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Wir Frauen sollten uns regelmäßig abtasten

Brustkrebs lässt sich heute gut behandeln – wenn er früh genug erkannt wird. Regina Halmich über eine Erkrankung, die jede achte Frau betrifft. 

Ich habe das erste Mal im Trainingslager über Brustkrebs nachgedacht. Die Frau des Hausmeisters bekam ihn, als ich Mitte zwanzig war.

Dieses komische Ziehen oben an der rechten Brust – kommt es von den zwanzig mühsam geschafften Liegestützen gestern? Oder könnte es auf einen gefährlichen Knoten in der Brust hinweisen? Jede Frau kennt die Angst, die einen bei plötzlichen auftretenden Schmerzen zwischen Achsel und Brust überfällt. Wer nicht grübeln möchte, sollte zum Telefonhörer greifen und einen Termin zur Brustkrebsvorsorge vereinbaren. Dort wird die Brust ausgiebig von allen Seiten abgetastet. In den allermeisten Fällen war der Schmerz falscher Alarm und man kann aufatmen.

„Genauso wichtig wie der jährliche Vorsorgetermin ist das eigene Abtasten“, sagt Regina Halmich, Ex-Boxweltmeisterin und seit sechs Jahren Botschafterin von Pink Ribbon. Um eine bildliche Anleitung zu geben, hat sich die attraktive ehemalige Hochleistungssportlerin für die Organisation mit der rosa Schleife mit Body Painting bemalen lassen und zeigt anhand dieser Bilder, wo und wie man das ungewohnte Abtasten vornimmt. „Ich wusste das ja selbst auch nicht“, erzählt sie. Bereits im Alter von 13 Jahren begann sie mit dem professionellen Boxtraining, nachdem sie vorher schon Judo, Karate und Kickboxen ausprobiert hatte. Wie alle Spitzensportler kannte sie ihren Körper schon in jungen Jahren sehr gut, hörte auf ihn, lernte ihn zu lesen – und wusste genau, welches Ziehen von falscher Belastung herrührte. „Schläge auf die Brust waren jedenfalls nie der Grund für Schmerzen, das gilt beim Frauenboxen als absolutes Tabu.“

Wer im Sport an die Weltspitze gelangen will, kümmert sich täglich um seine Kraft und Leistungsfähigkeit, an die Gesunderhaltung denkt man dagegen meist erst bei der Konfrontation mit Erkrankungen. „Ich habe das erste Mal im Trainingslager über Brustkrebs nachgedacht“, erzählt die engagierte Karlsruherin. „Die Frau des Hausmeisters, unsere gute Fee vor Ort, hat Brustkrebs bekommen, als ich Mitte zwanzig war. Für mich ist damals eine Welt zusammengebrochen, als ich ihr Leiden miterlebt habe.“ Seitdem lässt sie das Thema, das allein in Deutschland jedes Jahr zu 70 000 Neuerkrankungen führt, nicht mehr los.

Woher kommt Brustkrebs? Trotz weltweiter Forschung ist die Entstehung der Zellentartungen nicht wirklich geklärt. Immer mehr Menschen bekommen Krebs, doch in vielen Fällen rettet Früherkennung Leben. Brustkrebs entsteht überwiegend hormonabhängig: Östrogen treibt Stammzellen in den Milchdrüsen dazu, sich stark zu vermehren, was bei mutierten Genen zur Bildung von Krebszellen führen kann. Bewegung, gute Ernährung und Glück wirken dem entgegen – und trotzdem kennt jeder auch offensichtlich glückliche Menschen, die an Krebs erkranken. Und die Idee mit dem ununterbrochenen Glücklichsein gilt den meisten Frauen auch als ziemlich unrealistisch.


Foto: Claudio di Lucia 

„Gerade deshalb ist es so wichtig, die Vorsorge und das regelmäßige Selbst-Abtasten nicht schleifen zu lassen“, sagt Regina Halmich. „Ich mache das auch. Gerade in fortschreitendem Alter sollte man daran denken.“ Wie das Abtasten geht, lässt sich auf der Internetseite von Pink Ribbon ansehen. Ganz besonders gute Abtasterinnen sind die Frauen, die von „Discovering Hands“ ausgebildet wurden. Sie sind sehbehindert oder blind und haben deshalb ein zigfach sensibleres Tastvermögen als jeder Arzt und jede Ärztin.

Würde sich die nach wie vor supersportliche Blondine im Falle einer Brustamputation zum Aufbau mit Silikon entschließen oder die Narbe lassen, wie sie ist? „Darüber habe ich noch nie nachgedacht“, gibt sie zu. „Ich denke viel öfter darüber nach, es niemals so weit kommen zu lassen.“ Vielleicht würde ihr mit nur einer Brust ein wesentliches Stück Weiblichkeit fehlen, vielleicht wäre sie aber auch so froh, den Krebs los zu sein, dass sie auf die Schönheitsoperation verzichten würde.

Ist eine schöne Frau glücklicher? „Wer mit sich selbst im Reinen ist, ist glücklich und blickt gern in den Spiegel“, sagt die charmante 41-Jährige. „Auch ich habe mich zu einer Schönheitsoperation entschieden: Meine mehrfach gebrochene Nase war ganz schön breit, und das hat mich gestört. Denn ich bin zwar Profiboxerin gewesen, aber ich bin auch noch eine Frau. Und nach der Operation war ich sehr glücklich!“ Ein Experte von Clinic im Centrum, wo sie ebenfalls als Testimonial tätig ist, hat sie fünf Stunden lang operiert und dabei auch die verschobene Nasenscheidewand wieder an die richtige Stelle gerückt. „Warum sollte jemand nicht zum Schönheitschirurgen gehen, wenn er jahrelang wegen eines vermeintlichen Makels unglücklich ist? Ich habe ja selbst gemerkt, wie froh ich war, wieder eine schöne Nase zu haben“, strahlt sie. Die Sportlerin, die zwölf Jahre lang den Weltmeistertitel der Women’s International Boxing Federation im Fliegengewicht hielt, liebt Sport nach wie vor und trainiert viermal pro Woche. Nicht mehr so hart wie als Profi, sondern um sich wohl zu fühlen – und um gern in den Spiegel zu blicken.

Fakten

Regina Halmich hat sich nach ihrer Boxkarriere geschworen, nie wieder eine Diät zu machen. Sie isst gern Pizza und Pasta, liebt Reisen und bietet demnächst Training auf der MS Europa 2 an, mit der sie über die Weltmeere in ferne Länder schippert.

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Journalist

Katja Deutsch

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