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Technology never sleeps!

Elke Moebius, Director EuroShop und EuroCIS und Ulrich Spaan, Senior Vice President EHI Retail Institute über Veränderungen und Chancen des Handels. 

Wir haben tolle stationäre Ladenkonzepte, die dem Kunden ein Erlebnis bieten.

Handel ist Wandel. Genauso wie im Verlauf eines Menschenlebens zeigt sich im Handel alle sieben Jahre eine neue Phase. Im Einzelhandel erfordern diese Phasen aktives Handeln, um erfolgreich zu bestehen. Zur Freude vieler verzeichnet der Einzelhandel in Deutschland steigende Umsätze, auch wenn sich die Vertriebskanäle wandeln: Wurden vor fünf Jahren insgesamt etwas über 450 Milliarden Euro umgesetzt, davon 32 Milliarden Euro aus dem E-Commerce, so liegt die Prognose laut HDE für 2018 bei über 523 Milliarden Gesamtumsatz bei einem Online-Anteil von über 53 Milliarden Euro – die Zehn-Prozent-Marke dürfte demnach in diesem Jahr erstmalig geknackt werden.

„Das Wachstum fußt hauptsächlich in den überproportional wachsenden Umsätzen im E-Commerce“, sagt Ulrich Spaan, Senior Vice President EHI Retail Institute. Woran das liegt, ist unschwer zu erkennen. „Ohne Technologie geht im normalen Leben gar nichts mehr, warum sollte das im Handel anders sein?“ Elke Moebius, Director der Messen EuroShop und EuroCIS, sieht die Digitalisierung als sehr großen Erfolgsfaktor, da sie jede Menge Technologie in den Handel fließen lässt. „Dadurch lassen sich Prozesse nicht nur optimieren, sondern auch individualisieren, personalisieren und intelligent ausrichten. Das sehe ich an der Entwicklung der EuroCIS, die sich in den letzten Jahren sehr konstant und dynamisch nach oben bewegt hat. Die Technologie ist im Handel gar nicht mehr wegzudenken, sie ist der absolute Treiber.“ Als Zugpferde gelten vor allem Fashion und Food.

„Gerade in der Omnichannel-Thematik gibt es allerdings im Fashionbereich mehr Einsatzgebiete von Belang als im Foodbereich“, sagt Ulrich Spaan. Viele Unternehmen hätten die Startlöcher hier bereits hinter sich gelassen und ihre Systeme ausgefeilt und optimiert. „Das ist ein fortlaufender Prozess, der sich mittlerweile auch in der Filiale zeigt. Neben vielen Click & Collect-Zonen wird auch zunehmend das Verkaufspersonal dahingehend geschult, den Omnichannel-Gedanken zu verkörpern und einen Rundumblick auf den Kunden und seine Kaufhistorie zu haben – nicht nur stationär, sondern auch online.“

Dabei hat gerade der stationäre Handel in den letzten Jahren stark aufgeholt. „Wir haben tolle stationäre Ladenkonzepte, die dem Kunden ein Erlebnis bieten“, lobt Elke Moebius. „Hier ist viel Neues entstanden. Und ich glaube, das ist auch der einzige Weg, um nachhaltig zu überleben und sich vom E-Commerce abzusetzen.“ Technologisch sieht die Expertin den Handel in Deutschland allerdings noch nicht wirklich vorne. „Da wünschte ich mir noch mehr Investitionsfreude vonseiten des Handels und auch mehr Mut zum Ausprobieren.“

Gerade Startup-Unternehmen, die auf der letzten EuroCIS erstmals auf eigener Fläche präsentierten, boten sehr spannende Lösungen für den stationären Handel an: eine Scan-Technologie, die den Körper der Kunden anhand von nur zwei selbst per Smartphone gemachten Fotos vermisst, um die richtige Größe anbieten zu können und eine App, die das Schlange stehen an der Kasse durch elektronische Warensicherung und Bezahlen direkt am Produkt überflüssig machen soll. Man kann sich nur wünschen, dass beide Erfindungen bald in Geschäften Einzug halten. „Wir werden die Startup Zone weiter ausbauen und dauerhaft etablieren“, verspricht Moebius. „Denn wir bieten den Gründern damit eine Chance, bekannt zu werden und mit den Händlern in Kontakt zu kommen.“

Um in der Zukunft nicht den Anschluss zu verlieren, müsse jedes Unternehmen in Deutschland an der Digitalisierung partizipieren, so Spaan. „Das bedeutet nicht, dass jeder seinen eigenen Onlineshop und -vertrieb aufziehen muss. Kleineren Händlern kommt hier die Cloudtechnologie zugute. Damit lässt sich sehr innovative Technologie nutzbar machen, ohne selbst investieren und installieren zu müssen. Auch ein Besuch der EuroCIS bringt kleinere Händler bei der Suche nach geeigneten Lösungen weiter.“

Wie wird man zukünftig bezahlen? „Momentan gibt es Google Pay, und Apple Pay wird in Kürze erwartet. WeChat Pay und Alipay können nur asiatische Kunden nutzen. Aber die Anteile all dieser Dienste sind momentan noch sehr gering“, sagt Ulrich Spaan. „Doch wir glauben, dass der Durchbruch bald kommen wird.“ Elke Moebius pflichtet bei: „Irgendwann wird es auch bei uns so weit sein, selbst wenn in Deutschland vielerorts eine diffuse Angst besteht, zu viele Daten preiszugeben – die es in den meisten anderen (europäischen) Länder so nicht gibt.“

Welchen Rat geben die beiden Experten Händlern in Deutschland? Ulrich Spaan: „Ausprobieren, mutig sein, am Puls der Zeit bleiben!“ Elke Moebius: „Besuchen Sie die EuroCIS, denn hier finden Sie die gesamte Palette innovativer Lösungen speziell für den Handel. Technology never sleeps!“

Fakten

Elke Moebius ist in ihrer Freizeit gerne draußen unterwegs, am liebsten mit dem Rennrad oder dem Mountainbike, auch mal gern quer durch die Alpen. Im Winter geht’s dann auf die Bretter ab in den Schnee, aber natürlich darf auch die anschließende Entspannung beim Après-Ski in der Almhütte nicht fehlen.

Ulrich Spaan isst gerne Pasta und Fisch und liebt die asiatische Küche.

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Journalist

Katja Deutsch

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