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Auch im Bereich der Luft- und Raumfahrt werden derzeit immer mehr Start-ups gegründet – mit vielen verschiedenen und immer kreativen Innovationen. UNTERNEHMERTUM

Auf der richtigen (Umlauf-)Bahn

Ein Braunschweiger Raumfahrtnetzwerk will mit seiner Start-up-Idee für ein wiederverwendbares Trägersystem im Weltall ordentlich mitmischen.

Während es vor ein paar Jahren noch gar keine Investoren für diese Themen gab, lassen sich heutzutage mit guten Ideen und Geschäftsmodellen gut Geldgeber finden.

Kai Höfner, Gründer des GAIA Aerospace e.V.; Foto: Presse

Herr Höfner, was genau ist GAIA?

GAIA Aerospace ist ein Netzwerk der NewSpace-Branche. Aktuell haben wir 46 Partner, hauptsächlich Start-ups, aber auch Universitäten, Hochschulgruppen, YouTuber und andere Raumfahrtnetzwerke. Wir vernetzen die verschiedenen Akteure und bringen sie mit potenziellen Kunden, Lieferanten und Kapitalgebern zusammen. Dafür organisieren wir mitunter verschiedenste Veranstaltungen. Darüber hinaus setzen wir auch eigene Forschungs- und Entwicklungsvorhaben im Bereich nachhaltiger Raumfahrttechnologien um. Unser Spezialgebiet sind dabei wiederverwendbare Trägersysteme. Mit der Entwicklung unserer wiederverwendbaren AirLaunch-Rakete Valkyrie haben wir in diesem Jahr nun sogar den Innovationspreis Niedersachsen gewonnen. 

Apropos Innovation: Wie weit ist Deutschland im Bereich NewSpace?

Im Vergleich mit den USA oder China hinken wir gut 10 bis 15 Jahre hinterher. Aber die Branche nimmt gerade ordentlich Fahrt auf, eine beispiellose Aufholjagd ist momentan im Gange. Insbesondere was den Bereich der Kleinträgersysteme angeht.

Es ist also sinnvoll, in diesen Themenfeldern zu gründen?

Auf jeden Fall. Während es vor ein paar Jahren noch gar keine Investoren für diese Themen gab, lassen sich heutzutage mit guten Ideen und Geschäftsmodellen gut Geldgeber finden. Zumal durch den Trend der Miniaturisierung die Preise in der Raumfahrt deutlich gefallen sind. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, Start-ups sprießen derzeit wie Pilze aus dem Boden.

Was macht die Branche denn genau?

Im Prinzip gliedert sie sich in zwei große Bereiche: den Downstream- und den Upstream-Sektor. Ersterer umfasst alle Daten aus dem All, die auf der Erde verarbeitet und für neue Anwendungsfälle erschlossen werden. So ist die Erdbeobachtung für viele Branchen interessant, beispielsweise für den Katastrophenschutz, die Landwirtschaft oder auch die Automobilbranche, Stichwort Parkplatzsuche für autonomes Fahren. Der Upstream-Sektor umfasst alles, was ins All hochgeschickt wird, also Satelliten und Trägersysteme. Als kleiner Sondersektor gilt der Bereich der Exploration (z. B. Rohstoffgewinnung oder der Aufbau von Habitaten und Infrastruktur auf anderen Himmelskörpern), aktuell eher noch auf Forschungsbasis.

Wie kam es zur Gründung von GAIA?

Die nahm ihren Anfang im Jahr 2013 während eines Praktikums bei Airbus im Eurofighter-Programm im Rahmen meines Maschinenbaustudiums an der TU Darmstadt. Die Idee des suborbitalen Weltraumtourismus à la Richard Branson klang für einen Kommilitonen und mich so spannend, dass wir ein entsprechendes Geschäftsmodell für Europa entwickelten und uns damit für ein Gründerstipendium bewarben. Erfolglos, weil NewSpace in Deutschland seinerzeit noch überhaupt kein Thema war. Daraufhin gründeten wir 2016 den Verein GAIA, um es hierzulande zum Thema zu machen. Mittlerweile sind wir 16 Mitglieder, der Großteil davon ist in unserer Forschung beschäftigt. Unsere Entwicklung des Valkyrie-Nanolaunchers soll im nächsten Jahr dann als externes Start-up aus dem Verein ausgegründet werden

Fakten

Im Zuge der zunehmenden Miniaturisierung von Satellitensystemen sind kleine und flexible Trägersysteme, sogenannte Nano- und Microlauncher, gefragter denn je. Aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte gibt es in Europa jedoch kaum sichere Startplätze für derartige Systeme. Eine Lösung sind Raketenstarts mit Hilfe eines Trägerflugzeugs, sogenannte AirLaunches, wie sie GAIA mit seiner Entwicklung Valkyrie verwirklichen will.

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Journalist

Kirsten Schwieger

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