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Fachkräftemangel als Wachstumsbremse

In der Logistikbranche fehlen Fachkräfte in dramatischem Ausmaß. Das schränkt Transportkapazitäten ein. In der Lager-
haltung sieht es kaum besser aus. 

Es ist kein Geheimnis, dass sich der Fachkräftemangel in der Transport- und Logistikbranche zu einer Wachstumsbremse entwickeln kann. Besonders die Spediteure bekommen das zu spüren, fehlen dort inzwischen doch mehr als 10.000 Fahrzeugführer, allen voran die LKW-Fahrer. Und eine Verbesserung der angespannten Lage ist kaum zu erwarten. Es geht um Personal mit hohen Qualifikationen und einem nicht immer attraktiven Arbeitsalltag. Um Fachkräfte, denen eine hohe Einsatzbereitschaft abverlangt wird und denen die Karriere- und Aufstiegsmöglichkeiten in ihrer Branche viel zu wenig bekannt sind. 

Was sind die Gründe für den Fachkräftemangel und wie ist die Stimmung in der Branche angesichts der alarmierenden Zahlen? Die Mehrheit der Unternehmen sieht den Geschäftserfolg bedroht und erwartet auch in den kommenden Jahren wenig Besserung. Es sind die Logistikdienstleister, die die Folgen am härtesten zu spüren bekommen. Die meisten Fachkräfte fehlen nun einmal in den Bereichen IT, Fahrzeugführer sowie den Bereichen Disposition und Lager. 

Dass gerade im Transportwesen so viele Arbeitskräfte fehlen, ist in Deutschland auch etwas hausgemacht. Der Beruf des LKW-Fahrers etwa setzt hohe Zugangshürden. Allein die Beschaffung eines LKW-Führerscheins ist ein teures Vergnügen. Und mittlerweile springt ja auch die Bundeswehr nicht mehr in die Bresche, wo man den Schein während der Wehrpflicht früher problemlos erwerben konnte. Fachkräfte müssen außerdem verpflichtend Zusatzqualifikationen für gewerbliche Transporte vorweisen.

Die Logistikbranche steuert gegen, wo sie nur kann. Sie arbeitet an Unternehmensleitbildern und bemüht sich, den Herausforderungen der Migration mit multikulturellen Trainings entgegenzutreten. Einige Unternehmen bieten zudem Kurse mit dem Abschluss „Fachkraft für Lagerlogistik“ an. 

Ein wenig muss sich die Logistkbranche aber auch an die eigene Nase fassen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln ist der Ansicht, dass von den einzelnen Branchen wohl nur jede zweite offene Stelle bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern gemeldet wird. Außerdem werden von den Unternehmen Speditionskaufleute und Logistikspezialisten weit weniger ausgebildet, als benötigt werden. 

Wie die Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services in ihrer Studie „Top 100 der Logistik 2018/2019“ konstatiert, sind weiterhin „wichtige trendbeeinflussende Themen der nächsten Jahre der Fachkräftemangel an Fahrern und in den Lägern, die Produktivitätssteigerung auf der letzten Meile der Sendungsauslieferung sowie die Entwicklungen im internationalen Handelsgeschehen unter dem Aspekt der Globalisierung. Hier ist die Dynamik durch den Brexit und die Strafzoll-Politik der US-Regierung derzeit hoch, was zu entsprechenden Unsicherheiten bei den Unternehmen führt.“

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Journalist

Helmut Peters

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