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Dr. Claudia Conen, Hauptgeschäftsführerin des BDL (Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen) BUSINESS MOBILITY

Trend zum Full-Service beim Auto-Leasing

Die Zusatzleistungen beim Auto-Leasing gewinnen an immer mehr Bedeutung – gerade ist ein starker Anstieg im noch kleinen Bereich des Elektrofahrzeug-Leasings zu beobachten.

Der Löwenanteil der gewerblich zugelassenen Elektrofahrzeuge werde mittels Leasings finanziert.    

Full-Service ist auf dem Vormarsch beim Fahrzeug-Leasing. Seit einigen Jahren sorgen zusätzliche Bausteine für hohe Steigerungsraten beim

Leasing von Autos und Lastkraftwagen. Diese Bausteine werden inzwischen immer häufiger mitgeleast. Die Liste der hinzubuchbaren Angebote ist lang. Dazu gehören Wartung, Reparatur, Reifenersatz und -wechsel, Tankkarte, Inspektion, Schadensmanagement und Hilfe bei Pannen und Unfällen. Solche Zusatzelemente können schon seit Jahren zusätzlich zur reinen Fahrzeugnutzung hinzu gebucht werden.

Die gesamte Leasing-Wirtschaft schreibt seit 2016 Rekordzahlen. Im vergangenen Jahr erreichte das Neugeschäft der Branche in Deutschland fast 75 Milliarden Euro und wuchs damit deutlich dynamischer als die Ausrüstungsinvestitionen. Von der Möglichkeit des Outsourcings machen auch immer mehr mittelständische Unternehmen Gebrauch.

"Die Unternehmen haben gerade bei ihrer Fahrzeugflotte erkannt, dass der Wert in der Nutzung, nicht im Eigentum liegt" sagt Dr. Claudia Conen, die neue Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands Deutscher Leasing-Unternehmen. Leasing mache es leichter, "regelmäßig die neusten, umweltfreundlicheren Modelle zu fahren, die auch den neusten Sicherheitsstandard bieten." In der Regel seien Fahrzeuge nicht das Kerngeschäft der Unternehmen, daher möchten sie möglichst wenig Aufwand mit ihnen haben. Leasing mit ergänzenden Serviceangeboten rund um die Nutzung schont unternehmensinterne Ressourcen und schafft Freiräume für das Kerngeschäf

Große Steigerungsraten zeigen sich zurzeit beim Leasen von Elektrofahrzeugen. Allerdings ist die Anzahl entsprechend der Neuzulassungszahlen noch relativ gering, die hohen Wachstumskurven beginnen weit unten. Claudia Conen: "Leasing ermöglicht die Verbreitung von Elektrofahrzeugen." Denn der Löwenanteil der gewerblich zugelassenen Elektrofahrzeuge werde mittels Leasings finanziert. "Leasing ist traditionell dafür bekannt, die Verbreitung von innovativen Produkten im Markt zu unterstützen. Die Leasing-Wirtschaft begleitet auch Unternehmen bei der Einrichtung von Ladestationen." Diese können ebenfalls geleast werden.

Nach einer Umfrage des Fuhrparkbarometers Deutschlands 2019 bei Fuhrparkmanagern nutzen oder beabsichtigen 22 Prozent der Unternehmen in den nächsten drei Jahren Elektro- und Hybridfahrzeuge anzuschaffen. 2018 waren es 14 Prozent. Doch trotz starker Steigerungsraten liegt der Anteil von Elektrofahrzeugen an den Kraftfahrzeug-Neuzulassungen aktuell laut Kraftfahrt-Bundesamt unter 2 Prozent.  

"Die erweiterte steuerliche Förderung betrieblich genutzer Elektrofahrzeuge begrüßen wir", sagt Claudia Conen. Dass die Besteuerung des privaten Nutzungsanteils von Elektro-Dienstfahrzeugen, Autos wie Elektro-Fahrräder um die Hälfte reduziert wurde, habe bereits zu positiven Nachfrageeffekten für Leasing-Lösungen geführt. Jedoch stelle die schlechte Infrastruktur in Deutschland, lange Ladezeiten und unzureichende Reichweiten immer noch erhebliche Hindernisse für Unternehmen dar, im großen Umfang auf Elektromobilität umzusteigen.

Dass das bisher schon starke Leasing-Geschäft von Autos weiterhin gut läuft, liegt an den zusätzlichen Leistungen, die hinzugebucht werden können. Inzwischen kann ein Unternehmen sogar eine sogenannte Mobilitätsgarantie mit dem Leasingvertrag erhalten. Wer diese bucht, bekommt Ersatzfahrzeuge bei Ausfall des geleasten Fahrzeugs. Auch Kraftfahrzeug-Steuer und Versicherung können inzwischen vom Leasing-Nehmer mitgebucht werden – was die eigene Verwaltung im Unternehmen entlastet.

Kostenkontrolle und Planungssicherheit seien für Unternehmer wesentliche Aspekte. Dass mit Leasing die Kosten gleichmäßig und genau kalkulierbar sind, ist seit Jahrzehnten für Unternehmen eines der Hauptargumente für Leasing. In unsicheren Zeiten gewännen diese Aspekte an Bedeutung. 

Claudia Conen: "Wir beobachten einen Trend zu einer ganzheitlichen Betrachtung des Mobilitätsbedarfs, der sich derzeit vor allem auf die Ballungsräume konzentriert." Das heißt: Es werden Kilometer eingekauft, unabhängig davon, ob diese Kilometer in der Bahn, dem Flugzeug oder mit dem Auto zurückgelegt werden. Darüber hinaus gibt es Flottenbetreiber, die ihren Fahrzeugpool aus Kostengründen abgebaut haben, weil sie auf Carsharing-Angebote zurückgreifen konnten. "Denkt man Richtung Mobilitätsdienstleistungen, ist es vorstellbar, dass auch Car-Sharing oder Travel-Management im Rahmen von Plattform-Angeboten integriert werden." Zudem würden viele Leasing-Gesellschaften eigene Mobilitätslösungen entwickeln. Captives haben Car-Sharing-Töchter gegründet oder bieten Ride-Sharing und andere Neuigkeiten an.

Die Kombination verschiedener Service-Module entlastet den Leasing-Nehmer von zeit- und arbeitsintensiven Tätigkeiten, die nicht direkt mit seinem Kerngeschäft zu tun haben. Zudem setzt sich der Trend fort, Fuhrparkmanagement komplett auszulagern, was auch Kostenvorteile gegenüber selbstverwalteten Fuhrparks mit sich bringt. 

Diese Zusatzleistungen sind noch lange nicht alles: Auch elektronische Rechnungslegung, Fahrzeugauslieferung sowie umfangreiches Telematik-Reporting über die Nutzung des Fahrzeugs gehören zu Dienstleistungen, die Leasing-Gesellschaften anbieten.

Fakten

Zu den beliebtesten Leasing-Gütern gehört alles, was Räder hat. Dabei dominiert das Pkw-Leasing. Pkw machen 58 Prozent des Neugeschäfts Mobilien-Leasing aus. Bei Nutzfahrzeugen liegt der Anteil bei 17 Prozent. Ihre Nutzungsdauer ist länger als beim Pkw. Es kommt vielen Firmen nicht auf das neuste Modell an.

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Journalist

Christian Litz

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