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3 Abenteurer, die Geschichte schreiben

Andy Holzer

Blind auf den Mount Everest

Er ist von Geburt an blind. Mit drei Jahren stand Andy Holzer das erste Mal auf Skiern, mit fünf drängte er seine Eltern, ihm ein Fahrrad zu schenken. Und fuhr damit gegen das Gartentor. Doch er ließ sich nicht unterkriegen und übte weiter. Später war er im Ski-Langlauf, Windsurfen und Mountainbiken aktiv – und im Bergsteigen. Heute gehört er zu den wenigen Menschen, die alle „Seven Summits“, also die jeweils höchsten Berge der sieben Bergsteiger-Kontinente, bewältigt haben.

Am 21. Mai dieses Jahres hat sich der gelernte Heilmasseur und Heilbademeister seinen größten Traum erfüllt und den höchsten Berg der Welt bestiegen – als zweiter blinder Bergsteiger überhaupt und als erster blinder Bergsteiger über die schwierigere, aber vermeintlich sicherere Nordseite. Damit ist dem „Blind Climber“ gelungen, wovon viele träumen. „Das Ankommen auf dem Gipfel des Mount Everest stellt für mich den emotionalsten und symbolisch wichtigsten Moment in meinem Leben dar“, sagt der 50-jährige Österreicher, der dieses Abenteuer mit seinen Gefährten Wolfgang Klocker und Klemens Bichler erlebte. Seinen Eltern wird er für immer dankbar sein. Denn sie waren es, die ihn als „sehendes“ Kind erzogen. Heute geht es Andy Holzer selbst darum, den Sehenden die Augen dafür zu öffnen, wie viel möglich ist: „Man muss sich nur trauen und die Ressourcen nutzen. Auch wenn das bedeutet, dass man mal gesellschaftliche Regeln brechen muss.“


Foto: Predrag Vuckovic/Red Bull Content Pool

Matthias Dolderer

Herr der Lüfte

Seine ersten Flüge absolvierte er mit drei Jahren gemeinsam mit seinem Vater. „Fliegen war schon immer meine Leidenschaft und Inspiration. Ich habe mein ganzes Leben auf Flugplätzen, in Hangars und Cockpits verbracht“, sagt Matthias Dolderer, der bekannteste deutsche Sportpilot. Mit dem Gewinn der Red Bull Air Race Weltmeisterschaft 2016 schrieb er Geschichte. Auf dem Indianapolis Motor Speedway gewann er in der ultimativen Motorsportserie der Lüfte als erster deutscher Pilot ein Rennen und wurde der erste deutsche Weltmeister überhaupt. Es sind vor allem die Freiheit, die Technik, die Geschwindigkeit und das Lebensgefühl, die für den 47-Jährigen den Reiz des Fliegens ausmachen. Kenner vergleichen den Wettbewerb der 14 weltbesten Kunstflieger längst mit der Formel 1. Das Sportgerät des Champions ist ein absolutes Premiumprodukt der Technik, das auch dem Champion Respekt einflößt – das Wort Angst ist ihm jedoch fremd. Wer Angst habe, sei im Cockpit fehl am Platz, betont er. „Unser Job ist es, Risiken auszuschließen. Und unser Ansporn ist der Wettbewerb“, so Matthias Dolderer, der heute den Flugplatz der Familie in Tannheim leitet. Sein bislang größtes Abenteuer erlebte er allerdings nicht im Cockpit, sondern bei einem Bungee-Jump in Neuseeland: Da ging es aus 134 Metern ab in die Tiefe!


Foto: Pressefoto/Jebclouds

Jeb Corliss

Ein menschlicher Pfeil

Es ist eine der gefährlichsten Sportarten der Welt und zugleich die Erfüllung des menschlichen Traums vom Fliegen: Wingsuiting. Einer, der immer wieder mit spektakulären Flügen auf sich aufmerksam macht, ist Jeb Corliss. 2013 hat der Wingsuit-Pilot zum Beispiel mit mehr als 160 Stundenkilometern eine Schlucht am chinesischen Jianglang-Berg durchflogen, die an ihrer breitesten Stelle gerade einmal etwa 20 Meter misst. Nicht immer landete der US-amerikanische Extremsportler sicher: Millionenfach wurde bei YouTube ein Video angeklickt, das einen Unfall auf dem Tafelberg in Südafrika zeigt, bei dem er sich schwer verletzte. „Dass ich den Flug 2012 überlebt habe, war mein bislang größtes Abenteuer“, sagt der 41-Jährige, der schon als Kind fliegen wollte und als Basejumper anfing. Spektakulär waren seine Sprünge vom Eiffelturm, von der Golden-Gate-Brücke, dem Salto-Angel-Wasserfall in Venezuela oder den Petronas Towers in Kuala Lumpur. Am Anfang seiner Karriere ging er davon aus, aufgrund seines Sports nicht länger als fünf Jahre am Leben zu bleiben. Doch als er dann nach seinem Unfall im Krankenhaus lag, realisierte er, wie lebenswert das Leben ist und dass der Tod nicht so cool ist, wie er immer dachte. Weitergemacht hat er trotzdem. Grenzen, so sagt der „Birdman“, müsse man sich immer selbst setzen – egal, was andere dazu sagen.

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Journalist

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