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So schützen wir den deutschen Mittelstand

4 Experten äußern sich zu der aktuellen Lage des deutschen Mittelstands und wie es in Zukunft weitergehen könnte. 

Michael Ritter, Vorstandsvorsitzender Bundesverband Factoring für den Mittelstand (BFM); Foto: Presse 

So helfen wir dem deutschen Mittelstand

Factoring ist für Unternehmen sinnvoll und hilfreich – gute Auftragslage vorausgesetzt. Denn hier kann Factoring ein Unternehmen nicht nur als Ergänzung zum Bankkredit unterstützen, sondern auch bei der Wachstumsfinanzierung. Auch wenn wir davon ausgehen, im zweiten Halbjahr 2020 unter Vorjahresniveau zu bleiben, bietet unser Geschäftsmodell der bankenunabhängigen Finanzierung und Liquiditätsbereitstellung dem Mittelstand einen starken Nutzen. Seit der Bankenkrise 2008/2009 ging es immer nur bergauf, doch nach Ablauf der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht zum 1. Oktober 2020 erwarten wir eine Zunahme auch mittelständischer Insolvenzen. Factoring-Gesellschaften über-nehmen einen 100-prozentigen Forderungsausfallschutz. Sollte also ein Debitor zahlungs-unfähig werden, haben unsere Kunden die Sicherheit, dass wir als Factoring-Gesellschaft ihre Rechnungen bezahlen. Doch gerade für kleine und mittlere Unternehmen kann eine geplante Insolvenz auch eine Chance sein, um sich zu sanieren, auch wenn dieser Schritt vielleicht für viele familiengeführte Unternehmen anfangs unvorstellbar scheint. Oft liegt nämlich der Grund nicht in finanzieller Überschuldung, sondern in mangelnder Liquidität. Betroffene Unternehmen sollten deshalb nicht zögern, fachkundige Expertise einzuholen.


Ron van het Hof, CEO Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz; Foto: Annette Koroll FOTOS

Bei Ausreden sollten Alarmglocken läuten

Es ist der Albtraum jedes Unternehmens: Ein Mittelständler erhält einen Großauftrag – der Auftraggeber bezahlt die Rechnung jedoch nicht. Mahnläufe bleiben erfolglos, Ausreden häufen sich und am Ende geht der Abnehmer in die Insolvenz. Der Mittelständler bleibt auf seinen offenen Forderungen sitzen und das Geld für neue Aufträge fehlt.

Selbst kleinere Schäden reißen oft große Löcher in die Kasse. Bei einem Schaden von 100.000 Euro und einer Gewinnmarge von 5 % muss ein Unternehmen zusätzliche Umsätze von zwei Millionen Euro erwirtschaften, um den Verlust auch nur auszugleichen. Das ist für viele binnen eines Jahres gar nicht möglich. Eine Absicherung der Forderungen ist für Unternehmen deshalb ein Schlüssel zum Erfolg – gerade in Zeiten von Covid-19, wo sich Risiken drastisch erhöht haben. Zahlungsverzögerungen sind bei vielen Unternehmen an der Tagesordnung, Ausreden schnell gefunden. Spätestens da sollten die Alarmglocken schrillen, auch bei „großen Namen“. Er-kennen Betriebe die Warnzeichen frühzeitig, könnten sie noch reagieren und beispielsweise Zahlungsziele anpassen und Eigentumsvorbehalte oder Sicherheiten vereinbaren, um Forderungsausfälle zu minimieren.

Kirsten Pedd, Vorständin des Bundesverbandes Inkassounternehmen; Foto: Presse

Als Bundesverband betreuen wir viele mittel-ständische Betriebe. Besteht eine Forderung und diese wird nach einer bis drei Mahnungen nicht beglichen, besteht die Möglichkeit, diese zu treuen Händen an ein Inkassounternehmen zu übergeben, um sich ständiges Prüfen und Nachhaken zu ersparen. Wir erleben gerade etwas Beispielloses – wenn eine Forderung nicht beglichen wird, sollte man auch die besonderen Umstände jedes Einzelnen anzuschauen. Viele sind vielleicht wegen Jobverlust oder Kurzarbeit gar nicht in der Lage, ihre Rechnungen zu begleichen. In all diesen Fällen hilft ein Gespräch, denn dadurch kann man zu einer Lösung kommen. Im Herbst erwarten wir übrigens keine Zunahme an Inkassoaufträgen – wir sehen vielmehr eine große Zurückhaltung und einen sehr hohen Verantwortungsgrad, sowohl bei den Unternehmen selbst als auch bei den Inkassounternehmen: So setzen beispielsweise Vermieter die Miete aus und Gläubiger bieten Ratenzahlungen an. Denn wir sitzen an unterschiedlichen Seiten desselben Sees und möchten gerne eine Lösung finden. Die Inkassounternehmen, die für den Mittelstand arbeiten, haben meist einen sehr direkten Draht zu ihren Kunden. Deshalb wäre es extrem kontraproduktiv, hier auf Konfrontationskurs zu gehen. 


Dr. Claudia Conen, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL); Foto: Presse

Leasing ist in schwierigen Zeiten Partner  des Mittelstandes

Leasing ist im Mittelstand tief verwurzelt. Die Leasing-Branche ist mittelständisch geprägt und spiegelt in ihrer Struktur die Unternehmenslandschaft in Deutschland wider. Leasing genießt eine hohe Anziehungskraft bei mittelständischen Unternehmen: Vier von fünf Firmen mit bis zu 50 Beschäftigten ziehen Leasing regelmäßig für ihre Investitionspläne in Betracht. Aktuell kann Leasing für den Neustart der Wirtschaft als Investitionsmotor wirken, auch wenn viele Unternehmen derzeit noch zögern zu investieren. Ursachen sind unter anderem die Unsicherheit über die künftige Entwicklung, aber auch Liquiditätsengpässe und Schulden aufgrund der Corona-Krise. Für Firmen, die investieren wollen, stellt Leasing eine gute Lösung dar, denn Leasing ermöglicht, liquiditätsschonend zu investieren und verringert die langjährige Verschuldung durch erzwungene Kreditaufnahmen. Nach dem „Pay-as-you-earn“-Prinzip lassen sich die Leasing-Raten aus den erwirtschafteten Erträgen des Investitionsobjekts bestreiten. Mit innovativen, nutzungsabhängigen Finanzierungsmodellen wie „Pay-per-Use“ wird die Rate in Abhängigkeit von der tatsächlichen Nutzung einer Maschine oder Anlage berechnet – ein Mehrwert gerade in unsicheren Zeiten.  

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Journalist

Katja Deutsch

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