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Richtiges Schlafen kann man lernen

Immer mehr Menschen schlafen in der Nacht nicht richtig durch. Der so entstehende Schlafmangel führt zur Tagesmüdigkeit und zu verminderter körperlicher Belastbarkeit. Ein Problem, was zum Volksleiden geworden ist.

Die Ärzte nennen es Insomnie und verstehen darunter schwere Probleme beim Ein- oder Durchschlafen. Auch eine beeinträchtigte Schlafqualität gehört zu den Symptomen. Typisch für die Patienten ist, dass sie sich tagsüber in einem schlechten seelischen Zustand befinden. Eine Insomnie wird dann diagnostiziert, wenn diese Symptome dreimal pro Woche regelmäßig auftauchen.

Immer mehr Deutsche leiden unter den Schlafstörungen. Laut dem DAK Gesundheitsreport 2017 leidet inzwischen jeder zehnte Arbeitnehmer unter Insomnie. Eine Gefahr die von vielen unterschätzt wird. Der nächste Tag wird dann für viele zur Qual. Sie können kaum die Augen aufhalten, selbst beim Autofahren können die Betroffenen in einen Sekundenschlaf fallen – eine große Gefahr für die Umwelt und sich selbst. 

Die Ursachen für die Insomnie sind vielfältig. Ärzte haben herausgefunden, dass das „Blaue Licht“ für viele Schlafstörungen verantwortlich ist. Damit die Lichtabstrahlung von Monitoren oder Handy-Displays gemeint. Das „Blaue Licht“ simuliert das Tageslicht, der Körper reagiert darauf mit einer geringen Ausschüttung des Hormons Melatonin. Dieses Hormon steuert im Körper den Tages- und Nacht-Rhythmus. Das natürliche „Schlafmittel“ Melatonin wird blockiert und hält wach. Schlafexperten verordnen in diesem Fall eine Ruhepause. Der Körper kann sich regenerieren, wieder in die Ausgansposition zurückkehren. Doch die Betroffenen müssen auch ihren Lebensstil umstellen. Nicht bis spät in die Nacht noch Mails beantworten, den Fernseher und das Handy auslassen, lieber ein Buch lesen. Wichtig ist auch eine regelmäßige Zeit, in der das Licht im Schlafzimmer gelöscht wird. Schon nach kurzer Zeit geht es den Betroffenen besser, sie schlafen wieder durch, sind am nächsten Tag fit und ausgeruht.

Doch es gibt auch andere Symptome, die zur Insomnie führen. Große Belastungen durch eine Prüfung oder kranke Angehörige, Stress im Beruf oder im Privaten führen über einen längeren Zeitraum zur „erlernten Insomnie“. Die Situation kann sich längst wieder entspannt haben, die Schlafstörungen aber bleiben. In solchen Fällen lassen die Ärzte zuerst die Betroffenen ein „Schlaftagebuch“ führen. Mit Hilfe von Vordrucken dokumentieren die Patienten über zwei Wochen morgens und abends das eigene Schlafverhalten. Außerdem sollen sie besonders Tagesereignisse knapp protokolieren. Diese Aufzeichnungen geben dann einen ersten Aufschluss und erleichtern eine Diagnose und dann eine Therapie. Sollte das nicht reichen, kann die Untersuchung in einem Schlaflabor nötige sein. Diese Polysomnographie genannte Untersuchung soll die Störfaktoren innerhalb des Schlafes aufspüren. Nach der Diagnose, sie kann sich durchaus einige Tage oder auch Wochen hinziehen, beginnt die Therapie. Oft hilft die Lichttherapie, doch vielfach kommen auch geschulte Psychologen zum Einsatz, um den Problemen auf den Grund zu gehen.

In einer Schlafschule lernen die Betroffenen mit Hilfe von praktischen Übungen zu entspannen, los zu lassen, sich auf sich zu besinnen. In vielen Gesprächen versuchen die Ärzte, auch über die Probleme aufzuklären. In einigen Fällen müssen Ängste abgebaut werden, in anderen Veränderungen im Leben angestrebt werden. Unsere 24 Stunden Leistungsgesellschaft fordert dann ihren Tribut. Die Schlafschule versucht, den Patienten einen neuen Rhythmus für den Tag zu geben, sie lernen Stress abzubauen und mit welchen Techniken sie entspannen und wirklich zur Ruhe kommen können. So eine Schlafschule dauert in der Regel sechs Wochen und findet einmal wöchentlich 120 Minuten statt. Unter Umständen zahlen die Krankenkassen nach einer Insomnie Diagnose die Schlafschule. Eine Anfrage bei der Kasse lohnt sich immer.

Es gibt noch weitere Faktoren für Schlafstörungen. Wer darunter leidet, sollte sich nicht scheuen, einen Arzt zu konsultieren. Oft versuchen die Betroffenen sich selbst zu heilen. Wein kurz vor dem zu Bett gehen oder auch noch eine letzte Zigarette können den Schlaf ungünstig beeinflussen. Auch wer über einen längeren Zeitraum Schlafmedikamente einnimmt, bewirkt damit nur das Gegenteil – unter Umständen schwere Schlafstörungen. 

Wer nur selten unter Schlafstörungen leidet muss sich keine Sorgen machen. Das ist ganz normal und liegt an zu viel Arbeit oder einem ausgedehnten Vergnügen. Solche Störungen werden von einem gesunden Körper gut aufgefangen, hier gibt es ausreichend Reserven, um den Schlafmangel zu kompensieren. Tritt die Störung aber über Wochen ohne äußere Gründe auf, sollte das mit einem Arzt abgeklärt und damit eine Chronifizierung verhindert werden. Schwere Schlafstörungen erhöhen die Anfälligkeit für Krankheiten und führen zu Motivationsverlust sowie Einbußen bei der Konzentrationsfähigkeit. Die Lebensqualität und Leistungsfähigkeit der Betroffenen sinken, sie sind depressiv verstimmt, erschöpft und gleichzeitig permanent angespannt und gereizt. Das können die Betroffenen heute gut ändern.  Es gibt inzwischen viele Spezialisten in Deutschland, die eine Insomnie gut behandeln können. Hier finden Sie schonmal viele Informationen zum Thema: www.dgsm.de

Fakten

Schlaflabore und Schlafschulen fast in jeder Stadt sowie zahlreiche darauf spezialisierte Ärzte deuten es an: Insomnie ist eine Volkskrankheit geworden. Rund fünf Millionen Menschen leiden an chronischen Schlafstörungen. Eine Zahl, die durch unsere immer hektischer werdende Welt in Zukunft noch ansteigen wird.

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Journalist

Jörg Wernien

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