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Mit Rückenschmerzen schläft man schlecht

Was war zuerst, die Henne oder das Ei? Die Frage lässt sich auch bei Rückenschmerzen und Schlaf stellen. Denn wer Rückenschmerzen hat, der schläft schlecht, und wer schlecht schläft, empfindet Schmerzen am nächsten Tag viel stärker – um ganze 30 Prozent. 

Die optimale Matratze und das optimale Bett gibt es nicht, das ist immer abhängig von dem Menschen, der darauf schlafen möchte.


Dr. Holger Hein, Facharzt für Innere Medizin und Schlafmedizin aus Hamburg

„Will man den Kreislauf durchbrechen, muss man auf beiden Seiten nach der Ursache suchen“, sagt Dr. Holger Hein, Facharzt für Innere Medizin und Schlafmedizin aus Hamburg. „Man muss herausfinden, woher die Schmerzen kommen und man muss gegebenenfalls weitere Ursachen für den schlechten Schlaf ausmachen.“

Liegt die Ursache der Rückenschmerzen „nur“ an Verspannungen, oder leidet der Patient an einer regenerativen Veränderung? Zuerst sollte eine vernünftige Diagnostik erfolgen und im Anschluss eine Therapie, die durchaus auch mit Schmerzmitteln unterstützt werden kann. Bei Veränderungen, die das knöcherne Skelett betreffen und schweren Wirbelsäulenveränderungen ist eine spezielle Schmerztherapie vonnöten, die auch Opiate einschließen kann.

Auch die Matratze kann Rückenschmerzen verursachen. Sie sollte sich immer nach dem Gewicht des Schlafenden richten und nicht modischen Gesichtspunkten folgen. Von ganz harten Matratzen, die vor ungefähr 25 Jahren angesagt waren, ist man lange wieder abgekommen, denn sie sorgten reihenweise für heftige Rücken- und Knochenschmerzen. Bei einer guten Matratze wird die Wirbelsäule überall gleichmäßig gestützt, auch im Schulter- und Beckenbereich. Das lässt sich anhand des Lattenrosts gut selbst variieren. „Die optimale Matratze und das optimale Bett gibt es nicht, das ist immer abhängig von dem Menschen, der darauf schlafen möchte.“ Die oft beschworenen sieben Zonen der Matratze ergeben durchaus Sinn, denn sie unterteilen die Matratze in verschieden harte Bereiche.

Wer schlecht schläft, kann das nicht durch längere Zeit im Bett wett machen, denn dann schläft derjenige nur länger schlecht. Oft führen auch Schnarchen oder periodisch wiederkehrende Beinbewegungen, die Fortführung der Restless Legs, zu schlechtem Schlaf und großer Erschöpfung am nächsten Tag. Das größte Problem jedoch ist, dass viele Menschen nachts nicht abschalten können. „Schlafprobleme sind zu 95 Prozent durch Nicht-Abschalten bedingt“, sagt Dr. Hein. „Hier setzt die kognitive Verhaltenstherapie an, die wie beim Yoga oder Tai Chi körperliche und geistige Übungen kombiniert.“

Alle 90 bis 120 Minuten hat man alle Schlafzyklen einmal durchlaufen und somit in einer Nacht vier bis fünf REM-Phasen erlebt. Diese machen um die 25 Prozent des Schlafes aus, die Tiefschlafphasen ebenfalls 20 bis 25 Prozent, der Rest des Schlafes ist der Leichtschlaf. Grob vereinfacht gilt, dass man im Leichtschlaf sein Gedächtnis sortiert und alles Überflüssige entfernt, im Tiefschlaf Zusammenhänge lernt und in der REM-Phase eingeübte Bewegungen im Gehirn wiederholt und festigt.

Wer sich voller Anspannungen schlafen legt, knirscht oft im Schlaf mit den Zähnen. Dieses nächtliche Knirschen kann starke Nackenschmerzen zur Folge haben. Auch wer es vehement abstreitet: Ein Blick auf glatte Kauflächen beweist das Gegenteil. Eine Beißschiene mindert den Druck, Muskelübungen für Kiefergelenk und Rachenmuskulatur unterstützen dabei. Das allein kann viel dazu beitragen, morgens gut erholt aufzustehen und voller Tatendrang in den Tag zu starten.

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Journalist

Katja Deutsch

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