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Michael Franke und Katrin Bornberg, Geschäftsführende Gesellschafter von Franke und Bornberg INVESTMENTS

„Wir legen Wert auf Verbindlichkeit und Transparenz“

Ratings von Versicherungsprodukten werden immer wichtiger.

Frau Bornberg, im Internet gibt es eine Reihe von Portalen, die Preisvergleiche zu Versicherungen bieten. Wie unterscheidet sich Ihre Arbeit von diesen Portalen?

Versicherungsverträge enthalten eine Menge komplizierter Regelungen. Die meisten wurden von Juristen formuliert. Spätestens im Leistungsfall möchte jeder gut versichert sein. Daher übersetzen unsere Analysten das Kleingedruckte für Verbraucher und Vermittler. Hier zählt jedes Detail. Im Unterschied zu Vergleichsportalen sind wir keine Versicherungsvermittler, sondern neutrale Experten mit dem Anspruch: Wir wollen Qualität sichtbar und vergleichbar machen. Damit schaffen wir ein Gegengewicht zu oberflächlichen (Preis-)Vergleichen. Ein Vertrag kann noch so günstig sein – wenn die Leistung nicht stimmt, ist er objektiv zu teuer.

Unsere Angebots- und Vergleichssoftware fb>xpert richtet sich an Versicherungsprofis. Sie liefert neben den Prämien eine fundierte Qualitätsbewertung. Dafür nutzen wir unseren Datenschatz von über 90.000 aktuellen wie historischen Tarifen. „Bin ich richtig versichert?“ Auch auf diese häufige Frage liefern unsere digitalen Tools die passenden Antworten.

Herr Franke, auf welcher Basis erstellen Sie die Analysen? Und wie viele Kriterien legen Sie dabei zu Grunde?

Wir prüfen sämtliche Aspekte selbst und legen Wert auf Verbindlichkeit. Quellen für unsere Produktratings sind die Versicherungsbedingungen sowie gegebenenfalls weitere verbindliche Informationen, Geschäftsberichte sowie per Stichprobe verifizierte Daten. Demgegenüber bleiben Erklärungen und Auslegungen der Versicherer, Selbstauskünfte sowie werbliche Veröffentlichungen, die keinen Rechtsanspruch begründen, außen vor.

Versicherungsprodukte sind unterschiedlich komplex. Wir bewerten grundsätzlich alle Unterschiede der Produkte und ziehen dafür bis zu 400 Kriterien je Produkt bei der Bewertung heran. Dieser Aufwand ist deutlich höher als bei den meisten Vergleichen, aber er lohnt sich, denn wir finden jede Schwachstelle. Schließlich trägt mehr Transparenz zu Verbraucherschutz und einem fairen Wettbewerb bei. Zudem konnten wir beobachten, dass unsere Ratings im Laufe der Zeit verlässliche Qualitätsstandards im Markt etablieren. Standards stärken das Interesse bei Verbrauchern und fördern ihr Vertrauen in das Produkt.

Wenn Sie ein Rating, also eine Bewertung für ein Produkt, durchgeführt haben, dann muss diese mit den Bewertungen anderer Produkte vergleichbar sein. Wie sieht Ihre Systematik aus?

Wir untersuchen permanent alle am Markt präsenten Produkte. Die in den Produkten vorhandenen Regelungen unterziehen wir einem Benchmarking im Rahmen einer Skala von Null bis 100, d. h. die aus Versichertensicht aktuell günstigste Regelung. Die Gesamtqualität eines Versicherungsproduktes bildet sich aus der Summe der Bewertungspunkte, die entsprechend ihrer Bedeutung für Versicherte mit Gewichtungen versehen sind. Abschließend setzen wir das Ergebnis in eine F-Bewertung um. Diese reicht von FFF+ (hervorragend) bis F- (ungenügend). Zusätzlich wird das Ergebnis um eine Schulnote ergänzt, die auch Detailunterschiede erkennbar macht. Bevor wir eine Gesamtbeurteilung über ein Produkt abgeben, haben wir es also genauestens durchleuchtet. Jedes Produkt wird diesem Prozess unterzogen, so dass eine Vergleichbarkeit entsteht.

Frau Bornberg, auf dem deutschen Versicherungsmarkt gibt es eine fast nicht mehr überschaubare Zahl von Berufsunfähigkeitstarifen (BU). Doch wie findet man als Kunde heraus, welche Versicherung die richtige ist? Und gibt es möglicherweise Alternativen?

An Qualität mangelt es hier nicht. Die BU hat in den letzten 25 Jahren ein nahezu unschlagbares Qualitätsniveau erreicht. Dazu haben wir schon seit unserem ersten Rating ab 1995 beigetragen. Eine Top-BU aus den 2000er-Jahren würde heute im Bedingungsvergleich auf den hinteren Rängen landen. Neben der Qualität ist heute entscheidend, ob man sich diesen wichtigen Schutz überhaupt leisten kann. Gerade risikoreiche Berufe wie Tischler und Dachdecker können sich die BU in ausreichender Höhe schlichtweg nicht mehr leisten. Hier sind Alternativen gefragt, angefangen bei der Erwerbsunfähigkeitsversicherung über die Grundfähigkeitsversicherung bis zur Absicherung schwerer Krankheiten.

Wenn es um Leistungen geht, stehen Versicherungen häufig in der Kritik. Bei Sonnenschein leihen die Gesellschaften einem einen Schirm, und bei Regen wollen sie diesen zurück, heißt es. Was raten Sie Versicherungskunden?

Wird eine Leistung beantragt, schlägt die Stunde der Wahrheit. Wir raten jedem, schon bei Abschluss eines Vertrags auf die Qualität und nicht nur auf den Preis zu achten. Das Gespräch mit einem qualifizierten Berater ist immer hilfreich. Gerade beim Thema BU ist auch der Blick in unsere Leistungspraxisstudie nützlich. Einige Unternehmen zeigen sich auch im Leistungsfall kundenorientiert. Damit der Überblick nicht am Geldbeutel scheitert, stellen wir alle Ratingergebnisse auf unserer Internetseite www.franke-bornberg.de/ratings kostenlos bereit.

Fakten

Die Franke und Bornberg GmbH in Hannover analysiert und bewertet seit 1994 Versicherungsprodukte und Versicherungsunternehmen – unabhängig, kritisch und praxisnah. Sie zählt zu den führenden Versicherungsanalysten im deutschsprachigen Raum. Die Franke und Bornberg Research GmbH setzte als Insurtech von Beginn an auf Onlinetechnologie und entwickelt zukunftsweisende kundenorientierte Beratungs- und Vergleichsprozesse und digitale Werkzeuge. Das Unternehmen ist inhabergeführt, fachlich und wirtschaftlich unabhängig und beschäftigt mittlerweile mehr als 110 qualifizierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

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Journalist

Frank Tetzel

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