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Dr. Uwe Sayer, FSC-Geschäftsführer PRODUKTION

Ein Siegel für die Nachhaltigkeit

Das FSC (Forest Stewardship Council) Zertifikat ist ein weltweit anerkanntes Siegel für nachhaltige Forstwirtschaft. Es stellt sicher, dass Holz- oder Papierprodukte nicht aus illegalen Abholzungen stammen.

Das FSC-Siegel erlaubt eine deutliche Orientierungsmöglichkeit für Verbraucher.

Viele Betriebe in Deutschland sind FSC-zertifiziert. Unter den 200 Mitgliedern sind alle großen Umweltverbände, Gewerkschaften und praktisch alle großen Handelsmarken. Vermutlich 80–90 % des Handels mit holz- oder papierbasierten Produkten wird durch das Siegel in Deutschland repräsentiert. Das neue Verpackungsgesetz (VerpackG) soll für weniger Plastikmüll sorgen. Heißt das, der Verbrauch von Pappe und Papier steigt dramatisch an? Wir haben mit dem FSC-Geschäftsführer, Dr. Uwe Sayer, gesprochen.

Viele Supermärkte verzichten auf Plastik – es wird also mehr Papier verbraucht werden. Ist das umweltfreundlich?

Das hängt natürlich immer davon ab, welchen oder welche der Faktoren man in den komplexen Begriff „Umweltfreundlichkeit“ miteinbezieht. Grundsätzlich steht der FSC im Papierbereich für folgende Bewertungskaskade: 1. Vermeidung, 2. wo möglich Recycling, 3. wo Frischfasern erforderlich: FSC-zertifizierte Frischfasern. Ein kluges Verbraucherverhalten wägt also zunächst ab, ob man eine Tüte im Supermarkt überhaupt braucht, selbst wenn diese aus Papier ist. Die nachhaltigste Variante überhaupt stellt nun einmal eine grundsätzliche Einsparung von Ressourcen dar. Das Anliegen des FSC ist es also nicht, dass jedes Plastikprodukt dieser Erde in Zukunft aus Papier und Holz produziert wird – sondern dass dort, wo ein erforderlicher Bedarf an holzbasierten Rohstoffen besteht und wo diese beispielsweise herkömmliche, umweltschädlichere Materialien ersetzen können, auch Wert auf eine verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung gelegt wird. Berücksichtigt man diese Aspekte, ist Papier auf jeden Fall als sinnvolle Alternative zu Plastik anzusehen.

Wie können Produkte aus der Verpackungsindustrie (Getränkekartons, Pappen etc.) sich zertifizieren lassen?

Verpackungshersteller müssen sich als Unternehmen in der Verarbeitungskette (Chain of Custody) durch eine unabhängige und vom FSC zugelassene Zertifizierungsstelle prüfen lassen, um das FSC-Zertifikat zu erhalten. Gegenüber dem Zertifizierer muss der Betrieb dann in mindestens jährlichen Kontrollen zeigen, dass er die FSC-Regeln einhält. Ist dies erfolgreich, können Verpackungshersteller ihre Produkte mit dem FSC-Siegel kennzeichnen. Gerade im Verpackungsbereich gibt es seit einiger Zeit eine stetig wachsende Nachfrage nach umweltfreundlichen, zertifizierten Materialien, insbesondere nach FSC.

Wie prüft der FSC, dass alle Richtlinien einer nachhaltigen Produktion eingehalten werden?

Um eine sozial und ökologisch verantwortungsvolle Bewirtschaftung der Wälder unserer Erde zu unterstützen, wurden vom FSC weltweit einheitliche Prinzipien und Kriterien festgelegt. Diese müssen alle zertifizierten Forstbetriebe einhalten. Produkte dürfen das FSC-Warenzeichen nur dann tragen, wenn über die gesamte Verarbeitungs- und Handelskette (die sogenannte Chain of Custody) hinweg sichergestellt ist, dass FSC-Material nicht unerlaubt mit solchem aus nicht zertifizierten Quellen vermischt wird. Auf diese Weise wird es Verbrauchern beim Kauf von FSC-zertifizierten Produkten ermöglicht, einen aktiven Beitrag zur Verbesserung der Waldwirtschaft zu leisten.

Fakten

Im Jahr 2016 wurden pro Kopf in Deutschland 248 kg Pappe, Papier und Karton verbraucht. Insgesamt waren das 20,5 Millionen Tonnen. Gleichzeitig haben private und kommunale Entsorger 15,4 Millionen Tonnen Altpapier gesammelt – eine Rücklaufquote von fast 75 % (Quelle: Umweltbundesamt).

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Journalist

Jörg Wernien

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