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Entscheidender Punkt in der Hygiene: Die Aufbereitung von Medizinprodukten

Die Verunreinigung von Medizinprodukten spielt sowohl in Kliniken als auch in der fachärztlichen Praxis eine große Rolle, denn kontaminierte Geräte können nicht nur beim Patienten, sondern auch beim medizinischen Personal oder bei Begleitpersonen Infektionen hervorrufen.

Der Prävention kommt deshalb schon vor dem Hintergrund des Patienten- und Mitarbeiterschutzes eine besondere Rolle zu, denn die sogenannten nosokomialen Infektionen – also Infektionen, die sich Patienten bei einem Aufenthalt in der Arztpraxis oder in der Klinik zugezogen haben, nehmen zu. Hinzu kommen immer mehr antibiotikaresistente Bakterien.

Die Aufbereitung der Medizinprodukte im ambulanten Bereich soll sich an den Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention, kurz KRINKO, und des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) orientieren. Aus gutem Grund werden an die Aufbereitung von Medizinprodukten hohe Anforderungen gestellt, denn nur so kann eine ausreichend hohe und gleichbleibende Qualität und Schutz vor Infektionen sichergestellt werden.

So schreibt die Medizinprodukte-Betreiberverordnung vor, dass Krankenhäuser und andere Einrichtungen, die Medizinprodukte der Risikostufe „kritisch C“ aufbereiten, eine Zertifizierung des Qualitätsmanagement-Systems nach DIN EN ISO 13485 unter Berücksichtigung der „KRINKO-Empfehlung“ des Robert-Koch-Instituts nachweisen müssen. Kritisch C sind Medizinprodukte, die bestimmungsgemäß die Haut- und die Schleimhaut durchdringen und dabei in Kontakt mit Blut kommen bzw. an inneren Geweben oder Organen zur Anwendung kommen. Hygienespezialisten empfehlen übrigens auch all denjenigen, die Medizinprodukte der übrigen Risikoklassen aufbereiten, eine freiwillige Zertifizierung nach DIN EN ISO 13485. Auch wenn ausreichend gesetzliche Regelungen für das Thema Aufbereitung von Medizinprodukten existieren, gibt es vor allem in der Aus- und Fortbildung medizinischen Fachpersonals gerade bei niedergelassenen Ärzten noch Luft nach oben. So fordern Experten seit Langem, Praxisleiter, aber vor allem auch das Personal besser zu schulen. 

Umso verstörender, so ein führender Hygieniker, wirkt da der offene Brief der Landesärztekammer Sachsens an den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, der sich gegen den Papierkrieg und die Regulierungswut in ärztlichen Praxen wendet. „Auch wenn die Kollegen in vielen Punkten, der überbordenden Bürokratie, der neuen Datenschutz-Grundverordnung, den gesetzlichen Vorgaben bei der Einführung der Gesundheitskarte durchaus Recht haben, in einem ist dem offenen Brief zu widersprechen: Die Klage, dass die Dokumentationspflichten bei der Aufbereitung von Medizinprodukten zunähmen, nebst der Notwendigkeit der regelmäßigen kostenintensiven Validierung, trifft den Kern nicht, denn wie sollen wir sonst dem Thema Hygiene, das in manchen Arztpraxen mehr Aufmerksamkeit bedürfte, Herr werden?“

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Journalist

Frank Tetzel

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