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Die Herausforderung Homeoffice hat auch ein paar intelligente Produktideen fürs Zuhause hervorgebracht. HAUSBAU & ENTWICKLUNG

Staubsauger zum Sitzen oder Falt-Möbel

Lutz Dietzold ist seit 2002 Geschäftsführer des Rates für Formgebung. Er studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Germanistik in Frankfurt.

Design sucht nach Lösungen, die ihrer Zeit voraus sind.

Lutz Dietzold, Geschäftsführer des Rates für Formgebung, Foto: Lutz Sternstein

Ein irritierendes Jahr 2020 liegt hinter uns. Wie hat das die Schöpfungen der Designer beeinflusst?

Das unfreiwillige Verweilen in den eigenen vier Wänden war gewissermaßen ein Glücksfall für die Designindustrie: Viele haben sich eingängiger damit befasst, wie sie sich ein Umfeld schaffen, in dem sie gern viel Zeit verbringen. Da hilft natürlich Ästhetik, aber auch Qualität. Da zahlt sich gut durchdachtes Design in jeder Hinsicht aus. Die Designer konnten sich in diesem Jahr also vor allem darüber freuen, dass ihre gelungenen Entwürfe derzeit neuentdeckt werden. Die Herausforderung Homeoffice hat auch ein paar intelligente Produktideen fürs Zuhause hervorgebracht wie z. B. Mikroarbeitsplatzlösungen von Sedus Stoll oder modulare Möbel, die sich schnell den unterschiedlichen Nutzungen des Lebensraums anpassen lassen.

Was steht bei den jungen, zum Teil ja auch ausgezeichneten Designern aktuell im Fokus?

Design sucht nach Lösungen, die ihrer Zeit voraus sind. Es fragt nach den Bedingungen des Morgen und welche Dinge oder Lösungen diese Zukunft besser machen. Der German Design Award ist jedes Jahr ein schönes Brennglas für das, was die Designwelt umtreibt. Ein großer Treiber für Innovationen ist seit Jahren das Thema Nachhaltigkeit. Die Designer sehen sich in der Verantwortung, unsere Welt von morgen aktiv mitzugestalten. Von der Auswahl der Materialien über die Fertigung bis zum Recycling am Lebensende eines Produktes.

Schon in jüngster Zeit deutete sich ja ein Trend zum Minimalismus an. Welche Veränderungen hat das ausgelöst?

Beim Minimalismus im Design geht es weniger um einen Trend als eine Haltung deutscher Gestalter, die dem deutschen Design international viel Anerkennung eingebracht hat. Die Konzentration auf das Wesentliche, reduzierte, oft geometrische Formen und die Verwendung der Grundfarben sind Stilelemente, die seit der Bauhaus-Bewegung vor 100 Jahren das weltweite Designgeschehen prägen.

Gibt es pfiffige Ideen in Sachen funktionaler Möbelstücke?

Besonders interessante Ideen finden wir oft bei den Nachwuchsdesignern. 2020 haben wir z. B. einen Staubsauger von zwei Absolventen der Fachhochschule Potsdam gefördert, der im unbenutzten Zustand als Couchtisch oder Hocker verwendet werden kann und die Optik eines Haushaltsgerätes hinter sich lässt. 

Solche Projekte stoßen manchmal ganze Paradigmenwechsel in einem Produktsegment an. Für kleine Wohnräume werden immer mehr falt- und klappbare Möbel entworfen, die sich an die individuelle Raumsituation anpassen.

Wie kann man schon mit geringem finanziellen Aufwand frischen Wind in die eigene „Hütte“ bringen?

Start-ups wie der Designmöbel-Vermieter Readymade in Köln versuchen sich an tollen neuen Ansätzen, um den Zugang zu gutem Design erschwinglich zu machen. Neben Mietmodellen sind die drei Nachhaltigkeit-Rs Reduce, Reu-se und Recycle wohl der einfachste Weg, um mit wenig Investment Glanz in die Hütte zu bringen.

Fakten

Mit dem German Design Award werden deutsche und internationale Hersteller und Designer für innovative Produkte und Projekte ausgezeichnet. Eine Besonderheit dieses Wettbewerbes ist, dass nur nominierte Beiträge daran teilnehmen können. Bewertet werden die Gesamtidee, Nachhaltigkeit, Ästhetik und Funktionalität.

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Journalist

Helmut Peters

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