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Digitalisierung in der Medizintechnik – Deutschland hat Nachholbedarf

Der digitale Wandel, der viele Branchen schon erfasst hat, kommt in der Medizintechnik nur langsam an. Doch „vor dem Hintergrund der Digitalisierung ändern sich im Markt die Spielregeln. Neue Geschäftsmodelle und Wettbewerber treten auf den Plan. Strategische Kooperationen werden wichtiger, zum Beispiel im Hinblick auf datenbasierte Dienste wie die KI-gestützte Diagnostik“, erläutert Cornelia Yzer, ehemalige Berliner Wirtschaftssenatorin und Of Counsel der Luther Rechtsanwaltsgesellschaft. „Erschwerend kommt hinzu, dass der regulatorische Rahmen für diese neue Ära der Medizintechnik noch stark in Verhandlung ist.“

Strategische Kooperationen werden wichtiger, zum Beispiel im Hinblick auf datenbasierte Dienste wie die KI-gestützte Diagnostik.

Kommunikation – Basis der Medizin

Dennoch ist auch in die Krankenhäuser und Arztpraxen die Digitalisierung zumindest im Bereich der Kommunikationstechniken längst eingezogen. Tablets und Co. werden wie selbstverständlich verwendet. Nach einer Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung nutzen rund 70 Prozent des Krankenhauspersonals regelmäßig digitale Techniken in den Bereichen Kommunikation, Logistik, Management und Personal, Patientenversorgung, Information und Qualifizierung. Häufigste Einzelaufgaben, die digital erledigt werden, sind etwa die Recherche von Fachinformationen, Materialanforderungen, Diagnosen und die Verwaltung von Patientendaten. „Der Umgang mit digitaler Technik gehört für die Beschäftigten längst zum Arbeitsalltag. Fast 90 Prozent unserer Befragten gaben an, dass sie neuen Technologien gegenüber offen eingestellt sind. Die Annahme, dass etwa Pflegekräfte neuen Technologien skeptisch begegnen, fanden wir nicht bestätigt“, stellt der Pflegewissenschaftler Christoph Bräutigam fest.

Nächste Welle kommt

Dass eine weitere Welle der Digitalisierung in der Branche kommen wird, ist schon aufgrund des akut herrschenden Fachkräftemangels in den Pflegeberufen und der gleichzeitig alternden Gesellschaft unumgänglich. Doch noch ist in vielen Kliniken die vorhandene IT-Infrastruktur unzureichend. Experten bemängeln, dass flächendeckende Funknetze, mobile Datenverarbeitung und die Einbeziehung der Patienten in diese digitale Infrastruktur den modernen Ansprüchen nicht genügen. Zudem gleiche Deutschland, was die digitale Infrastruktur angehe, eher einem Flickenteppich. 

Dabei sind Fachleute davon überzeugt, dass durch die digitale Entwicklung die Integration zwischen der ambulanten und der stationären Welt möglich sei und so eine wirklich integrierte Versorgung gelingen könnte.

IT-Sicherheit

Doch so schön, wie diese Welt auch klingen mag: Dort, wo es um die Gesundheit und das Leben von Menschen geht, spielen IT-Sicherheit und Datenschutz eine wichtige Rolle. Vor allem die zunehmende Vernetzung von Geräten, die das Internet der Dinge zur Folge hat, bietet eine Reihe von Angriffspunkten, was das Thema Hacking angeht. Geräte, die autonom Daten miteinander austauschen, müssen regelmäßig überwacht werden, denn wenn beispielsweise größere Datenmengen bewegt werden, kann dies sowohl auf einen Fehler als auch auf einen Angriff von außen hinweisen.

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Journalist

Frank Tetzel

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