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Tim Mälzer ist ein deutscher Fernsehkoch, Unternehmer und Kochbuchautor. ESSEN&TRINKEN

Ein echtes Original

Tim Mälzer zählt zu den erfolgreichsten deutschen TV-Köchen und Kochbuchautoren. Für den richtigen Geschmack geht er auch mal an seine Grenzen.

Im Grunde genommen sind sich die Küchen der Welt sehr ähnlich.

Für die zweimal mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnete Vox-Sendung „Kitchen Impossible“ stellt sich Tim Mälzer mit seinen Kontrahenten – allesamt Spitzenköche – in spannenden Koch-Competitions regelmäßig scheinbar unlösbaren Aufgaben. In jeweils zwei Ländern sollen die Köche eine einheimische Spezialität perfekt zubereiten – unter härtesten Bedingungen. Mal muss Mälzer in Hongkong Fischblase und Seegurke zubereiten und bei schwerem Seegang Erbsensuppe für 60 Personen kochen. Mal hat er die Aufgabe, in Israel Adlerfisch in Zitronensoße mit mediterranem Gemüse zu kochen oder in Irland Kutteln mit traditioneller Blutwurst zu zaubern. Wer mit seinem Gericht punkten will, muss schließlich eine Jury aus Stammgästen überzeugen. Denn die wissen natürlich am besten, wie ihr Leibgericht wirklich schmecken muss. Kein Wunder also, dass Tim Mälzer kulinarisch schon viel auf der Welt herumgekommen ist. 

„Im Grunde genommen sind sich die Küchen der Welt sehr ähnlich. Italienische Ravioli, asiatische Dumplings und unsere Maultaschen zum Beispiel sind, was die Basis der Zutaten betrifft, gar nicht so weit voneinander entfernt“, bilanziert Tim Mälzer. Und auch die Kochwege seien sich sehr ähnlich. „Zum Einsatz kommen auf allen Kontinenten meistens frische saisonale Lebensmittel aus der Region“, weiß der sympathische Koch, der nach eigener Aussage tatsächlich alle Küchen der Welt und insbesondere Hausmannskost supergern mag. Ein „Riesen-Fan“ ist er von der japanischen Küche, weil diese so perfektionistisch und produktorientiert sei. Andererseits könne die japanische Küche auch sehr rustikal sein: „So kochen die Japaner unter anderem auch sehr leckere Schmorgerichte, die ein wenig an unser Gulasch erinnern“, schwärmt der in Hamburg lebende Mälzer. Sehr spannend findet er auch die hierzulande häufig unterschätzte griechische Küche. Denn die Griechen würden mit derselben Leidenschaft kochen wie die Franzosen oder Italiener. Dabei seien die Italiener Meister darin, auch einfache, schnell zuzubereitende Gerichte wahrlich zu zelebrieren: Bestes Beispiel: „Spaghetti aglio olio e peperoncini“. „Insofern ist es schade, dass die Deutschen kross gebratenen, guten Bratkartoffeln oder auch einem gelungenen Linseneintopf oftmals viel zu wenig Anerkennung schenken oder diese Gerichte sogar als banal einstufen“, moniert Mälzer, der dafür bekannt ist, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. 

Überhaupt nicht banal findet er die Zubereitung einer italienischen Bolognese. „Die muss ebenso wie ein guter Eintopf mehre Stunden lang kochen. Wieder aufgewärmt, schmecken beide Gerichte noch viel besser“, so ein Tipp des kreativen Kochs und Show-Talents. Ob seine herausragende Bolognese-Sauce tatsächlich „die beste der Welt“ ist, darf jeder selbst entscheiden. In drei seiner derzeit vier Restaurants steht diese auf der Speisekarte – und sie ist definitiv ein Renner.

Viele tolle Rezepte findet man übrigens nicht nur in den Büchern von Tim Mälzer, sondern auch auf seiner Homepage. Das Repertoire reicht von Steckrübenpüree mit Parmesan über geschmorte Lammschulter und Pilzknödel bis hin zu Labskaus oder Cassata Siciliana. Das am häufigsten aus dem Netz heruntergeladene Rezept sei übrigens sein Rezept für Gurkensalat, berichtet der Rockstar unter Deutschlands Köchen. „Die Gurken gut ziehen lassen“, so ein weiterer Tipp von ihm.

Geboren wurde Tim Mälzer am 22. Januar 1971 in Elmshorn bei Hamburg. Mit 21 Jahren begann er nach dem Abitur und dem Zivildienst im ehemaligen Hamburger Hotel InterContinental eine Lehre zum Koch, welche er 1995 mit Auszeichnung abschloss. Ursprünglich wollte er Hoteldirektor werden, doch dann kam es anders. Ein Praktikum in Hongkong und drei Jahre Hotelerfahrung in London folgten, wo er unter anderem im Ritz Hotel arbeitete. In London traf er unter anderem auch den britischen Starkoch Jamie Oliver, der ihm ein guter Freund wurde. 1997 trat er im Hamburger Café Fees seine erste Stelle als Küchenchef an. Im „Tafelhaus“, einer der besten Adressen Hamburgs, wurde er 1998 Sous Chef von Christian Rach. Nachdem er drei Jahre lang weitere Häuser als Geschäftsführer und Küchenchef leitete, wagte er 2002 die Eröffnung seines eigenen Restaurants „Das Weiße Haus“, direkt an der Elbe am Museumshafen in Hamburg-Övelgönne. In den Fokus der Öffentlichkeit gelangte Tim Mälzer dann durch das tägliche Vorabend-Format „Schmeckt nicht – gibt’s nicht!“, das von 2004 bis 2007 bei Vox ausgestrahlt wurde. Nach fast 600 Folgen wechselte er mit „Born to Cook“ in die Primetime des Senders. Und er war regelmäßig in Sendungen wie „Kochen bei Kerner“, „Lanz kocht“ und in der „Kocharena“ zu Gast. Als Juror und Coach präsentierte er sich in der Koch-Castingshow „The Taste“. 2009 eröffnete Tim Mälzer dann sein legendäres Restaurant „Bullerei“ im angesagten Hamburger Schanzenviertel, 2012 folgte das „Hausmanns“ am Frankfurter Flughafen. 

Bleibt die Frage, was 2019 bei Tim Mälzer los ist. „Auf alle Fälle weiter kochen und weitere Siege bei Kitchen Impossible einfahren. Alles andere wird sich zeigen“, lacht Mälzer – ein Original, wie man es heute selten findet. 

Fakten

Rezept für Tims Gurkensalat

Gurken schälen und in dünne Scheiben hobeln. Mit Salz, Zucker und Pfeffer würzen. Leicht durchkneten und 4 bis 6 Minuten ziehen lassen, dann den entstandenen Sud abgießen. Schalotte fein würfeln und mit Essig und Sahne oder Sauerrahm zu den Gurken geben. Dillspitzen fein hacken und untermischen. Dazu passt Wiener Schnitzel. Guten Appetit!

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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