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Digital Recruiting mit Hilfe von KI

Der Prozess „Stellenangebot – Bewerbung – Bewerbungsverfahren – Einstellung“ findet immer mehr auf digitaler Ebene statt. Digital Recruiting bezeichnet dabei alle Aktivitäten und Maßnahmen, die mittels elektronischer Medien dabei helfen, zu neuen Mitarbeitern zu kommen. 

„Was sich bisher mehr und mehr durchsetzt, ist die automatische Vorselektion anhand des Lebenslaufes.“

Künstliche Intelligenz wird dabei als das Mittel der Wahl betrachtet. Im digitalen Recruting werden Prozesse im Bewerbungsverfahren vereinfacht, beschleunigt und zudem transparenter. Spuren, die analysiert werden, hinterlässt ein Kandidat bereits bevor er offiziell in Erscheinung tritt: Durch sein Onlineverhalten, seine Klicks auf der Karriereseite, seiner Eingabekriterien und anhand seines Bewegungsprofils auf Social Media Kanälen und in Karrierenetzwerken.

Unternehmen möchten ihre vakanten Stellen schneller und mit vermeintlich perfekt passenden Kandidaten besetzen. Von Robotern unterstützte Auswahlverfahren wecken hier große Hoffungen. Das beginnt bei Videobewerbungen, die zukünftig von Analysesoftware begleitet werden können. Kandidaten können einen vorher gesendeten Fragekatalog vor eingeschalteter Webcam beantworten, wobei Inhalt, Gestik, Mimik, Körpersprache, Sprachtempo und die verwendete Wortwahl von der Software analysiert werden. Dieses Verfahren ermöglicht einen gerechteren Vergleich als subjektive Erinnerungen an viele Einzelgespräche.

Manchmal übernimmt sogar der Roboter alleine die Vorauswahl. So soll die Software Precire anhand eines 15minütigen Telefongesprächs mit einem Bewerber dazu imstande sein, dessen Persönlichkeitsprofil zu erstellen – samt Kommunikationsverhalten und Denkmuster. Ob sich ein potentieller Mitarbeiter dabei wohl fühlt, sei dahingestellt.

Was sich bisher mehr und mehr durchsetzt, ist die automatische Vorselektion anhand des Lebenslaufes. Software wie CVlizer erfassen alle Teile der Bewerbungen und strukturieren sie zu einem standardisierten Kandidatenprofil. Das spart Zeit und erlaubt ein Filtern anhand bestimmter Schlüsselwörter – und könnte die Merkmale des Bewerbers mit denen erfolgreicher Mitarbeiter vergleichen. Auch e-Assessment und automatisiertes Matching zur Vorauswahl der Kandidaten finden häufiger Verwendung.  Hier absolvieren alle den gleichen Test, dessen Ergebnis mittels Algorithmen analysiert wird. Das erlaubt Rückschlüsse auf die erforderlichen Qualifikationen und teilweise auch auf Softskills und Motivation. Bei der selbstlernenden Matchingleistung „Pocket Recruiter“ werden Lebensläufe automatisch mit spezifischen Jobanforderungen gematcht. Ein wissenschaftlich seriöser Anbieter ist bei dieser Methode Grundvoraussetzung.

Wer als Recruiter nicht ständig die gleichen Fragen beantworten möchte, kann Chatbots einsetzen. Sie sind interaktiver als reines Anklicken der FAQs, sollten aber als Roboter erkenntlich gemacht werden. 

Die Plattform LinkedIn hat im letzten Jahr eine Studie zu weltweiten Trends in der Personalbeschaffung mit KI veröffentlicht. Danach setzen 58 Prozent der Unternehmen KI ein, um Kandidaten zu finden, 56 Prozent zum Prüfen derselben und 55 Prozent zur Pflege der Beziehungen. Terminplanungen mittels KI nehmen 42 Prozent der Befragten vor und knapp ein Viertel nutzt KI zum Austausch. Bei Vorstellungsgesprächen greifen bislang nur sechs Prozent auf den Einsatz künstliche Intelligenz zurück.

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Journalist

Katja Deutsch

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