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BIM erfordert kooperative Ansätze

Auch wenn BIM in vielen Bereichen des Bauens ein Zauberwort zu sein scheint, so bemängeln Fachleute nach wie vor, dass es zahlreichen Beteiligten an einem tatsächlichen integralen Ansatz fehlt. In kaum einer anderen Industrie sei das Beharrungsvermögen so groß wie in der Bauindustrie, kritisieren sie.

Doch gerade im Zeitalter der Digitalisierung müssen traditionelle Leitbilder des öffentlichen Bauens, wie
die Trennung von Planung und Bau, überdacht werden.

Die Gründe dafür sind vielschichtig. Denn selbst von Profis werden die Begrifflichkeiten häufig durcheinandergeworfen und Digitalisierung allzu oft mit Automatisierung verwechselt. Doch von der Digitalisierung ist der Begriff der Automatisierung abzugrenzen, worunter man das Ausrüsten einer Einrichtung versteht, sodass sie ganz oder teilweise ohne Mitwirkung des Menschen bestimmungsgemäß arbeitet. Moderne Automatisierungssysteme machen im Gegensatz zu früheren Varianten jedoch ausgiebig von der Digitaltechnik Gebrauch, um immer komplexer werdende Prozesse zu automatisieren.

Die 5D-Planung stammt in erster Linie aus der schlechten Erfahrung mit kaum noch steuerbaren Großprojekten, die vielen Bauherren aus dem Ruder liefen. Und dies waren nicht nur staatliche Projekte wie Stuttgart 21, die Hamburger Elbphilharmonie oder der Berliner Flughafen, sondern auch andere Verkehrsinfrastrukturprojekte, die immer wieder ins Stocken geraten sind. Darum hatte der Staat als Bauherr durchaus ein Interesse, die Dinge bei der 5D-Planung voranzutreiben.

5D-Planung oder BIM, also Building Information Modelling, transformiert die klassische Architektenzeichnung in ein dreidimensionales digitales Modell, in dem sämtliche Informationen aller Projektbeteiligten zur gemeinschaftlichen Nutzung zentral zusammengeführt werden und um die Zeitziele (4D) sowie die benötigten Materialien, Bestellmengen und Betreiberdaten (5D) ergänzt werden. 5D-Planung basiert deshalb mehr als das bisherige Planen und Bauen auf Kooperation und Teamarbeit und verfolgt einen partnerschaftlichen Ansatz. In der Umsetzung soll BIM ein detailliertes, transparentes und dynamisches Informationsnetzwerk für alle Baubeteiligten darstellen und ist somit nicht weniger als eine umfassende Methode zur Planung, Realisierung und zum Betrieb von Bauvorhaben.

Bei konsequenter Anwendung werden Bauprozesse mit 5D-BIM spürbar effizienter, denn Verbesserungspotenziale lassen sich frühzeitig erkennen und nutzen – und teure Fehlplanungen vermeiden. Auch der Bauherr als Auftraggeber profitiert von der erheblich größeren Planungs-, Kosten- und Terminsicherheit. Mit BIM wird digital geplant und dabei eine synchronisierte Datenbasis hergestellt, die alle Abläufe und Teilaspekte verbindet und auf die alle Projektbeteiligten zugreifen können.

Immer wieder waren es vermeintlich „leere Baustellen“ auf Autobahnen, auf denen kein Mensch zu sehen war, während sich Autos kilometerweit stauten, und davongaloppierende Kosten, die staatlicherseits für Unmut sorgten. Denn schließlich waren die Staus nicht nur wirtschaftlich unproduktiv, sondern die Autofahrer in ihren Blechkisten sind auch wertvolle Wähler. So ist vorgesehen, dass ab 2020 BIM bei allen neuen Verkehrsinfrastrukturprojekten des Bundes zum Einsatz kommen soll. Fachleute begrüßen das, denn im internationalen Vergleich hinkt Deutschland im Bereich Digitalisierung des Bausektors hinterher.

Die Digitalisierung in diesem Bereich schreite nur sehr langsam voran, so die Reformkommission „Bau von Großprojekten“ in ihrem Abschlussbericht schon vor drei Jahren. So fehlten beispielsweise einheitliche Daten- und Prozessstandards und ein gemeinsames Verständnis von BIM und seinen Anwendungsfeldern.

Die Bauindustrie hat inzwischen die Zeichen der Zeit erkannt. „Wir setzen dabei auf Partnerschaftsmodelle, bei denen sich alle Projektpartner auf Augenhöhe begegnen und gemeinsam für den Projekterfolg einstehen“, so Peter Hübner, Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, anlässlich des Starts einer Partnerschaftsinitiative, mit der die Bauindustrie in den nächsten Monaten auf öffentliche Auftraggeber zugehen will. Als wesentliche Elemente dieses Partnerschaftskonzepts nannte Hübner die Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten auf einer digitalen Plattform, die frühzeitige Einbindung der Bauunternehmen in die Planung des Bauprozesses sowie die Optimierung des Projekts über den Lebenszyklus. „Uns ist bewusst, dass dies eine Veränderung der bisherigen Praxis bedeutet. Doch gerade im Zeitalter der Digitalisierung müssen traditionelle Leitbilder des öffentlichen Bauens, wie die Trennung von Planung und Bau, überdacht werden“, betonte Hübner. Die Bauunternehmen seien bereit, ihre ganze Innovationskraft für den Projekterfolg einzusetzen. Dabei müsse aber das wettbewerbliche Know-how der Unternehmen geschützt werden.

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Journalist

Frank Tetzel

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