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Viel billiger, schneller, sauberer

Ultraflache Bodenbearbeitung war in der Landwirtschaft eher ein Randthema. Doch nun wird sie wichtig, denn sie reduziert den Einsatz von Pflanzengift.

Je weniger Erde bewegt wird, desto weniger Sprit verbraucht die Zugmaschine.

Bereits 1999 gab es neue Geräte, die es Landwirten ermöglichten, den Boden ihrer Äcker nach der Ernte nur noch fünf Zentimeter tief zu bearbeiten. Doch das neue Verfahren, minimale Bodenbearbeitung genannt, trat keinen Siegeszug an. Der dürfte jetzt folgen, denn inzwischen sind die Kosten der herkömmlichen Landwirtschaft gestiegen und die Weiterentwicklung der minimalen Bodenbearbeitung, die ultraflache Bodenbearbeitung, senkt die Kosten extrem.

Dafür gibt es mehrere Gründe: Je tiefer ein Ackergerät in den Boden eindringt, desto mehr Kraftstoff braucht der Traktor, um das Gerät zu ziehen. Je weniger Erdmasse bewegt werden muss, desto weniger Sprit wird von der Zugmaschine verbraucht. Je schwerer der Boden ist, desto höher war bisher der Kraftstoffverbrauch, also die Kosten. Hinzu kam, dass die Kraftstoffpreise in den vergangenen Jahren stiegen. Was der Traktor verbraucht, hat entscheidende Bedeutung für die Bilanz eines Landwirtes.

Die ultranahe Bodenbearbeitung hat inzwischen einen Entwicklungsstand erreicht, der dafür sorgt, dass nur noch die obersten 2,5 bis 3 Zentimeter des Bodens bewegt werden. Wichtig sind der Neigungswinkel, die Form der Teile, die in den Boden dringen, ihre Aufhängung am Gerät und die Qualität ihres Stahls. Aufeinander abgestimmt sorgen die modernen Maschinen für Zeitersparnis, also für eine weitere Kostensenkung. Die Flächen können viel schneller bearbeitet werden.

Vor allem: Die ultranahe Bodenbearbeitung hinterlässt, wenn sie einige Jahre angewandt wird, ein viel sauberes Feld als die herkömmliche, viel tiefer gehende Methode. Was auf den ersten Blick unlogisch erscheint, liegt daran, dass näher an der Oberfläche gesäte Früchte in den folgenden Jahren für weniger Ausfallgetreide sorgen. Besonders bei Raps ist das ein Problem. Der sogenannte Ausfallraps taucht auf Feldern mit Fruchtfolge irgendwann auf, wenn er eigentlich nicht mehr da sein sollte, weil die Saat tief im Boden eingebracht ist und oft erst mit viel Verspätung keimt. Der Raps stört dann auf dem Feld und muss mit viel Aufwand als Unkraut entfernt werden. Rapssamen können noch 20 Jahre nach ihrer Aussaat anfangen zu sprießen, egal was inzwischen auf dem Feld angebaut wurde. Bei der ultraflachen Bodenbearbeitung tauchen nicht nach Jahren störende Rapspflanzen auf, die neue Methode garantiert ein sauberes Feld.

Hinzu kommt: Bei der ultraflachen Bodenbearbeitung wird der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln reduziert. Die Chemie gegen Schädlinge wie den Maiszünsler oder Unkraut wie den Ackerfuchsschwanz ist für Landwirte ein hoher Kostenfaktor. Maiszünsler sind die Raupen eines bestimmten Schmetterlings. Sie vernichten Maisernten oder reduzieren sie stark, auch noch Jahre, nachdem er in den Pflanzen aufgetaucht ist. Bisher wurde er mit Chemie bekämpft, vor allem mit Glyphosat. Das Pflanzengift ist seit einigen Jahren sehr umstritten. Einige Studien kamen zu dem Ergebnis, dass es möglicherweise Krebs fördere. Es könnte ein Verbot der Europäischen Union für Glyphosat kommen, was dann der laut hörbare Startschuss für ultraflache Bodenbearbeitung in der Landwirtschaft wäre. Bei nahe der Erdoberfläche gesätem Mais gibt es weniger Maiszünsler.

Fakten

Samen werden durch Licht angeregt, sodass die meisten Kulturen in sehr flacher Tiefe keimen. Werden Samen zu tief vergraben, führt das oft zu einer jahrelangen Keimruhe. Raps beispielsweise keimt selbst noch nach 20 Jahren im Boden, wirkt, wenn das passiert, plötzlich als Unkraut in der neuen Aussaat und senkt so deren Ertrag.

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Journalist

Christian Litz

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