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Das verheerende Hochwasser, das kürzlich halbe Orte wegriss und viele Menschenleben forderte, hat uns auf brutale Art und Weise gezeigt, dass wir dringend umdenken müssen. Denn vieles, was wir bisher als gegeben hinnehmen, was unser Leben ein wenig bequemer und komfortabler macht, schadet der Umwelt – und unter Umständen auch anderen Menschen. Daher sollten wir uns fragen: Wie wollen wir in Zukunft leben? Wie sollen unsere Städte aussehen? Wie müssen wir diese planen und bauen, damit wir dort gut arbeiten, spielen, uns fortbewegen und begegnen können und dennoch vor den Folgen von Starkregen und großer Hitze geschützt sind?

Alle städtebaulichen Aktivitäten sollten sich am Schutz des Klimas orientieren, denn der Baubereich ist hier ein ganz entscheidender Player.

Dr. Heinrich Bökamp, Präsident der Bundesingenieurkammer; Foto: Samuel Becker

Die Antwort lautet: Alle städtebaulichen Aktivitäten sollten sich am Schutz des Klimas orientieren, denn der Baubereich ist hier ein ganz entscheidender Player. Dazu müssen wir uns jedoch von der Denkweise „immer mehr, immer bequemer“ verabschieden. 

So ist beispielsweise die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf in Deutschland in den letzten 20 Jahren um etwa 35 Prozent gestiegen. Das bedeutet nicht nur mehr Verbrauch an Rohstoffen, Ressourcen, und Energie, sondern auch mehr versiegelte Flächen. In Deutschland werden jährlich 160 Quadratkilometer Land versiegelt, das entspricht etwa 22.400 Fußballfeldern. Dieses Versiegeln ist ein Grundübel, denn es schadet sowohl der Natur als auch dem gesamten Wassermanagement. Versickert Regen nicht mehr im Boden und wird unserem Grundwasserstock zugeführt, können solche unkontrollierbaren Fluten entstehen. 

Ein großes Problem in Ahrweiler und anderen Orten war, dass die Wassermassen in kurzer Zeit dort ankamen und mit unglaublicher Wucht auf die Bebauung gestoßen sind. Hier ließe sich bereits kurzfristig mit einfachen Mitteln Abhilfe schaffen. So könnte man beispielsweise mit dem Einbau von Mulden in großen Parkplätzen einen Teil des Wassers aufhalten.

Würden Sportstätten und Parks nur einen halben Meter tiefer angelegt, könnten sie bei Starkregen auch als Auffangbecken für die erste große Wasserwelle dienen. Diesen Freiflächen sowie dem Stadtgrün insgesamt muss eine viel größere Relevanz eingeräumt werden. Jede Pflanze – und sei sie noch so klein – hilft mit, den Regen ein wenig aufzuhalten, ob auf Fassaden oder im Innenhof. Bei der Planung neuer Quartiere dürfen diese Punkte nicht mehr außen vorgelassen werden.

Man erkennt inzwischen auch, dass die Begradigungen kleiner und mittlerer Flüsse falsch waren, denn sie erhöhen massiv Geschwindigkeit und Druck des Wassers. Teilweise beginnt man jetzt wieder in die andere Richtung zu denken und die Flüsse in einen Zickzackverlauf zu bringen. 

Zudem muss man sich die bestehenden Hochwasser-karten genauer ansehen und sich fragen, ob in diesen gefährdeten Gebieten eine Bebauung überhaupt sinnvoll ist.

Ich könnte die Liste der Maßnahmen noch unendlich weiterführen. Doch wir brauchen jetzt keine großen Reden, sondern pragmatische Lösungen – und die gibt es bereits. Wir Ingenieurinnen und Ingenieure hätten hierzu einen ganzen Schatz an Möglichkeiten, er müsste nur gehoben werden. Doch das geht nur, wenn alle an einem Tisch sitzen und am selben Strang ziehen. Denn eine einzelne Hochwassermauer in einer einzelnen Gemeinde bringt uns nicht weiter. Und sicher ist: Weitere Hochwasser werden folgen. Daher müssen wir jetzt handeln, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein.

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Journalist

Dr. Heinrich Bökamp

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