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Was tun bei Erektionsproblemen?

Meist liegen körperliche Ursachen zugrunde, wenn der Penis nicht so will, wie er soll. Sie lassen sich gut behandeln.

Viele gesundheitliche Probleme lassen sich anfangs ganz gut verstecken, sodass niemand davon etwas mitbekommt. Bei Erektionsproblemen zeigt sich dagegen die nackte Wahrheit im Bett, Vertuschung ist unmöglich. Darüber zu sprechen und sich Hilfe zu suchen, scheint vielen Männern ebenso unmöglich: Zu groß ist die Scham, sich seinem Hausarzt anzuvertrauen und mit einem Überweisungsschein samt Vermerk zum Urologen zu gehen.

Einen einzigen, „richtigen“ Männerarzt gibt es in Deutschland nicht, sondern rund 5000 niedergelassene Urologen (für Männer und Frauen) und ungefähr 18 000 niedergelassene Gynäkologen (rein für Frauen). Über frauenspezifische Erkrankungen und weibliche Sexualität wird viel offener gesprochen und informiert als über die männlichen Pendants. Vielleicht ist das einer der Gründe, weshalb viele Männer „Männlichkeit“ immer noch mit enormer sexueller Leistungsfähigkeit gleichsetzen. Dabei wird die Anzahl derer, die an erektiler Dysfunktion leiden, auf fünf bis sechs Millionen geschätzt. Wenn Lust in Frust umschlägt, ist das Leiden groß.

Von erektiler Dysfunktion spricht man, wenn ein Mann bei mehr als sechs von zehn Mal keine Erektion bekommt oder sie nicht halten kann, und das länger als ein halbes Jahr lang. Laut einer Untersuchung der Universität Köln ist davon unter den 40-bis 49-Jährigen knapp jeder zehnte Mann betroffen, unter den 60 bis 69-Jährigen bereits jeder dritte, doch auch bei den unter 40-Jährigen nimmt das Problem der mangelnden Erektionsfähigkeit aus verschiedenen Gründen zu.

Wer mit seiner mangelnden Standfestigkeit unglücklich ist, sollte sich überwinden und seinen Hausarzt aufsuchen. Er hört zu und überweist in den meisten Fällen zum Urologen, denn oft hat die Störung organische Ursachen wie Arteriosklerose, also Ablagerungen und Verkalkungen der Blutgefäße. Diese Ablagerungen finden sich nicht nur an der Schulter, sondern auch an denjenigen Blutgefäßen, die Penis, Herz und Gehirn versorgen. Kommt keine Erektion zustande, kann dies also ein ernster Hinweis auf Arteriosklerose sein – der Penis als Frühindikator. Das kann der Urologe durch die Doppler-Duplex-Untersuchung schmerzlos prüfen. Bei 70 Prozent aller Erektionsstörungen liegt die Ursache an körperlichen Faktoren wie Veränderungen am Penis, seiner Blutversorgung und seiner Nervenbahnen. Auch übermäßiger Blutausstrom aus dem Penis („venöses Leck“), Verletzungen am Becken, Multiple Sklerose, Hormonstörungen, Bluthochdruck, Leber- und Nierenschäden und vor allem unerkannter Diabetes II können die Standfestigkeit negativ beeinflussen. Alkohol- und Drogenmissbrauch spielen ebenfalls eine Rolle.

Kommt die Erektion nur bei Selbstbefriedigung, aber nicht beim partnerschaftlichen Sex zustande, liegen meistens psychische Gründe vor. Starke berufliche Anspannung, Leistungsdruck in der Beziehung, Unzufriedenheit, sexuelle Eintönigkeit oder noch nicht geklärte sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität können der Grund dafür sein. Auch bei depressiv Erkrankten fehlt häufig sexuelles Interesse.

Was kann der Urologe tun? Tabletten, Spritzen, Vakuumpumpen, transurethrale Therapie, Hormonbehandlung und Penisimplantat sind Möglichkeiten, das Problem in den Griff zu bekommen. Oft wird dabei unterstützend Psychotherapie eingesetzt.

Tabletten mit den Wirkstoffen Sildenafil, Tadalafil und Vardenalfil sollten etwa eine halbe bis eine Stunde vor der geplanten sexuellen Aktivität eingenommen werden. Das aus der Rinde eines afrikanischen Baumes gewonnene Yohimbin soll ebenfalls die Erektion verstärken, muss aber regelmäßig eingenommen werden und wirkt nicht bei allen Betroffenen. Eine sehr effektive Hilfe ist das Einspritzen eines Medikaments in den Penisschwellkörper. Diese SKAT-Therapie wirkt nach 15 Minuten und hält eine Stunde an. Bei Vakuumerektionshilfen wird der Penis in einen Plexiglaszylinder eingeführt, aus dem die Pumpe die Luft absaugt. Dadurch füllt sich der Penis mit mehr Blut und erigiert. Um das eingeströmte Blut darin zu halten, wird ein Spannungsring über den Penis gestülpt, der nach einer halben Stunde entfernt werden sollte.

Eine weitere Möglichkeit ist die MUSE-Behandlung, bei der reiskorngroße Mikrozäpfchen mittels Applikator in die Harnröhre eingeführt werden, wo sie schmelzen und durch die Wand der Harnröhre in den Schwellkörper gelangen. Spricht der Wirkstoff an, zeigt sich nach zehn Minuten eine Erektion. Auch Penisimplantate sind eine Option: Semirigide oder hydraulische Implantate bleiben dauerhaft im Geschlechtsteil und helfen bei der Erektion.

Manchmal bedeutet körperliche Ursache auch schlichtweg ein Mangel an Testosteron – der recht einfach behoben werden kann. Hat der Mann schwere Versagensängste oder eine sehr konfliktreiche Beziehung, ist eine kurze Psychotherapie sinnvoll. Wer sich also traut, seinen Arzt zu fragen, gewinnt: Gesundheit, Spaß am Sex und Lebensfreude.

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Journalist

Katja Deutsch

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