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Krankenhausinfektionen belasten Patienten und Gesundheitssystem

Durch die zusätzlichen Infektionen neben der Grunderkrankung, können schwere Folgeschäden auslösen, lebensbedrohlich sein und tatsächlich auch zum Tod führen.


Dr. med. Bärbel Christiansen, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Leitung ZE Interne Krankenhaushygiene (Kiel und Lübeck), ZE Medizinaluntersuchungsamt und Hygiene, Campus Kiel, Foto: Pressefoto

Nosokomiale Infektionen (Krankenhausinfektionen) belasten Patienten und Gesundheitssystem in erheblichem Maße durch die zusätzlichen Infektionen neben der Grunderkrankung, können schwere Folgeschäden auslösen, lebensbedrohlich sein und tatsächlich auch zum Tod führen. Sie zu erkennen und zu bekämpfen gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Krankenhaushygiene und Infektionsprävention.

Das Aufgabenspektrum und die Maßnahmen der Krankenhaushygiene werden durch die im Infektionsschutzgesetz verankerte Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) am Robert-Koch-Institut klar umschrieben. Dazu gehören die Beratung der Krankenhausleitung in allen Fragen der Krankenhaushygiene und Infektionsprävention sowie die Umsetzung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Strukturen und Prozesse vor Ort. Das hygienische Verhalten und die entsprechenden Arbeitsweisen für alle Einrichtungen sind in Hygienestandards, die die Krankenhaushygiene erarbeitet und ständig anpasst, verbindlich geregelt. Zusätzlich werden zusammen mit der Klinik spezielle Hygienevorgaben in Hygieneplänen erarbeitet. Verantwortlich ist die Krankenhaushygiene auch für die Maßnahmen beim Auftreten von Infektionskrankheiten und bei multiresistenten Erregern. Sie erfasst und bewertet den Nachweis von multiresistenten Erregern wie MRSA, VRE, MRGN, C. difficile sowie auffällige Häufungen von Mikroorganismen. Und wenn es zu Häufungen von Infektionen kommt, macht sich die Krankenhaushygiene direkt vor Ort ein Bild, um zu kontrollieren, ob alle Hygienemaßnahmen eingehalten werden bzw. welche zusätzlichen Maßnahmen wie Aufnahme-Screening, speziell zugeordnetes Pflegepersonal oder Ausweitung von Desinfektionsverfahren notwendig sind. Zusammen mit den Klinikmitarbeitern werden nosokomiale Infektionen gemäß den gesetzlichen Anforderungen erfasst und bewertet (Surveillance). Aufmerksamkeit (Alertness) und entsprechende Handlungsbereitschaft (Preparedness) sollen verhindern, dass Erreger sich unkontrolliert ausbreiten.

Die Überprüfung der hygienischen Aspekte bei invasiven diagnostischen und therapeutischen Eingriffen und in der Pflege wird ebenso von der Krankenhaushygiene durchgeführt wie die Begutachtung von Medizinprodukten, Materialien und Einrichtungsgegenständen unter hygienischen Gesichtspunkten ebenso wie deren ordnungsgemäße Aufbereitung. Überprüft werden auch Desinfektions- und Sterilisationsgeräte sowie die Wasserversorgung und lüftungstechnische Anlagen. Bei Neu- und Umbauten prüft die Krankenhaushygiene die Planung und Ausführung auf Einhaltung hygienischer Vorgaben.

Bei regelmäßigen Begehungen werden die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen in allen Bereichen untersucht. Dazu gehören u. a. Kontrollen der hygienischen und chirurgischen Händedesinfektion, aber auch die Instrumenten- und Flächendesinfektion, insbesondere in Risikobereichen. Strengen hygienisch-mikrobiologischen Kontrollen unterliegen auch die Bereiche, in denen Lebensmittel zubereitet werden.

Die Krankenhaushygiene muss sich insgesamt nicht nur in allen medizinischen Bereichen auskennen, sondern immer auf dem aktuellsten Stand der Wissenschaft sein. Zur Begrenzung der Übertragungsmöglichkeiten wird nach einem Multibarrierensystem vorgegangen. Bereiche oder Tätigkeiten, in oder bei denen es zur Übertragung von Krankheitserregern kommen kann, müssen identifiziert und möglichst schon ausgeschaltet werden, bevor etwas passiert. Dazu berät und unterstützt das Hygieneteam die Mitarbeiter und führt entsprechende Schulungen und Fortbildungen durch.

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Journalist

Dr. med. Bärbel Christiansen

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