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Oftmals können Start-ups flexibler auf äußere Veränderungen reagieren. UNTERNEHMERTUM

Deutschland braucht die Erfahrungen des Mittestandes genauso wie die Innovationskraft von Start-ups

Markus Jerger, Bundesgeschäftsführer des BVMW, über Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Unternehmensformen.

Allgemein lässt sich feststellen, dass die Unternehmen gestärkt aus der Krise hervorgehen, die rasch die neuen Entwicklungen aufgreifen und umsetzen.

Markus Jerger, Bundesgeschäftsführer des BVMW; Foto: C. Kruppa

Was sind die größten Unterschiede zwischen Start-ups und dem deutschen Mittelstand?

Der deutsche Mittelstand ist über Generationen hinweg gewachsen, er verfügt über weitreichende Netzwerke, direkte Kundenzugänge und einen großen Erfahrungsschatz. Zudem reinvestiert er den überwiegenden Teil des laufenden Gewinns in das Unternehmen und wird durch diese Eigenkapitaldecke krisenfester. Start-ups haben diese familiären Bande in aller Regel nicht. Deshalb ist ihre Überlebensrate deutlich geringer. Auf der anderen Seite zeichnen sich Start-ups durch eine höhere Innovationsfähigkeit aus. Umso wichtiger ist es, sie anfangs von überbordender Bürokratie zu entlasten. Der Wirtschaftsstandort Deutschland braucht zur Sicherung seiner Wettbewerbsfähigkeit den Mix aus beidem.

Wie lässt sich eine Brücke zwischen beiden Unternehmertypen schlagen?

Beide treibt ihr Unternehmergeist voran. Neun von zehn Unternehmen, die zu ihren Erfahrungen bei Kooperationen mit Start-ups befragt wurden, würden wieder eine Zusammenarbeit eingehen. Dies zeigt: Die komplementären Eigenschaften von Mittelständlern und Start-ups ergänzen sich sinnvoll.

Wie lassen sich die Potenziale klassischer Unternehmen und von Start-ups besser vernetzen?

Kooperationen zwischen Start-ups und etablierten Mittelständlern bergen großes Innovationspotenzial. Durch gegenseitiges Vertrauen und die Begegnung auf Augenhöhe können Unterschiede in Kommunikation und Arbeitsweise überwunden werden. 

Es kann für Start-ups beispielsweise auch interessant sein, bereits bestehende Unternehmen fortzuführen. Um solche neuen Netzwerke zu gründen, hat unser Verband z. B. Unternehmensbörsen ins Leben gerufen.

Wer ist besser durch Pandemie und Lockdown gekommen: Mittelstand oder Start-ups?

Manche Mittelständler, die schon vor der Pandemie wirtschaftlich angeschlagen waren, hat die Krise die Existenz gekostet, doch auch gut aufgestellte sahen sich mit Umsatzeinbußen und fehlender Liquidität konfrontiert. 

Staatlich angeordnete Unternehmensschließungen trafen einzelne Branchen massiv, während andere, auch dank einer stärkeren Digitalisierung ihrer Vertriebswege, kaum Auswirkungen spürten. Durch das Wegbrechen von Lieferketten stehen die Unternehmen aktuell vor neuen Herausforderungen. Hier sind neue Vertriebsformen nötig. Da können Start-ups häufig schneller und wendiger agieren. 

Welche Sparte hat während und nach dem Lockdown gewonnen und welche hat deutliche Verluste eingefahren? 

Allgemein lässt sich feststellen, dass die Unternehmen gestärkt aus der Krise hervorgehen, die rasch die neuen Entwicklungen aufgreifen und umsetzen. Wer dann noch während der Pandemie über eine gute Eigenkapitalausstattung verfügt hat, konnte Umsatzeinbußen und Liquiditätsengpässe besser wegstecken als andere. Start-ups waren hier stärker bedroht, weil ihre in der Regel schmale Eigenkapitaldecke durch die Pandemie überdehnt wurde. Im Mittelstand und in der Start-up-Szene gleichermaßen haben sich Geschäftsmodelle bewährt, die nicht auf physische Präsenz angewiesen sind. So gesehen, hat Corona als Modernisierungsbeschleuniger gewirkt.

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Journalist

Katja Deutsch

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