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Toni Cathomen, Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin und Gentherapie am Universitätsklinikum Freiburg HEALTHCARE

Gentherapie – Erfolgschancen und Ethik

In den vergangenen Jahren gab es große Erfolge beim Einsatz der Gentherapie gegen Krebs und andere Krankheiten. Doch es gibt noch viele Probleme.

Das Schüren verfrühter Hoffnung ist gefährlich.

Wenn Toni Cathomen auf das Versprechen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, dass Krebs-Erkrankungen in zehn bis 20 Jahren besiegbar seien, angesprochen wird, reagiert er zurückhaltend. „Solche Aussagen halte ich für gefährlich, denn sie schüren Hoffnungen, die wir nicht erfüllen können“, sagt der Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin und Gentherapie am Universitätsklinikum Freiburg und international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Gentherapie. Denn tatsächlich stehe die Forschung noch vor vielen Problemen, die noch nicht gelöst seien. Cathomen selbst forscht auf drei Gebieten: den CAR-T-Zellen gegen solide Krebserkrankungen wie Prostatakrebs, der Gentherapie bei HIV-Infektion sowie bei schweren Immundefekten.

Gleichwohl haben Wissenschaftler wie Cathomen in den vergangenen fünf bis zehn Jahren große Fortschritte beim Einsatz der Gentherapie gegen als unheilbar geltende Krankheiten gemacht. Das gilt sowohl für verschiedene Krebserkrankungen, HIV-Infektion, als auch besonders für Erberkrankungen. Bei einer Ex-vivo-Gentherapie wird das Erbgut von Patientenzellen außerhalb des Körpers verändert, indem sie dem Patienten entnommen, genetisch verändert, vermehrt und anschließend wieder dem Körper zugeführt werden. Möglich ist es auch, eine solche Veränderung direkt im Körper des Patienten durchzuführen.

„Bei Erberkrankungen ist die Behandlung mittels Gentherapie einfacher als bei Krebs“, erklärt Cathomen. Denn in diesen Fällen ist bekannt, welche genetischen Defekte die Krankheit verursachen. „Krebserkrankungen dagegen sind sehr komplex“, so Cathomen. Bei ihnen liegt das Problem darin, dass das körpereigene Immunsystem Tumorzellen nicht erkennt und sie daher zu wuchern beginnen. Bei der Immunzelltherapie geht es darum, bestimmte Zellen des Immunsystems genetisch so zu verändern, dass sie Krebszellen erkennen und zerstören können. Bei dieser Art der Gentherapie kommen ganz bestimmte Zellen zum Einsatz, die sogenannten T-Zellen. Sie werden vom behandelten Arzt zu „CAR-T-Zellen“ verwandelt. Das „CAR“-Molekül bildet auf den T-Zellen eine Antenne aus, mit der Krebszellen erkannt und anschließend angegriffen werden können.

„Gerade wenn es um Krebs geht, darf man trotz solcher Erfolge bei der Therapie von Blut- und Lymphdrüsenkrebs nicht vergessen, dass die Gentherapie nur ein neues Instrument im Werkzeugkasten ist, das für den Kampf gegen diese Krankheiten bereitsteht“, so Cathomen. Und die Gentherapie sei zurzeit auch nur eine „Last-Line“-Therapie bei austherapierten Patiente. „Aber es gibt Patienten, die nach einer CAR-T-Zelltherapie nicht nur überlebt haben, sondern heute krebsfrei sind“. Beim Einsatz einer CAR-T-Zelltherapie muss allerdings auch mit oftmals schweren Nebenwirkungen gerechnet werden. In frühen klinischen Studien kam es bei Patienten häufig zu einer überschießenden Immunantwort, die zum Tode führen kann. „Heute wissen wir, wie wir solche Nebenwirkungen mit Medikamenten in den Griff bekommen“, so Cathomen. 

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Journalist

Armin Fuhrer

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