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Nadine Koss, Zahntechnikermeisterin und Gründerin von ZahnKOSSmetik UNTERNEHMERTUM

Chefin mit Biss

Nur wenige Frauen wagen die Gründung eines eigenen Zahntechnik-Labors. Nadine Koss hat den Schritt in die Selbstständigkeit gemacht – und bereut ihn nicht.

Die Entscheidung war lange gefallen, der Start minutiös geplant. Am 1. Januar diesen Jahres war dann endlich der offizielle Eröffnungstermin für ZahnKOSSmetik. „Das war schon alles sehr aufregend“, sagt Zahntechnikermeisterin Nadine Koss fünf Monate später. Seit diesem Eröffnungstag leitet sie ihr eigenes Zahntechnik-Labor. Doch auch, wenn Freizeit im Moment für die 38-Jährige aus dem nordrhein-westfälischen Inden ein Fremdwort ist, würde sie es heute wieder genauso machen. „Man verzichtet zwar als Selbstständige auf einiges, aber dafür bin ich jetzt meine eigene Chefin. Und das ist ein tolles Gefühl.“

Das Faible für das Herstellen von Kronen, Brücken oder Implantaten wurde Nadine Koss fast in die Wiege gelegt. Ihr Vater war selbstständiger Zahntechniker und führte gemeinsam mit einem Partner ein eigenes Labor. „Schon als Kind bin ich ins Büro mitgefahren und habe dort gern ein bisschen rumgebastelt.“ Als es dann an die eigene Berufswahl ging, war die Entscheidung nicht schwer. Schon seit 1998 arbeitete Koss im Labor ihres Vaters. Etwas anderes wollte sie seither nicht mehr machen. Als das Datum, an dem ihr Vater in den Ruhestand gehen würde, am Horizont auftauchte, entschied sich die Tochter, auch als Selbstständige in seine Fußstapfen zu treten.

Sie übernahm das Labor aber nicht einfach, sondern gründete es komplett neu und kaufte den beiden bisherigen Besitzern die Laboreinrichtung ab. Dass gute Beratung unerlässlich ist, war ihr von Anfang an klar. „Ich hatte tolle Hilfe vom Übergabecenter der Handwerkskammer, die mir auch einen Unternehmensberater der Kammer zur Seite stellte.“ Mit den Experten konnte sie ihren Businessplan besprechen und bekam Informationen zu möglichen Fördergeldern. „Übrigens ist auch ein Steuerberater von Anfang an wichtig“, so die Erfahrung von Nadine Koss. Und das gelte schließlich besonders auch für die Mitarbeiter. Da konnte die neue Chefin auf bewährte Kräfte zurückgreifen, denn sie übernahm die Angestellten ihres Vaters. ZahnKOSSmetik ist ein reines Frauenhaus, denn es gibt derzeit nur weibliche Angestellte.

Apropos Frauen: Obwohl Zahntechnik eher ein typischer Frauenberuf ist, ist ihr Anteil an den Selbstständigen gering. „Das könnte daran liegen, dass es sehr viel Zeit kostet, ein Labor zu führen. Frauen mit Kindern können diese Zeit oft nicht aufbringen“, glaubt Nadine Koss. Allerdings hat sie auch noch etwas anderes festgestellt: „Es herrscht gegenüber Frauen oft Skepsis, ob die überhaupt eine solche Aufgabe bewerkstelligen können. Als Frau muss man sich ganz schön durchboxen.“ Ihr Tipp: Kämpfen und sich behaupten sowie Leistung und Qualität zeigen. Einen Vorteil hat Nadine Koss: Wenn die Arbeit für sie und ihr kleines Team mal zu viel wird, dann kann immer noch ihr Vater einspringen und aushelfen.

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Journalist

Armin Fuhrer

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