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Schon vor über 4.000 Jahren tauchte Cannabis als Medizin in chinesischen, indischen und persischen Schriften auf. WELLBEING

Letzte Hoffnung Cannabis?

Seit 2017 darf Cannabis in Deutschland in begründeten Anwendungsfällen verschrieben werden. Die Nachfrage ist hoch – genauso wie der Forschungsbedarf.

So gibt es über 100 Cannabinoide, die in der Hanfpflanze natürlich vorkommen.

Schon vor über 4.000 Jahren tauchte Cannabis als Medizin in chinesischen, indischen und persischen Schriften auf. Ab dem 16. Jahrhundert dann auch in der europäischen Klostermedizin. Im 19. Jahrhundert erfreute sich Cannabis in Europa und den USA großer Beliebtheit. Mit dem Aufkommen von Morphium verlor es nach dem ersten Weltkrieg an Bedeutung bis es Mitte der 1990er Jahre von den USA ausgehend therapeutisch wiederentdeckt wurde.

Seit März 2017 können sich Patient:innen mit schwerwiegenden Erkrankungen in Deutschland medizinisches Cannabis von jedem Arzt verschreiben lassen. Die Verordnung kann in deutschen Apotheken eingelöst werden – die Krankenkassen übernehmen bei entsprechender Indikation im Regelfall die Kosten für medizinisches Cannabis. Cannabishaltige Arzneimittel sind hierzulande als Fertigarzneimittel oder als sogenannte Rezepturarzneimittel erhältlich. Letztere werden meist aus getrockneten Cannabisblüten und -extrakten nach ärztlicher Vorschrift in der Apotheke erstellt und beispielsweise in Form von Tropfen, Kapseln oder Pulver dargereicht. Zur Herstellung der Rezepturen ist jede Cannabissorte mit einer effektiven Menge aktiver Cannabionoide nutzbar. Als Cannabinoide werden die spezifischen Inhaltsstoffe der Hanfpflanze mit pharmakologischer Wirkung bezeichnet. Auch synthetisch hergestellte Cannabinoide wie Dronabinol und Nabilon werden für manche Arznei-mittel eingesetzt.

Grundsätzlich sind Cannabishaltige Medikamente jedoch keine erste Wahl, sondern werden erst eingesetzt, wenn andere Therapien nicht möglich oder erfolglos waren. Während die Cannabinoidhaltige Fertigarzneimittel für Muskelspastiken bei Multipler Sklerose und bei chemotherapiebedingter Übelkeit oder Erbrechen zugelassen sind, gibt es für Rezepturarzneimittel keine zugelassenen Anwendungsgebiete. Eine zunehmend wichtige Rolle nehmen Cannabinoide aber bereits in der schmerz- und palliativmedizinischen Versorgung schwerkranker Patient:innen ein. Als hoffnungsvolle Einsatzgebiete für Cannabinoide gelten derzeit chronische Nervenschmerzen, Spastik, Epilepsie sowie die Begleiterscheinungen einer Chemotherapie. Wobei Cannabis-Präparate in der Regel keine komplette Schmerzfreiheit bewirken, sondern nur eine verminderte Schmerzwahrnehmung. Allerdings können sie schmerzbedingte Schlafstörungen verbessern. Das therapeutische Potenzial von Cannabinoiden ist jedoch noch lange nicht hinreichend erforscht.

So gibt es über 100 Cannabinoide, die in der Hanfpflanze natürlich vorkommen. Je nach Pflanzensorte variieren deren Zusammensetzung und Gehalt. Jedes Cannabinoid besitzt eigene Besonderheiten und Wirkweisen, die durch die Interaktion mit Rezeptoren im Körper Auswirkungen auf das Nervensystem und Gehirn haben – insbesondere im Wechselspiel mit anderen Cannabinoiden. Das am besten erforschte und am häufigsten verordnete Cannabinoid ist THC. Allerdings kann es die Psyche beeinflussen und fällt unter das Betäubungsmittelgesetz.

Weitere, in nennenswerten Konzentrationen vorkommende, Cannabinoide sind CBD (Cannabidiol), CBG (Cannabigerol), CBN (Cannabinol) sowie CBC (Cannabichromen).

Fakten

Unterschiede

CBD: Aus weiblichen Hanfpflanzen gewonnen, nicht berauschend, entspannend, angstlindernd, schmerzstillend, entzündungshemmend. 

CBG: Gilt als Vorstufe zu CBD, ähnliche Wirksamkeit wie dieses, vermutlich sogar höher, aber geringes Vorkommen.

CBC: Hat die gleichen Ursprünge wie auch THC und CBD, schmerz- und entzündungshemmend, stimmungsaufhellend. Verstärkt womöglich Wirkung anderer Cannabinoide.

CBN: Leicht psychoaktiv, beruhigend und entspannend.

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Journalist

Kirsten Schwieger

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