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Insbesondere Start-ups, Pioniere und die Digitalisierung haben zu schnellen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus beigetragen. GESUNDHEITSWESEN

Corona: Auswirkungen auf die Medizintechnik

Dr. Martin Leonhard, Vorsitzender des Fachverbands Medizintechnik im Deutschen Industrieverband SPECTARIS, glaubt, dass sich der Markt konsolidieren wird.

Der Markt wird sich spürbar konsolidieren, die Entwicklung ist bedenklich.

Dr. Martin Leonhard, Vorsitzender des Fachverbands Medizintechnik im Deutschen Industrieverband SPECTARIS; Foto: Spectaris 

Die Corona-Krise wirkt sich nicht nur auf die aktuelle Umsatzentwicklung der deutschen Medizintechnikindustrie aus. Vielmehr erwarten Experten mittel- bis langfristig fundamentale Markt- und Wettbewerbsveränderungen. Das zeigt der Trendreport „Wie SARS-CoV-2 die Medizintechnikbranche verändert“, den SPECTARIS mit Roland Berger erstellt hat. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass nur die Firmen, die bereits jetzt die richtigen Weichen stellen, zu den „Eroberern“ zählen werden, denen es durch digitale Exzellenz gelingt, neue Märkte und Kundenkontakte zu erschließen – während der Krise und danach. Vielen kleineren Unternehmen, die von den Auswirkungen der Pandemie bereits heute stärker betroffen sind, droht gemäß der Studie angesichts des nach wie vor hohen Preisdrucks und Regulierungsaufwands sowie einer zunehmenden Marktkonsolidierung das Aus. „Die Dynamik, mit der die Schere zwischen großen und kleinen Unternehmen im Zuge der Pandemie auseinandergeht, hat uns überrascht“, sagt Dr. Martin Leon-hard. „Die Kleinen, insbesondere solche ohne Alleinstellungsmerkmale, leiden deutlich stärker unter den Folgen. Der Markt wird sich spürbar konsolidieren, die Entwicklung ist bedenklich.“ 

Zu den größten Herausforderungen sagt Leonhard: „Die Unternehmen müssen konsequent weiter digitalisieren, um so den Zugang zu neuen Märkten und Kundengruppen zu schaffen.“ Dazu bräuchten sie neben einer grundlegenden Strategie auch Prozesse, Tools und vor allem Personal, um diese Strategie operativ umzusetzen. Daneben bedürfe es verbesserter Rahmenbedingungen, etwa beim Thema Regulierung, bei der Nutzung anonymisierter Patientendaten zu Forschungszwecken oder um Handelshemmnisse abzubauen.

Um zukunftsfähig zu bleiben, müssten Unternehmen fünf Punkte umsetzen: „Sie sollten eine Roadmap für die Digitalisierung aufstellen, eine neue digitale Vertriebskultur aufbauen, Partnerschaften und Akquisitionen prüfen, neue Talente verpflichten sowie Lieferketten krisenfest aufstellen“, erläutert Leonhard. Er persönlich wünscht sich drei Dinge für die Zukunft. Erstens: Dass Pioniere, Erfindergeist und Unternehmertum eine neue Wertschätzung erfahren. „Ohne Pioniere hätten wir nicht so schnell neue Impfstoffe, Testverfahren oder auch Apps.“ Zweitens wünscht er sich starke Solidarität und Eigenverantwortung. Denn es komme auf jeden Einzelnen an, dass Infektionen sich nicht exponentiell verbreiten, wobei das Coronavirus nicht die letzte Pandemie gewesen sein würde. „Dazu muss auch gehören, Daten zur solidarischen Nutzung in einer Pandemie oder zu Forschungszwecken allgemein verfügbar zu haben.“ Drittens wünscht sich Leonhard, dass Deutschland ein starker Medizintechnik- und Industriestandort bleibt. „Hier macht mir langfristig die meiste Sorge, dass wir zu spät begreifen, nicht mehr der Nabel der Welt zu sein. Es reicht nicht, Klassenbester in Orchideenfächern zu werden. Vielmehr gilt es, den Erhalt in der Champions League sicherzustellen.“

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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