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Kim Cheng, Geschäftsführerin des Deutschen Verpackungsinstituts e.V., NACHHALTIG FÜR DIE UMWELT

Innovative Verpackungsindustrie

Nachhaltige Rohstoffe sollen Verpackungen klima- und umweltfreundlicher machen, ein vollständiger Verzicht etwa auf Kunststoff aber wäre auch nicht sinnvoll. Im Gespräch mit der Geschäftsführerin des Deutschen Verpackungsinstituts e.V., Kim Cheng, über neue Trends und Entwicklungen der Zukunft.

Ein Großteil der Klimabelastung fällt nicht zuletzt beim Transport an.

Welche umweltverträglichen Produkte und Verpackungsideen sind in der Verpackungsindustrie derzeit ganz neu auf dem Markt?

Die Innovationen im Bereich Nachhaltigkeit sind zahlreich. Ein wichtiger Aspekt ist noch immer die Reduzierung oder Substitution von Kunststoff durch Papier, Glas oder Metall. Gerade Papier erobert dabei Anwendungsbereiche, die traditionell dem Kunststoff vorbehalten waren, beispielsweise bei Tiefkühl- oder Süßwaren. Meist sorgen dann extrem dünne Beschichtungen für die notwendige Barriere, die das Produkt vor Umwelteinflüssen wie Feuchtigkeit oder Sauerstoff schützt.

Eine andere Stoßrichtung ist die Substitution von neuem „Virgin“-Kunststoff durch Kunststoffrezyklat. Auch hier sehen wir viel Innovationsarbeit, die den Anteil von Rezyklat stetig erhöhen und neue Produktgruppen erschließen. Dynamisch ist die Entwicklung auch im Bereich der Kunststoffe aus nachwach-senden Rohstoffen sowie bei den kompostierbaren Kunststoffen. Ein weiterer Trend sind sogenannte „Einstofflösungen“, die gerade für die Rezyklierbarkeit eine hohe Bedeutung haben. Denn Verpackungen, die nur aus einer Art Material bestehen, lassen sich einfacher und effizienter recyceln.

Zunehmend an Bedeutung gewinnen auch Verpackungslösungen, die den Verpackungsaufwand insgesamt minimieren – unabhängig vom eingesetzten Packstoff. Dazu gehören beispielsweise Mehrwegverpackungen oder Refill-Systeme, bei denen Kunden ihre Behälter an Nachfüllstationen im Markt selbstständig wieder befüllen können. Der gemeinsame Nenner der Innovationsarbeit ist die Kreislauffähigkeit der Verpackung.

Haben sich die Erwartungen an das seit 2019 geltende neue Verpackungsgesetz erfüllt?

Die grundsätzlich beabsichtigte Lenkungswirkung, die hinter dem Verpackungsgesetz steht, ist sicherlich der richtige Weg. Bisher allerdings sind die Auswirkungen nicht wirklich spürbar, wobei hier auch die Corona-Pandemie eine Rolle spielen dürfte. Insgesamt ist fraglich, ob die ehrgeizigen Quoten, die im Verpackungsgesetz festgeschrieben wurden, eingehalten werden können. In dem Zusammenhang wäre es sicherlich sinnvoll, stärker auf Förderung und Anreize zu setzen, beispielsweise im Bereich der Kunststoffrezyklate.

Welche Vorgaben wünscht sich das Deutsche Verpackungsinstitut e.V. von der Politik darüber hinaus?

Vorgaben sind das eine, Voraussetzungen und Handlungsspielraum schaffen das andere. So hilft es beispielsweise wenig, nur die Quoten für das Recycling und den Rezyklateinsatz bei Kunststoff zu erhöhen, wenn gleichzeitig wenig dafür getan wird, um die notwendige Infrastruktur auszubauen. Hier könnte und sollte sicherlich mehr getan werden. Ein aktuelles Bei-spiel ist die zum 1. Januar 2021 in Kraft tretende Plastiksteuer. Hier werden zwar zukünftig Abgaben von 80 Cent pro Kilo nicht recycelten Kunststoff fällig, die Mittel fließen jedoch nicht in den Auf- und Ausbau des Recyclingsystems, sondern sie werden „zweckentfremdet“.

Welche Hauptkriterien muss eine klima-neutrale Verpackung aus Ihrer Sicht und nach neuestem Forschungsstand vor allem erfüllen?

Der Klimaaspekt ist nur ein Faktor in der Gesamt-Ökobilanz. So ist Kunststoff aus Klimaperspektive oft vorteilhafter als andere Materialien. Solange jedoch die Kreisläufe beim Kunststoff nicht geschlossen sind, wird dieser Vorteil durch andere Nachteile mehr als kompensiert. Wichtig für eine reelle Evaluierung sind auch der Produktions- und Transportaspekt. Ein Großteil der Klimabelastung fällt nicht zuletzt beim Transport an. 

Wie steht es überhaupt um die Akzeptanz klimafreundlicher Verpackungen in der Öffentlichkeit?

Die Akzeptanz auf Verbraucherseite ist ohne Zweifel vorhanden. Umweltargumente sind jetzt schon ein wichtiges Argument und sie gewinnen trotz Corona weiter an Bedeutung. Bei einer repräsentativen Umfrage, die wir letztes Jahr durchgeführt haben, hat sich gezeigt, dass fast 70 Prozent der Konsumenten bereits einmal auf den Kauf eines Produkts verzichtet hat, weil die Verpackung in ihren Augen nicht nachhaltig genug war.

Wie wird sich die Verpackungsindustrie in den nächsten Jahren ausrichten?

Die auf lange Sicht entscheidenden Bereiche sind Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Sie erzwingen und ermöglichen neue Lösungen gleichermaßen. Ob die Erfahrungen der Corona-Pandemie dazu führen wird, dass die Wertschöpfungsketten regionaler werden, lässt sich noch nicht abschließend sagen.

Fakten

Kim Cheng ist Geschäftsführerin des Deutschen Verpackungsinstituts e. V. (dvi). Sie ist überzeugt, dass der Klimaaspekt nur ein Faktor in der Gesamt- Ökobilanz sein kann. Die Verpackungswirtschaft hält sie für eine hochinnovative Industrie, und Innovationen werden angesichts der globalen Herausforderungen weiter zunehmen.

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Journalist

Helmut Peters

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