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Damit die Schokolade auch fair schmeckt

Nachhaltigkeits-Siegel auf Schokolade versprechen: Keine Kinderarbeit, Schonung der Umwelt, sichere Arbeitsbedingungen, keine Rodung und einiges mehr.

2018 war in Deutschland 55 Prozent des Kakaos in Süßwaren als fair zertifiziert.

Nachhaltig angebauter und geernteter Kakao spielt eine immer größere Rolle. In Deutschland stieg der Anteil des mit entsprechenden Siegeln gehandelten Kakaos in den vergangenen Jahren stetig. 2018 enthielten 55 Prozent aller verkauften Süßwaren mit Kakao, welchen, der aus kontrolliertem Anbau stammt. Das meldet der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie. 

Es gibt viele Siegel und Kriterien. Bei einigen geht es um Soziales. Weil die meisten Kakaobohnen in Afrika geerntet werden und die Arbeitsbedingungen dort oft nicht denen in der europäischen Landwirtschaft entsprechen. Die Landwirte müssen nachweisen, dass auf ihren Plantagen Arbeitsschutzbedingungen eingehalten werden und keine Kinder arbeiten. Das kontrollieren meist Non-Profit-Organisationen.

Zweitens müssen ökologische Vorgaben erfüllt werden, bevor Kakao ein Nachhaltigkeits-Siegel bekommen kann. Dabei geht es um Rodung von Urwäldern und um Monokulturen, die den Boden auslaugen. Hier spielt eine Rolle, dass der Kakaobaum eigentlich gut im Schatten großer Bäume im Urwald wächst. Es wäre also nicht nötig, Urwald zu roden, um Kakaobäume zu pflanzen. In der Vergangenheit wurde das jedoch oft gemacht, weil Monokulturen die Arbeit erleichtern. Was aber den Boden auslaugt. 

Manche Kakao-Siegel werden von Organisationen vergeben, die nach eigenen Angaben mit knapp einer Million Farmern zusammenarbeitet. Die hohe Zahl kommt Zustande, weil in Afrika, vor allem an der Elfenbeinküste, dem größten Kakaoproduzenten der Welt, viele kleine Anbauer in Genossenschaften organisiert sind. Was die Kontrolle erleichtert. Denn die Genossenschaftsorganisation selbst kontrolliert schon ihre Mitglieder. Zu den Auflagen zählen: Gute Agrarpraxis, gutes Farmmanagement, sichere und gesunde Arbeitsbedingungen, keine Kinderarbeit und Schonung der Umwelt. 

Nachhaltigkeits-Siegel können neben den Bauern auch andere an der auf die Ernte folgenden Wertschöpfungskette beteiligten Firmen erwerben, also Zwischen-Händler, Speditionen, Reedereien, Lagerhäuser, Hersteller, Groß- und Einzel-Händler. Zwischen der Kakao-Bohne und der Schokoladentafel im Supermarkt liegen manchmal Ketten von bis zu zehn Beteiligten, die alle mitverdienen. Nach der Ernte wird die Kakao-Bohne zu Kakao-Masse verarbeitet, die dann zu Kakao-Butter oder Kakao-Pulver. Aus denen wird das Endprodukt hergestellt. Theoretisch können alle Schritte von den Zertifizierungs-Organisationen überprüft werden. 

Viele Zertifizierungs-Organisationen legen inzwischen Wert darauf, dass nicht mehr so viele Zwischenhändler beteiligt sind. Der Hintergedanke: je weniger, desto mehr bleibt am Ende beim Kakaoanbauer in Indonesien, Brasilien oder an der Elfenbeinküste. Andere Zertifizierer vergeben Prämien an Kakao-Anbauer, wenn die gute Qualität ernten. Viele Siegel-Organisationen schulen und fördern die Landwirte auch.

Fakten

Laut World Cacoa Foundation, einem Zusammenschluss von Lebensmittelherstellern, haben in Ghana und der Elfenbeinküste, die 65 Prozent aller Kakaobohnen der Welt ernten, Farmer 13 Prozent beziehungsweise 17 Prozent des dortigen Regenwalds von 2001 bis 2017 abgeholzt. Alleine bis 2007 2,3 Millionen Hektar. 

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Journalist

Christian Litz

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