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Experten und ihre Meinungen: Digitalisierung im HR-Bereich


Foto: Bundesinstitut für Berufsbildung

Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser,
Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Bonn

Über die „digitale“ Durchdringung der Aus- und Weiterbildung 

Die Berufsbildung 4.0 steht in Deutschland vor vielen Herausforderungen. Zunächst müssen die in den Betrieben identifizierten veränderten Qualifikationsanforderungen in zukunftsorientierte Ordnungsmittel für die Aus- und Weiterbildung überführt werden. Ausbildungsbetriebe, Berufsschulen und überbetriebliche Zentren sind anforderungsgerecht auszustatten. Das Ausbildungs-, Lehr- und Prüfungspersonal ist entsprechend zu qualifizieren und weiterzubilden. Hier ist jetzt die Politik gefragt. Der Digitalpakt muss schleunigst auf den Weg gebracht und umgesetzt werden. Entscheidend für die digitale Durchdringung sind der Anschluss der Lernorte an schnelles Internet, die Verfügbarkeit über moderne Qualifikationstechnologien in den Lernorten sowie die Medien- und Methodenkompetenz des Ausbildungs-, Lehr- und Prüfungspersonals.

Auch auf Unternehmensseite müssen digitale Kompetenzen effektiv gefördert werden. Ein entscheidender Erfolgsfaktor der Berufsbildung ist der enge Bezug zur betrieblichen Realität. Das heißt, Digitales muss sich in betrieblichen Prozessen und Produkten widerspiegeln. Daran anknüpfend ist Ausbildung anzureichern und Weiterbildung zu ermöglichen.



Foto: Jens Schicke

Achim Dercks,
stv. Hauptgeschäftsführer Deutscher Industrie- und Handelskammertag e. V. (DIHK)

Über Berufsausbildung im Digitalzeitalter

Unsere Berufe sind vielfach schon gut für das digitale Zeitalter gerüstet, da digitale Themen bereits in den Ausbildungsplänen verankert sind. Teilweise müssen sie angepasst werden, und wir brauchen sicher auch einige gänzlich neue Berufe. Ein gutes Beispiel ist der im letzten Jahr eingeführte Kaufmann für E-Commerce. Auch die Ausbilder und Lehrer an den Berufsschulen müssen auf der Höhe der Zeit sein. Die Entwicklung digitaler Kompetenzen darf aber nicht erst in der betrieblichen Ausbildung beginnen – die Grundlage müssen aus Sicht der Wirtschaft bereits die Schulen legen. Deshalb ist eine angemessene digitale Ausstattung aller Schulen und insbesondere der Berufsschulen grundlegende Voraussetzung für eine gute digitale Bildung. Umso bedauerlicher ist es, dass sich Bund und Länder noch immer nicht über die Umsetzung des DigitalPakts geeinigt haben. Auf Unternehmensseite sind neben Medienkompetenz und Verständnis für neue Technologien auch die Entwicklung von Soft Skills wie Teamfähigkeit oder Interdisziplinarität wichtig. Diese werden von Unternehmen zum Beispiel durch Azubi-Projekte gefördert. Dabei arbeiten Azubis – oft abteilungsübergreifend – selbständig an Problemlösungen, etwa bei konkreten Digitalisierungsaufgaben. Ausbilder verstehen sich als fachlicher Coach.



Foto: Steffen Jaenicke

Sebastian Lazay,
Präsident des Bundesarbeitgeberverbandes der Personaldienstleister (BAP)

Über die Herausforderungen der Personaldienstleistungsbranche

Wie andere Branchen spüren auch wir den sich verschärfenden Fachkräftemangel. Betroffen sind vor allem Industrie, Handwerk, Logistik sowie Pflege und Medizin. Zusätzlich leiden wir unter den Folgen des reformierten Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG), dessen festgelegte Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten für alle Beteiligten nachteilig ist und vollständig abgeschafft werden sollte. Auch die nicht sachgerechte Definition der eingeführten Equal-Pay-Regelung führt zu großen Rechtsunsicherheiten auf allen Seiten und zu zahlreichen Klagen vor den Arbeitsgerichten. Die Reform des AÜG wirkt wie ein Bremsklotz und muss überarbeitet werden. Auch im Hinblick auf den Abbau bürokratischer Hürden. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels blicke ich gespannt auf die Ausgestaltung eines Einwanderungsgesetzes, verbunden mit der drängenden Frage, ob die Branche zukünftig Ausländer aus Drittstaaten in der Zeitarbeit beschäftigen darf. Die Entwicklung hin zu einem Arbeitnehmermarkt zwingen die Arbeitgeber zukünftig in einen harten Wettbewerb um die besten Mitarbeiter. Gefragt ist eine professionelle Personalrekrutierung. Die Personaldienstleister werden in Zukunft immer mehr die Funktion einer Personalabteilung für die Unternehmen übernehmen.

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Journalist

Kirsten Schwieger

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