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Auf den Teller statt in die Tonne

Die Forderung von Verbrauchern nach Nachhaltigkeit wird immer lauter. Das gilt auch für Lebensmittel – und stellt die Logistik vor Herausforderungen.

Eine nachhaltige Logistik achtet vor allem auch darauf, Angebot und Nachfrage möglichst genau unter einen Hut zu bringen.

Nachhaltigkeit ist in aller Munde, und für die Lebensmittelbranche gilt das geradezu im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Verbraucher fordern immer häufiger, dass Lebensmittel nachhaltig hergestellt werden und zu ihnen geliefert werden. Und dieser Trend, so erwarten es Experten, wird sich in den kommenden Jahren noch verstärken.

Der Begriff Nachhaltigkeit hat dabei mehrere Bedeutungen. Er bezieht die Produktionsweise und den Produktionsort ebenso ein wie den Transport und die Aufbewahrung für oder die Anlieferung zum Kunden. Und alle hängen zusammen mit der Logistik. Für viele Verbraucher ist es keine Frage, dass vor allem Lebensmittel aus ihrer Region nachhaltig hergestellt und geliefert werden. Klar ist, dass ein Salatkopf, der in der eigenen Region gewachsen ist, einen viel kürzeren Weg zum Supermarkt hat, als der aus Spanien. Zumal der lange Weg die Logistik vor Herausforderungen stellt, denn die Ware muss während des langes Transports gekühlt werden und die Kühlkette darf zu keinem Zeitpunkt unterbrochen werden. Doch Achtung: Ein Salatkopf aus Spanien kann unter Umständen trotz des weiten Weges ökologisch nachhaltiger sein als einer, der im Winter in einem deutschen Gewächshaus gewachsen ist.
Eine nachhaltige Logistik achtet aber vor allem auch darauf, Angebot und Nach-frage möglichst genau unter einen Hut zu bringen. In den Supermarkt sollte nur die Menge an Lebensmitteln gelangen, die auch wirklich an die Kunden verkauft werden können. Wenn das Bestandsmanagement fehlerhaft ist und zu viel Ware geordert wurde, bleiben am Ende schlappe Salatköpfe oder braune Bananen übrig. Der Einzelhändler muss die Ware verbilligt anbieten – mit entsprechenden finanziellen Verlusten. Oder er muss sie ganz als Verlust abschreiben, und das hat wieder-um neben finanziellen Verlusten negative Folgen für die Umwelt, denn mit der Vernichtung wachsen die Müllberge. Hin-zu kommt der moralische Aspekt, wenn Lebensmittel weggeworfen werden. Immer mehr Verbraucher stören sich an dieser unnötigen Vernichtung von Essbarem.
Damit das Essen auf dem Teller und nicht in der Tonne landet, sind also präzise Vor-hersagen über die Kundenwünsche sowie kostenoptimierte Bestellmengen nötig. Um Dispositionsmängel zu vermeiden, wurden in den vergangenen Jahren Softwareprogramme entwickelt, die es dem Produzenten frischer Lebensmittel, dem Großhandel und dem Einzelhandel erleichtern, Angebot und Nachfrage besser aufeinander abzustimmen. Auch die Vernetzung zwischen den Akteuren ist wichtig. Um Überkapazitäten, finanzielle Verluste und Müllberge zu vermeiden, ist also eine gute Logistik nötig. 
Die Lebensmittel- und die Logistikbranche arbeiten daran, das Problem besser in den Griff zu bekommen. Doch gerade die veränderten Gewohnheiten der Kunden, also Trends wie E-Commerce und Home-Delivery, stellen sie auch vor weitere Herausforderungen. Ein Beispiel: Dienste, die Lebensmittel bis an die Wohnungstür liefern, müssen mit LKW ausgestattet sein, die über verschiedene Kühlzonen verfügen, um beispielsweise Tiefkühlware, Milchprodukte und Gemüse mit unterschiedlichen Anforderungen an die Kühlung ausliefern zu können. 

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Journalist

Armin Fuhrer

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