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Ralph Linde, Volkswagen Group Academy GESELLSCHAFT

VW und die Suche nach qualifizierten Talenten

VW geht neue Wege in der Rekrutierung von Mitarbeitern. Seit vier Jahren leitet Ralph Linde die Volkswagen Group Academy. Der Managementtrainer bündelt das Coaching und die Ausbildung für den gesamten Konzern. 

Der VW-Konzern in Wolfsburg hat inzwischen genauso unter dem Mangel an Fachkräften zu leiden wie andere DAX-Konzerne oder der Mittelstand. Doch schon seit ein paar Jahren ist man hier einen eigenen Weg gegangen. So ist es nicht selbstverständlich, dass Mitarbeitern in China oder den USA eine Ausbildung ähnlich der in Deutschland angeboten wird. In diesen Ländern gibt es kein System der Berufsausbildung wie in Deutschland. Aber auch die Akademiker sind in Deutschland schwer gefragt. Auch hier hat VW eine Lösung für sich gefunden. Wir haben exklusiv mit dem Leiter der Volkswagen Group Academy, Ralph Linde, sprechen können.

Volkswagen setzt intensiv auf junge und fähige Köpfe. Erreicht der Konzern bei der Zahl der Neueinstellungen seine Ziele?

Selbstverständlich. Volkswagen ist ein sehr attraktiver Arbeitgeber. Allein an den zehn Standorten der Marke Volkswagen in Deutschland beginnen jährlich rund 1600 junge Leute mit ihrer Berufsausbildung – davon rund 1300 Auszubildende und 300 dual Studierende. Über alle Jahrgänge hinweg befinden sich derzeit mehr als 5000 Auszubildende/dual Studierende in einer Ausbildung bei Volkswagen. Und die Zahl der Bewerber übersteigt die Zahl der Ausbildungsplätze regelmäßig um ein Vielfaches, deshalb haben wir keine Not, kluge und leistungsbereite Nachwuchskräfte zu finden.

Und wie sieht es aus, wenn sie Spezialisten gewinnen wollen?

Volkswagen bietet hochqualifizierten Bewerbern außerordentlich spannende Aufgaben – vermutlich so spannende wie nie zuvor. Die gesamte Automobilbranche befindet sich im Wandel, und Volkswagen bestimmt diesen Wandel hin zu Elektromobilität und Digitalisierung maßgeblich mit. Natürlich legen Top-Leute – und ebenso Top-Nachwuchskräfte – heute großen Wert auf ein sehr gutes Arbeitsumfeld, auf Teamgeist und erstklassige Entwicklungsmöglichkeiten. Genau dafür ist Volkswagen seit Jahren bekannt

Zurück zur Berufsausbildung. Mit welchen Maßnahmen versuchen Sie, kompetenten Nachwuchs zu überzeugen?

Wir achten darauf, mit unserer Leistung als Ausbilder und als Arbeitgeber zu überzeugen. Das gelingt uns gut. Was das heißt? Wer eine Ausbildung bei Volkswagen beginnt, kann fest davon ausgehen, dass er auf erstklassigem Niveau ausgebildet wird. Wir sind überzeugt, dass die Digitalisierung die Arbeitswelt in Fabrik und Büro revolutioniert. Das heißt, dass sich auch viele Berufsbilder stark verändern. Genau das berücksichtigen wir in der Ausbildung.

Wie wandelt sich die Berufsausbildung? Gibt es künftig mehr Informatiker und Elektrotechniker als klassische Automobilbauer?

Ich gehe davon aus, dass die Zahl der Ausbildungsplätze in klassischen metallbearbeitenden Berufen zurückgehen wird. Im Gegenzug erhöht sich der Anteil der Elektroniker, Fachinformatiker sowie der Berufe mit Software- und Programmierkompetenzen. Es wird auf jeden Fall eine Kompetenzverschiebung in Richtung Digitalisierung geben – und zwar in allen Berufen. Das heißt aber nicht, dass die bisherigen Berufe aussterben.

Wirkt sich die Digitalisierung auch auf das Qualifizieren selbst aus? Inwieweit hat die Digitalisierung schon jetzt die Lernprozesse bei Ihnen verändert?

Die Digitalisierung wirkt sich auch auf unsere eigene Bildungsarbeit aus. Wir entwickeln zunehmend digitale Inhalte und Formate, beispielsweise MOOCs, massive open online courses. Ein anderes Beispiel: Wir erproben auch, wie wir mit Virtual-Reality-Brillen Mitarbeiter in aller Welt darin schulen, Roboter zu bedienen. Aber es geht nicht nur um die technische Anwendung von Hilfsmitteln. Digitalisierung braucht auch soziale Kompetenzen, denn sie verändert die Art, wie wir zusammenarbeiten.

Gibt es ganz neue Abläufe und neue Inhalte?

Wir bauen deshalb auch auf völlig neue Lernformate. In der Berufsausbildung haben wir die Berufsgruppen der Mechatroniker und Elektroniker für Automatisierungstechnik mit iPads ausgestattet, um digitales Lernen unabhängig von Ort und Zeit zu ermöglichen. Die Lerninhalte und Methoden werden kontinuierlich dem digitalen Wandel angepasst. Weitere digitale Lerninhalte werden derzeit erstellt und zur Verfügung gestellt, z. B. haben unsere dual Studierenden mit Azubis gemeinsam eine Industrie 4.0-Anlage aufgebaut, in der neueste Smart- und Vernetzungstechnologien integriert sind. Die Möglichkeiten, aber auch die Anforderungen durch die Digitalisierung in der Bildung sind riesengroß.

Sind junge Menschen eigentlich wählerischer bei der Berufswahl?

Ich würde nicht von „wählerisch“ sprechen. Es ist sehr gut, dass junge Leute die Berufswahl nicht auf die leichte Schulter nehmen und sich vorher sehr intensiv informieren. Nur wenn mir der Beruf Freude macht, bin ich auch gut darin. Dann bekomme ich Anerkennung für das, was ich leiste, bin auf Dauer zufrieden, möchte mich entwickeln und weiterlernen. Deshalb sollten Unternehmen Nachwuchskräften nicht nur interessante Projekte und Entwicklungsmöglichkeiten bieten, sondern auch ein gutes Betriebsklima, fairen Umgang und gute Arbeitsmodelle.

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Journalist

Jörg Wernien

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