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Frank Thelen, Gründer und Geschäftsführer der Freigeist Capital GmbH UNTERNEHMERTUM

„Ich will einen Weltmarktführer aufbauen“

Startup-Investor Frank Thelen hat noch viel vor. Groß zu denken, das ist sein Ding. Einem breiten Publikum bekannt wurde er durch die TV-Show "Die Höhle der Löwen".

Ich sehe rot, wenn der Zehn-Jahres-Masterplan noch nicht einmal angedacht ist.   

Mit gerade einmal 18 Jahren gründete Frank Thelen sein erstes Unternehmen. Mit 22 Jahren sammelte er 1,4 Millionen Mark Wagniskapital ein, um einen Linux-basierten Router zu entwickeln und zu vertreiben, der lokale Netzwerke mit dem Internet verbindet. Das Unternehmen musste im Zuge des Zusammenbruchs der Dotcom-Blase schließlich Insolvenz anmelden: Mit 25 stand Frank Thelen somit vor dem Ruin – für die meisten Startups die Hölle. Thelen jedoch ließ sich nicht aufhalten, legte danach erst richtig los und wurde zu einem der erfolgreichsten Startup-Unternehmer und Investoren Europas. Was in der Szene abgeht, beobachtet er mit Argusaugen. „Die Startup-Szene professionalisiert sich immer mehr. Es gibt mittlerweile eine breite Basis an Investoren und Gründern. Zudem sind die Anliegen der Gründer endlich bei der Politik und in der breiten Öffentlichkeit angekommen“, bilanziert der mittlerweile 43-Jährige, der grundsätzlich alle Menschen duzt (auch Prinzen!). Sehr froh ist er insbesondere darüber, dass mehr Wagniskapital verfügbar sei, auch wenn dies gegenüber den USA oder China ein „Kindergeburtstag“ sei. „Wir müssen also weiter und noch mehr Gas geben, um nicht den Anschluss zu verlieren“, warnt Frank Thelen.

Ein Herzensprojekt treibt ihn derzeit so sehr an, dass er sich aus der Show „Die Höhle der Löwen“ derzeit etwas zurückzieht. Thelen will einen globalen Technologie-Champion mit internationaler Relevanz aufbauen. „Nach SAP ist in Deutschland nichts wirklich Großes nachgekommen, das will ich ändern“, gibt sich der Bonner kämpferisch. Potenzial sieht er zum Beispiel im Berliner Blockchain-Startup Neufund und im Münchner Startup Lilium, das schon in wenigen Jahren mit einem senkrecht startenden Elektro-Flugtaxi so richtig abheben will. Klar, dass Thelen sich an beiden Unternehmen beteiligt hat. Ein kommender globaler Player könnte in seinen Augen auch das Saarbrücker Startup Kraftblock sein. Deren Speichermodule sind in der Lage, die Sonnen- und Windenergie zu speichern und in Strom, Wärme und Kälte umzuwandeln. Kraftblock könne das Thema „grüne Energie“ weltweit voranbringen und zu einem Unternehmen werden, das irgendwann Milliardenumsätze mache, prognostiziert der „Startup-Botschafter der Nation“, der stets eine langfristige Anlagestrategie verfolgt und nicht auf schnelle Exits aus ist.

Bei aller Euphorie und positivem Denken gibt es natürlich auch Dinge, die Thelen so richtig auf die Palme bringen können. Dazu gehören zum Beispiel Gründer, die in den ersten Aufbaujahren nicht wirklich bereit sind, hart zu arbeiten. „Insbesondere wenn man Investoren an Bord hat, muss man die Sache ernst nehmen und viel Zeit in die Produktentwicklung stecken. Da bleibt dann keine Zeit für ausgiebige Urlaube oder zeitintensive Hobbies“, so Thelen. Genervt ist er auch von männlichen Typen, die im Business immer wieder das „Alpha-Tier“ raushängen lassen. Außerdem kann er sich darüber aufregen, wenn Startups nicht groß denken und ihre Unternehmen alles andere als langfristig und tiefgründig starten. „Ich sehe rot, wenn der Zehn-Jahres-Masterplan noch nicht einmal angedacht ist“, gibt Thelen zu. Ein Dorn im Auge ist ihm auch die Tatsache, dass vergleichsweise wenige Frauen den Mut zum Gründen haben. Dabei sei es erwiesen, dass reine Frauenteams oder aber gemischte Teams sehr viel erfolgreicher am Markt seien. Daher gelte es, mehr Frauen für die naturwissenschaftlich ausgerichteten MINT-Berufe zu begeistern.

Die Zeit für das Interview läuft allmählich ab. Thelen hat gleich einen Termin im Kanzleramt. Abends steht er dann mit Barack Obama („ein Meister im Public Speaking“) auf der Bühne. Sein Leben, das sich durch „Die Höhle der Löwen“ stark verändert hat, verläuft im 15-Minuten-Takt. Letzte Frage: Frank, wie viel arbeitest du eigentlich selbst? Die Antwort: „50 bis 60 Stunden pro Woche. Aber ich merke, dass auch ich an meine körperliche Leistungsgrenze komme.“ Sprach’s und verabschiedet sich freundlich: Es gibt viel zu tun und einen Herrn Minister Altmaier lässt man schließlich nicht warten.

Fakten

Frank Thelen (Jahrgang 1975), Gründer und Geschäftsführer der Freigeist Capital GmbH, lebt in Bonn. Seine Vorbilder sind Elon Musk, Steve Jobs und Jeff Bezos. Im August 2018 erschien im Murmann Verlag seine Autobiografie mit dem Titel „Startup-DNA. Hinfallen, aufstehen, die Welt verändern.“

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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