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Frauen dürfen in puncto Gründen ruhig mutiger werden – und auch Misserfolge gehören manchmal dazu und sollten laut Lea-Sophie Cramer als normaler angesehen werden. UNTERNEHMERTUM

Business Angels investieren nicht aus Nettigkeit, sondern anhand rationaler Entscheidungen

Acht von zehn Frauen haben beim Thema Finanzen große Unsicherheiten. Lea-Sophie Cramer, Gründerin des Toyherstellers Amorelie, glaubt, dass sich diese Unsicherheit auch im Gründen niederschlägt: Der Umgang mit sehr großen Summen, die Schwierigkeiten der Finanzierung, die Verantwortung schreckten viele ab. 

Lea-Sophie Cramer, Gründerin und Unternehmerin; Foto: Presse

Dabei muss man davor keine Angst haben. „Wenn man Kapital braucht und dazu externe Investoren ins Boot holt, dann wissen diese genau, was sie tun. Das sind Profis, die ihr Risiko kennen und bewusst eingehen“, so die Unternehmerin. Als Gründerin sieht sie sich in der Verpflichtung, das Beste aus dem Geld zu machen, und alles dafür zu tun, das Geschäft nach vorne zu bringen. Aber ob es funktioniere, könne letztendlich keiner wissen und die Geschäftsfrau rät dazu, sich dabei auch nicht völlig verrückt machen. Sie investiert auch selbst als Angel in Unternehmen – und einige davon haben es nicht geschafft. Das ist im Einzelfall immer schwierig, aber gehört zu einem Start-up-Ökosystem dazu: „Wir bekommen keine Einhörner, wenn wir nicht auch Insolvenzen haben!“

Investoren betrachten ihr Investment in Start-ups als Teil ihrer Portfoliostrategie. Zu diesem Geschäft gehört, dass ein Teil der Investments vielleicht nicht funktionieren wird. Investoren investieren weder aus Mitleid noch aus Nettigkeit, sondern anhand einer rationalen Entscheidung. Funktioniert es, nehmen sie sehr hohe Renditen mit. Lea-Sophie Cramer hatte ihren Eltern bei ihrer eigenen Gründung von Amorelie verboten, mit einzusteigen. Denn geben Privatmenschen ihr Geld, bedeute das eine andere Emotionalität. Unternehmensgründer haben hier eine große Verpflichtung, die Geldgeber noch viel expliziter vor den möglichen Risiken zu warnen.

Ab dem vierten Jahr lief das Geschäft ihres Onlineshops für Toys plötzlich hervorragend. Alle Investoren haben ihr investiertes Geld um ein Vielfaches zurückerhalten. 

Zur Gründung von Amorelie investierten zwei Investoren jeweils 30.000 Euro, beide hatten bereits einen erfolgreichen Exit hinter sich. Das hat nur einen Monat gedauert, die anschließenden Finanzierungsrunden jeweils um die acht bis neun Monate. Nachdem das Start-up günstige Restplätze für Werbung im Fernsehen kaufen konnte, gingen die Umsätze steil nach oben. Dadurch wurde ProSiebenSat1 auf Amorelie aufmerksam und bot an, kostenfrei Werbung gegen Anteile zu schalten.

„Ein Start-up zu gründen,ist ein sehr hartes Geschäft, für das man eine große Vision braucht, wissen muss, was die Welt bewegt und was einem selber Spaß macht. Da man ständig zu wenig Ressourcen an Mitarbeitern, Zeit und Geld hat, sind Fokussierung und Priorisierung das wichtigste. Man muss immer wieder Hypothesen bilden und diese schnell und kosteneffizient testen.“ Im Start-up-Bereich geht es immer auch ums unternehmerische Überleben. 

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Journalist

Katja Deutsch

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