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Mit Alkohol entspannen?

Lange Arbeitstage voller Hektik, Stress, Konferenzen, Ärger und Druck von allen Seiten – und dann noch abends mit Geschäftsfreunden Essen gehen. Von Entspannung kann hier keine Rede sein, denn der berufliche Stress geht weiter bis mindestens Mitternacht.

Das Problembewusstsein ist beim Thema Alkoholkonsum nach wie vor zu niedrig.

Um auf gesellschaftlichem Parkett zu bestehen, wird der Konsum großer Mengen alkoholischer Getränke vorausgesetzt, denn Alkohol „entspannt“, lockert die Stimmung und macht gute Laune – was am Abend vom Chef erwartet wird. Doch die gute Stimmung ist trügerisch, denn Alkohol ist und bleibt für den Körper ein Gift. Wie ein Narkotikum vermindert Äthylalkohol die Erregbarkeit bestimmter Nervenzellen und drosselt die Ausschüttung von Stresshormonen, gleichzeitig gelangt er schnell ins Gehirn und setzt Glückshormone frei. Das Gefühl der entspannenden Wirkung ist also sogar medizinisch nachweisbar. Dabei ist Alkohol trügerisch: Nach zwei Stunden lässt die Wirkung nach, man kann mit Stress nun noch weniger umgehen als zuvor, schläft schlechter und wird öfter wach.

So lange man nur zu bestimmten Anlässen zur Flasche greift, scheint alles in Ordnung zu sein, doch viele fallen bald auch zuhause auf ihr Sofa und „gönnen“ sich ihr Feierabendbier. Schnell wird daraus für viele Menschen mehr. Pro Jahr trinkt jeder Deutsche über 100 Liter Bier und über 20 Liter Wein, zusätzlich etliche Liter Sekt und Hochprozentiges – der Weg in die Sucht beginnt. 

„Das Problembewusstsein ist beim Thema Alkoholkonsum nach wie vor zu niedrig“, warnt die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU). Sie verweist auf eine Untersuchung, die von einem gesundheitlich problematischen Gesundheitszustand von rund neuneinhalb Millionen Menschen hierzulande ausgeht. 20.000 Menschen sterben an den direkten Folgen ihres Trinkverhaltens, etwa 10.000 Kinder kommen jährlich alkoholgeschädigt auf die Welt. Je höher der Sozialstatus, desto mehr wird dabei gebechert. 

Gehört Alkohol also zur Karriere unweigerlich dazu? Man könnte es meinen, denn nach wie vor ist das berufliche Trinken nicht nur gesellschaftlich akzeptiert sondern sogar erwünscht, doch die Grenzen zwischen Alkoholmissbrauch und -Abhängigkeit sind fließend. Work-Life-Balance darf nicht zur Work-Drink-Balance werden. Zumindest zweimal die Woche pünktlich Feierabend machen um sich aktiv (beispielsweise mit Qui Gong, Joggen oder Yoga) zu entspannen, bringt nicht nur gesundheitlich, sondern auch beruflich mehr als immer Ja zu sagen – und sich dabei zu unzähligen Überstunden und unzähligen Drinks zwingen zu lassen.

Man sollte ehrlich zu sich sein: Muss ich schon am Morgen daran denken, wo und wie ich am schnellsten an Alkohol komme? Alleine der Gedanke auf vier Wochen Abstinenz macht mich schon verrückt? Zweimal mit Ja geantwortet? Dann ist professionelle Hilfe erforderlich. Entweder zunächst ambulant bei einem ausgebildeten Suchttherapeuten oder 

stationär in einer speziellen Klinik für Alkoholismus. Unter jameda.de finden Sie eine Liste aller Suchtkliniken in Deutschland und deren Bewertungen.

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Journalist

Katja Deutsch

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