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Insbesondere Frauen sind oft von Altersarmut betroffen. WELLBEING

Wenn das Geld nicht ausreicht

Immer mehr Deutsche über  65 Jahren gelten als arm oder armutsgefährdet. Frauen sind  besonders betroffen.

Jede fünfte alleinlebende Frau über 65 muss mit weniger als 900 Euro monatlich auskommen.

Zu wenig Geld, um elementare Bedürfnisse zu decken, Ausgrenzung bzw. Ausschluss von politischer, sozialer und kultureller Teilhabe, beengte Wohnverhältnisse und eine oftmals geringere Lebenserwartung: Armut in Deutschland hat viele Gesichter und Facetten. Laut dem aktuellen Paritätischen Armutsbericht aus dem Jahr 2020 hat die Armutsquote in Deutschland mit 15,9 Prozent – das entspricht immerhin rund 13,2 Millionen Menschen – einen neuen traurigen Rekord und den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung erreicht. Doch damit nicht genug: Der Paritätische Wohlfahrtsverband erwartet, dass die Auswirkungen der noch immer anhaltenden Corona-Krise Armut und soziale Ungleichheit noch einmal spürbar verschärfen werden.

Dass künftig vermutlich immer weniger Deutsche den wohlverdienten Ruhestand frei von Geldsorgen genießen können, unterstreicht unter anderem auch eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Danach wird jede:r fünfte Neurentner:in im Jahr 2036 von Altersarmut bedroht sein, sofern es kein Umdenken in der Alterssicherungspolitik gibt. Als armutsgefährdet werden all die Menschen in einem Land eingestuft, denen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Haushalte zur Verfügung steht.  

Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen: Frauen über 65 sind mit einem Anteil von 20 Prozent stärker armutsgefährdet als gleichaltrige Männer (15 Prozent). Dies liegt daran, dass sie im Schnitt nur halb so viel Geld aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten. Und die fällt vielfach nicht wirklich üppig aus: Ende des Jahres 2019 lagen mehr als die Hälfte (56,2 Prozent) aller Beträge, die die Deutsche Rentenversicherung ausgezahlt hat, unter 1.000 Euro im Monat. Viel übrig für eine neue Brille, einen Restaurantbesuch, eine kleine Auszeit oder Geburtstagsgeschenke für die Enkelkin-der bleibt da nicht. Dazu kommt, dass rund 25 Prozent der Frauen über 65, die in einer Beziehung sind, überwiegend von den Einkünften des Partners oder anderer Angehöriger leben. Fällt diese Unterstützung weg, weil es zum Beispiel zu einer Scheidung oder Trennung kommt, ist das Armutsrisiko der betreffenden Frauen besonders groß. So muss jede fünfte alleinlebende Frau über 65 mit weniger als 900 Euro monatlich auskommen.

Fakten

Am besten früh absichern Um sich vor Altersarmut zu schützen und im Alter finanziell unabhängig zu sein, ist es empfehlenswert, die Absicherung möglichst früh in die eigenen Hände zu nehmen und regelmäßig Geld anzulegen. Die Erfahrung zeigt, dass sich selbst anfänglich kleine Beträge bis zum Rentenbeginn zu einer stattlichen Summe entwickeln können. Rentnerinnen und Rentner, bei denen das Geld überhaupt nicht ausreicht, empfiehlt die Deutsche Rentenversicherung, bei einem Monatseinkommen von weniger als 838 Euro einen Anspruch auf Grundsicherung im Alter prüfen zu lassen. Mit dieser Leistung unter-stützt der Staat diejenigen, die ihren Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten können.

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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