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Werner Schwarz, Vizepräsident des Deutschen Bauernverband, ist zuständig für die Ausbildung im Verband. LEBENSMITTEL INDUSTRIE UND AGRAR WIRTSCHAFT

Bauer verzweifelt gesucht

In Deutschland ist der Arbeitsmarkt wie leergefegt. Das gilt auch für die Landwirtschaft. Ausbildungsplätze können oft nicht besetzt werden, viele Landwirte haben zwar Erben, doch nur wenige wollen dann auch den Hof.

Rund 280 junge Menschen bestehen in Schleswig-Holstein jedes Jahr erfolgreich die Prüfung zum Landwirt. In einem Agrarland wie dem nördlichsten Bundesland sind das viel zu wenige. Dabei ist in den letzten Jahren die Zahl der verfügbaren Plätze in den sogenannten grünen Berufen auf über 2000 spürbar angestiegen. Dazu werden auch die Garten- und Forstbetriebe gezählt.

Mit vielen Aktionen versuchen regionale Bauernverbände, den jungen Leuten das Leben auf dem Land schmackhaft zu machen. „Es gibt einen Trend, dass immer mehr Jugendliche mit nicht landwirtschaftlicher Herkunft den Beruf Landwirt erlernen wollen, in manchen Berufsschulklassen sogar über 50 Prozent. Trotz dieser positiven Entwicklung gibt es auch Regionen und landwirtschaftliche Betriebe, die sich schwertun, einen Auszubildenden zu finden, z. B. im Osten, wo sich die Schülerzahlen seit 2000 insgesamt halbiert haben und dementsprechend die Anzahl der Auszubildenden im Beruf Landwirt um 33 % zurückgegangen ist,“ sagt  Werner Schwarz, Vizepräsident des Deutschen Bauernverband, zuständig für die Ausbildung im Verband.

Landwirt zu sein, bedeutet heute IT-Fachmann, Wetterfrosch, Drohnenflieger und auch Bauer in einer Person. Die Digitalisierung hat in der Landwirtschaft große Fortschritte gemacht. Ein Anreiz für die Jugendlichen, findet Werner Schwarz: „Ich glaube, dass auch der digitale Wandel in der Landwirtschaft mit Hightech wie GPS-gesteuerter Ackertechnik, Melkrobotern im Stall und elektronisch gesteuerten Betriebsabläufen attraktiv auf junge Menschen wirkt. Auch für Abiturienten sind die Berufsaussichten in der Landwirtschaft hervorragend. Wichtig ist, sich möglichst vorher darüber klar zu werden, wo man später arbeiten möchte. Denn zu den potenziellen Arbeitgebern gehören nicht nur landwirtschaftliche Betriebe, sondern auch Verbände, Behörden, Forschungseinrichtungen, Lebensmittelhersteller oder Zuchtbetriebe.“

Noch sind 90 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe Einzelunternehmen, die in der Regel als Familienbetrieb geführt werden. Doch es werden immer weniger, oft wollen die Erben den Betrieb nicht, sondern studieren lieber in der Großstadt. Sie müssten nur das Richtige studieren, sagt Werner Schwarz vom Bauernverband. „Das Leben auf dem Land hat auch für junge Menschen viel zu bieten, zum Beispiel in Vereinen (Landjugend, Feuerwehr) und in der Dorfgemeinschaft. Das darf man nicht unterschätzen. Aber wir haben natürlich auch Betriebe, die in der Nähe der Großstadt liegen, etwa vor den Toren Berlins.“ Insgesamt studieren fast 64 000 Agrar- oder Forstwirtschaft, Veterinärmedizin oder Ernährungswissenschaften an den deutschen Universitäten. Sie alle haben sehr gute Aussichten für die Zukunft. „Viele Hochschulabsolventen, besonders diejenigen mit praktischer Berufserfahrung, gehen nach dem Studium ihren Weg in die landwirtschaftlichen Unternehmen, denn Fach- und Führungskräfte werden dort gesucht.“

Und doch fehlen die Nachwuchskräfte in allen Bundesländern. Viele Ausbildungsbetriebe haben inzwischen erkannt, dass sie in einem starken Wettbewerb mit anderen Branchen stehen. Sie zahlen, neben Kost und Logis, Prämien für gute Leistungen, den Führerschein oder geben Tankgutscheine aus.

Rosige Aussichten für alle, die sich für einen Beruf, egal ob Ausbildung oder Studium, in der Landwirtschaft interessieren.

Fakten

Der Beruf Landwirt/-in verzeichnet seit 2006 bundesweit einen Anstieg der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge. Im letzten Ausbildungsjahr 2017/2018 haben 4220 junge Frauen und Männer bundesweit einen Ausbildungsvertrag im Beruf Landwirt abgeschlossen. Über alle drei Ausbildungsjahre hinweg lernen 9489 (Stichtag 31.12.2016) junge Frauen und Männer den Beruf Landwirt.

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Journalist

Jörg Wernien

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