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Landwirtschaft in Deutschland: weiblich, digital – zukunftsgerichtet

Um die Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft zu sichern, müssen wir neben ökologischen Faktoren auch soziale und ökonomische Aspekte der Branche berücksichtigen und anerkennen.

Nur wenn es der Branche gelingt, diverser zu werden, hat sie eine Zukunft und ist in der Lage, soziale Umbrüche zu kompensieren.

Petra Bentkämper, Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes; Foto: Cathrin Bach

Der Klimawandel und die damit einhergehen-den Folgen für Umwelt und Mensch stellen uns alle vor epochale Herausforderungen. Die Landwirtschaft setzt sich zunehmend intensiver damit auseinander, wie sie innerhalb der Belastungsgrenzen der natürlichen Ressourcen wirtschaften kann und nutzt dafür vermehrt digitale Tools. Die Chancen der Digitalisierung liegen auf der Hand, allerdings muss gewährleistet sein, dass diese neuen Möglichkeiten allen Betrieben zugänglich sind. 

Wir beobachten überdies große soziale Umbrüche in der Branche. In der Landwirtschaft sind überdurchschnittlich viele Betriebsinhaber:innen älter als 55 Jahre und werden in den nächsten zehn Jahren aus dem Beruf ausscheiden. Die Zukunft der Landwirtschaft entscheidet sich deshalb auch daran, wie sich die Branche für Frauen und für die junge Generation öffnet und traditionelle Rollenbilder überwindet. 

Es sind oft die Frauen, die für die Kindererziehung und die Pflege von Angehörigen verantwortlich sind. Sie müssen den Balanceakt zwischen Familie, Haushalt, landwirtschaftlichem Betrieb – und in vielen Fällen auch dem eigenen Beruf und Ehrenamt – meistern. Zusätzlich sind sie vielfach Innovationstreiberinnen im Betrieb und Brückenbauerinnen zur Gesellschaft.

Landwirtinnen erwarten daher von einer neuen Bundesregierung, dass die Agrarpolitik Frauen in ihren multifunktionalen Rollen fördert und Frauen endlich differenziert in der Agrarstatistik dargestellt werden. Seit jeher arbeiten Frauen in der Landwirtschaft, Anerkennung für das, was sie in der Branche leisten, bekommen sie aber noch zu wenig. Dazu gehört, dass Politik Hofnachfolgen und Hofübergaben an Frauen unterstützt und Rahmenbedingungen fördert, die die Gründung von landwirtschaftlichen Betrieben durch Frauen vereinfacht. Quotenregelungen mit Zielgrößen von mindestens 30 Prozent der Mitgliedschaften würden dafür sorgen, Frauen eine gleichberechtigte Teilhabe in den Gremien des Berufsstandes zu ermöglichen. Denn klar ist: Nur wenn es der Branche gelingt, diverser zu werden, hat sie eine Zukunft und ist in der Lage, soziale Umbrüche zu kompensieren. 

Für den Umgang mit den ökologischen Herausforderungen, die vor uns liegen, birgt die Nutzung digitaler Technologien große Chancen. Im modernen Pflanzenanbau kann beispielsweise der Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln durch teilflächenspezifische Bewirtschaftung reduziert und Kosten für die Landwirtinnen und Landwirte somit minimiert werden. Auch in der Tierhaltung helfen Sensoren inzwischen dabei, das Tierwohl stetig zu verbessern. Smart Farming wird also in Zukunft dabei helfen, Landwirtschaft nachhaltig und gleich-zeitig produktiv zu gestalten.

Grundsätzlich gibt es angesichts der umfangreichen, rasanten Entwicklungen großen Bedarf an Weiterbildungsmaßnahmen. Politik hat an dieser Stelle die Aufgabe, Bildungsformate für Landwirtinnen und Landwirte und finanzielle Unterstützungen für kleinere Betriebe anzubieten und den Breitbandausbau endlich voranzubringen. Digitalisierung und Landwirtschaft: Das wird in Zukunft zunehmend Hand in Hand gehen (müssen). 

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Journalist

Petra Bentkämper

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