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Corona-App – Erfolgsmodell oder Flop?

Am 22. Juli verkündete das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz stolz, dass die Corona-App jetzt auch auf Türkisch verfügbar sei. 16,4 Millionen Downloads soll die App inzwischen haben. Damit würden mehr als 15 Prozent der Bevölkerung erreicht. 

In keinem anderen europäischen Land hat sich ein so großer Anteil der Bevölkerung so eine Tracing-App heruntergeladen. 

Nach Meinung der Experten aus dem Ministerium sei die App damit „arbeitsfähig“ und könne zum Schutz der Bevölkerung beitragen. So sagt es eine Studie der Universität Oxford, die das Wirken einer solchen App im Labor simuliert haben. „Unsere Simulationen zeigen, dass die App anfängt zu wirken, sobald 15 Prozent der Bevölkerung mitmachen. Dann können Infektionsketten unterbrochen und Ansteckungen verhindert werden“, sagt die Wissenschaftlerin Lucie Abeler-Dörner in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. 

Doch noch läuft nicht alles rund. Viele ältere Smartphones können mit der App nichts anfangen, ihr Betriebssystem arbeitet mit der App nicht zusammen. Zudem haben erst wenige Senioren (sie gehören ja schließlich zur Risikogruppe) ein Smartphone. Und doch ist die App ein Erfolg. In keinem anderen europäischen Land hat sich ein so großer Anteil der Bevölkerung so eine Tracing-App heruntergeladen, zeigen sich die Menschen offen für das neuartige Warnsystem vor Kontakten mit möglichen Corona-Infizierten. 7,5 Millionen Euro gibt die Bundesregierung nur für Werbung für die App aus, 20 Millionen Euro soll die Entwicklung gekostet haben – übrigens ein Produkt der Telekom in Zusammenarbeit mit SAP.

Auch der monatliche Support kostet zwischen 2,5 und 3 Millionen Euro. Aber das sind in Zeiten von Corona-Hilfspakten im Billionenhöhe eigentlich nur Peanuts. Ob diese Summen eine gute Investition waren, wird sich zeigen. Sollte eine zweite Infektionswelle auch Deutschland heimsuchen, spielt die Corona-App in der Kontaktverfolgung bestimmt eine wichtige Rolle. 

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Journalist

Jörg Wernien

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