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Hauke Kahlcke, Vorstand des Deutschen Factoring-Verbands MANAGEMENT

Factoring auf dem Vormarsch

Immer mehr Unternehmen vertrauen auf Factoring. Vor allem der Mittelstand schätzt die Finanzierungsform zunehmend.

Die Regulierung nimmt zu. Das ist vom Prinzip her richtig. Aber es sollten für alle Anbieter, die Forderungen finanzieren und absichern, die gleichen Regeln im Wettbewerb gelten.   

Viele Unternehmen und auch Selbstständige kennen das Problem: Nachdem sie ihre Waren ausgeliefert oder ihre Dienstleistungen erbracht haben, lässt der Zahlungseingang auf sich warten. Das so gebundene oder im schlimmsten Fall des Zahlungsausfalls „verlorene“ Kapital stellt Firmen immer wieder vor extreme Herausforderungen: Laufende Kosten können teilweise nicht mehr beglichen oder geplante Investitionen müssen erst einmal auf die lange Bank geschoben werden. Factoring kann das verhindern.

Das Prinzip des Factorings ist einfach: Unternehmen verkaufen ihre Geldforderungen aus Warengeschäften oder Dienstleistungen an eine Factoring-Gesellschaft. Innerhalb von ein bis zwei Tagen überweist dann der Factor nach Abzug einer Gebühr zwischen 80 bis 100 Prozent des Rechnungsbetrags aufs Konto. Den gegebenenfalls einbehaltenen Anteil, den so genannten Sicherheitseinbehalt, erhalten Unternehmen, sobald ihr Kunde die offene Rechnung komplett beglichen hat. „Der Factor prüft fortlaufend die Bonität der Abnehmer und übernimmt im Rahmen eines vereinbarten Limits das volle Ausfallrisiko. Diese Form der Finanzierung wächst quasi automatisch mit eventuell steigenden Umsätzen des Unternehmens“, sagt Hauke Kahlcke, Vorstand des Deutschen Factoring-Verbands. Neben der sofortigen Umwandlung von bloßen Forderungen in Liquidität und einem umfassenden Schutz vor Forderungsausfällen bietet Factoring außerdem – falls gewünscht – die Übernahme des Forderungsmanagements, inklusive Mahn- und Inkassowesen für den Kunden. „Die Auslagerung des Forderungsmanagements sorgt für administrative Entlastung, die gerade in mittelständischen Unternehmen oftmals nötig ist. Zudem verkürzt der Verkauf von Forderungen die Bilanz und führt zu besseren Bilanzkennzahlen. Dies ist ein immer wichtiger werdendes Argument gegenüber Banken in Zeiten von Basel III“, so Hauke Kahlcke weiter.

Es verwundert also nicht, dass Factoring in mehr als 30 Branchen bereits eine gern genutzte Form der Unternehmensfinanzierung ist. Der Factoringmarkt teilt sich in Anbieter für Groß- und Kleinkunden auf. Die Umsätze der Mitglieder des Deutschen Factoring-Verbandes stiegen in den letzten 20 Jahren kontinuierlich an, allein im ersten Halbjahr 2018 um fast fünf Prozent auf 118,8 Milliarden Euro. Wachstum gab es insbesondere bei „small tickets“ im B-to-C-Bereich, bei der Wareneinkaufsfinanzierung und im Segment der Onlineshops. „Derzeit häufen sich die Anzeichen für eine Eintrübung der Konjunktur. Wenn es mit der Wertschöpfung in einem zunehmend unsicheren wirtschaftlichen Umfeld bergab geht, geht es mit dem Factoring bergauf. Und der Markt ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft“, bilanziert Hauke Kahlcke, der im Factoring als alternative Form der Unternehmensfinanzierung vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen großes Potenzial sieht.

Weiter berichtet er, dass die Digitalisierung der Services weiter voranschreitet. Dies gelte auch für die Verknüpfung von Geschäftsmodellen mit entsprechenden Finanzierungsprodukten. Trotz aller Euphorie ist das Thema Regulierung nach wie vor eine Herausforderung für die Branche: „Die Regulierung nimmt zu. Das ist vom Prinzip her richtig. Aber es sollten für alle Anbieter, die Forderungen finanzieren und absichern, die gleichen Regeln im Wettbewerb gelten.“

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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