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Personalfluktuation und Fachkräftemangel prägen den Arbeitsmarkt – Unternehmen fällt es schwer, gutes Personal zu finden UNTERNEHMERTUM

Wege aus dem Dauerzustand Fachkräftemangel

Das alte Problem verstärkt sich, weil die Babyboomer in Rente gehen. Unternehmen haben es immer schwerer Spezialisten für wichtige Stellen zu finden.

Als guter Arbeitgeber zu gelten, hilft bei der Akquise von Fachkräften.   

Schon lange gibt es das Wort Fachkräftemangel im deutschen Sprachgebrauch. Immer wieder mal hörte man es besonders oft und gerade jetzt beschreibt es erneut den wunden Punkt der deutschen Wirtschaft: Handwerksbetriebe, Unternehmen und Behörden haben Probleme, ausgebildete Spezialisten zu rekrutieren.

So meldet das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWI), "dass schon heute die Wirtschaftsleistung ohne Fachkräftemangel noch höher wäre." Und dass das Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre nur möglich war, weil bereits ausgebildete Arbeitskräfte aus anderen EU-Staaten nach Deutschland gezogen sind.

Im Vergleich der Landesteile sind die südlichen Bundesländer am stärksten von dem Engpass auf dem Arbeitsmarkt betroffen. Die größte Zunahme des Fachkräftemangels habe es allerdings in Thüringen gegeben.

Das könnte erst der Anfang sein: Weil zurzeit die geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter kommen und der Wirtschaft als Arbeitskräfte nach und nach fehlen werden, kann sich das Problem demnächst verstärken.

Die BMWI-Studie beschreibt die Arbeitsmarktsituation als sich "verfestigender Fachkräftemangel". Ein neuer Grund ist die aktuelle Wohnraumsituation: Weil es schwer ist, Wohnungen zu mieten oder zu kaufen, rentiert es sich für Fachkräfte oft nicht, in anderen Städten neue Arbeitsplätze anzutreten, selbst wenn sie besser bezahlt sind. Die Gehaltsunterschiede würden die neuen Wohnkosten meist nicht ausgleichen.

Der Fachkräftemangel zwingt Arbeitgeber dazu, neue Methoden bei der Personalbeschaffung zu nutzen. So wie das Wort Fachkräftemangel gängig wurde, folgte ihm in den Personalabteilungen der Unternehmen der Ausdruck Employer Branding. Der Begriff fasst die Möglichkeiten zusammen, die Arbeitgeber haben, um die von ihnen zu besetzenden Stellen attraktiv zu machen. Dabei ist, das zeigen Studien, das Image der Firma fast so wichtig wie das Gehalt: Als guter Arbeitgeber zu gelten, hilft bei der Akquise von Fachkräften. Hinzu kommt: Wer als Unternehmen Personalfluktuation vermeiden kann, ist von dem Problem erst Mal weniger betroffen und wer ausbildet, kann sich die Nachfolger für die in Rente gehenden Spezialisten heranziehen.

Noch werden in Deutschland 45 Prozent aller neuen Arbeitsverträge befristet. Die Zahl dürfte sich aber wegen des Fachkräftemangels verringern, da unbefristete Verträge Stellen für Mitarbeiter attraktiver machen.

Eine Studie der Industrie und Handelskammern nennt weitere Möglichkeiten, wie Unternehmen dem Fachkräftemangel begegnen können. Weiterbildung gehört ebenso zu den Maßnahmen die Mitarbeiter zum Bleiben motivieren oder anzulocken wie flexible Arbeitszeiten und Gesundheitsförderung. Wenn Mitarbeiter länger fit sind, gehen sie später in Rente. Flexible Arbeitszeiten helfen, Frauen als Arbeitskräfte zu halten. Die Rückkehr nach der Elternzeit wird in Studien als Knackpunkt beschrieben. Klar ist, Frauen als Fachkräfte könnten für Unternehmen einen größeren Stellenwert bekommen, weil ihre Beschäftigungsquote noch unter der von Männern liegt. Hier ist also noch Potenzial.

Fakten

Die Alterung der Gesellschaft verstärkt die Engpässe im Fachkräftebereich. Laut Prognosen sinkt die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 20 und 65 Jahren in Deutschland von heute knapp 50 Millionen bis ins Jahr 2030 um 3,9 Millionen. 2060 werden 10 Millionen weniger Menschen arbeiten können als heute.

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Journalist

Christian Litz

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