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Die Nachfrage nach fairem Handel hat stark zugenommen

Wer die Qual der Wahl zwischen 50 Kaffeesorten hat, ist oft froh, wenn er auf einigen Verpackungen eine bekannte Zertifizierung entdeckt. Seit Jahren zeigt das Fairtrade-Siegel in Supermarktregalen auf der ganzen Welt, dass das damit aus-gezeichnete Produkt nach Fairtrade-Standards angebaut und gehandelt wurde. Ob Kaffee, Kakao, Bananen oder anderes, das Fairtrade-Siegel ist eine Zertifizierung, die Handel wie Handeln verändert.

Gerade der kleinbäuerliche Anbau funktioniert deutlich biodiverser als der großflächige Plantagenanbau.

Hartwig Kirner, Geschäftsführer Fairtrade Österreich, Foto: Presse

Das Regelwerk, das kleinbäuerliche Genossenschaften, Plantagen und Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette einhalten müssen, umfasst etliche soziale, ökologische und ökonomische Kriterien, um den Produzentenorganisationen in Entwicklungs- und Schwellenländern ein vom Marktpreis ihrer Rohstoffe unabhängiges, festes und sicheres Einkommen zu generieren. „Die Vorteile für die Kleinbauern sind vor allem ökonomischer Natur“, sagt Hartwig Kirner, Geschäftsführer Fairtrade Österreich. „Denn die Bauern bekommen immer zumindest einen fest verhandelten Mindestpreis. Fällt der Marktpreis unter diesen Preis, federn wir das ab, steigt er, bekommen sie natürlich den höheren Preis. Zudem erhalten die Genossenschaften die Fairtrade-Prämie.“

Der Geschäftsführer hat schon sehr früh, vor ca. 30 Jahren, in Stockerau einen Weltladen ins Leben gerufen. Irgendwann entstand daraus das Ziel, fair gehandelte Produkte auch im Supermarkt anbieten zu wollen und somit besseren Handel zu etablieren. Neben den ökonomischen Faktoren, hilft Fairtrade auch bei der Organisation genossenschaftlicher Strukturen im Hinblick auf Finanzierung und der Ausbildung der Kleinbauern in Agro-Technik. „Genossenschaften gibt es in allen Größen, von wenigen Hundert Mitgliedern bis hin zu Zehntausenden“, sagt Hartwig Kirner. „In Ghana haben wir eine Kakao-Initiative mit 50.000 Mitgliedern – wobei jeder einzelne Bauer bzw. jede einzelne Bäuerin im Durchschnitt nur etwa einen Hektar Land besitzt. Und gerade der kleinbäuerliche An-bau funktioniert deutlich biodiverser als der großflächige Plantagenanbau.“ 

Üblicherweise bewerben sich die Genossenschaften um die Mitgliedschaft bei Fairtrade, doch im Moment ist das Ziel, den bestehenden Kooperativen eine höhere Abnahme ihrer Fairtrade-Ernte zu garantieren und nicht die Aufnahme immer neuer Kooperativen. Die wichtigsten Vorgaben an die Bauern sind der Nachweis demokratischer Strukturen, Transparenz in der Entscheidung, wozu die Fairtrade-Prämie verwendet wird, die Einhaltung arbeitsrechtlicher Standards und bestimmte ökologische Kriterien. So hat Fairtrade International eine dreifarbige Ampel für Düngemittel erarbeitet und fordert ein Wasserwirtschaftsmanagementsystem. „Unsere ökologischen Standards sind sehr hoch, doch Fairtrade bedeutet nicht automatisch Bio“, sagt der Geschäftsführer. Dennoch sind die Fairtrade-Standards relativ umfangreich: Die unabhängige Organisation FLOCERT kontrolliert global die Fairtrade-Lieferketten sowie sämtliche Handelsstufen bis das Produkt verpackt im Supermarkt landet. 

Kirner: „Wir haben in Österreich eine sehr hohe Bekanntheit und extrem hohe Vertrauens- und Sympathiewerte. Ich würde mir wünschen, dass viele Unternehmen ihre Verantwortung noch stärker wahrnehmen. Gerade jetzt in der Pandemie sehen wir, dass Nachhaltigkeit, Regionalität, Biolandbau und fairer Handel extrem an Bedeutung zugenommen haben.“

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Journalist

Katja Deutsch

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