der ersten Stunde sollten Gründer sich langfristig bewahren. Und nicht vergessen, Erfolge gebührend zu feiern.

Fakten

Lea Lange (30) ist Gründerin und Unternehmerin aus vollstem Herzen. Sie lebt in einer Altbau-Wohnung am Prenzlauer Berg in Berlin, die sie selbst aufwendig modernisiert und mit viel Liebe zum Detail gestylt hat. In ihrer knapp bemessenen Freizeit geht Lea gern Joggen, auch weil sie dabei gut abschalten kann.

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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