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Big Data oder Datensparsamkeit?

bevh-Präsident Gero Furchheim über die Bedeutung des E-Commerce für den Einzelhandel, digitale Trends und deutsche Wettbewerbsfähigkeit.

Handel überhaupt, speziell aber Onlinehandel, wird zunehmend geprägt von globalen digitalen Plattformen.

Foto: Gero Furchheim, bevh-Präsident (Fotocredit: Michael Gueth) 

65,10 Milliarden Euro hat der deutsche Onlinehandel 2018 umgesetzt. Nach Einschätzung des Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh), wird der E-Commerce-Umsatz in diesem Jahr die 70 Milliarden-Marke überspringen. Der Wachstumstreiber Onlinehandel hat inzwischen einen Anteil von fast 98 Prozent am Gesamtumsatz des Interaktiven Handels. „E-Commerce bleibt ein wesentlicher Faktor und Motor der Binnenkonjunktur, die derzeit unsere Volkswirtschaft stützt“, bekräftigt auch bevh-Präsident Gero Furchheim. 

Als Vorreiter für Innovation und Prozessoptimierung treibt der E-Commerce die Digitalisierung des Einzelhandels voran. Schon heute ermöglicht Künstliche Intelligenz (KI) durch die Vorhersage von Kunden-Kaufverhalten die Personalisierung der Customer Journey. Mit Big Data, Augmented und Virtual Reality, Machine Learning sowie Mobile und Voice-Commerce und nicht zuletzt 5G geben diverse technologische Innovationen dem Onlinehandel weiter Auftrieb. „Mit immer mehr Daten wird der Handel immer individuellere Einkaufserlebnisse an immer vielfältigeren Orten ermöglichen – Big Data wird damit Alltag“, prognostiziert Furchheim und ergänzt: „Der Handel, speziell E-Commerce, wird zudem immer stärker mobil und kontextbasiert stattfinden. Er wird über Sprachsysteme funktionieren, auditiv und visuell zum Beispiel in Kopfhörern oder Brillen Einzug halten und dadurch Omnichannel-Handel revolutionieren.“

Für Unternehmen bedeutet diese Entwicklung, dass sie ihre Produktdaten für neuartige Geräte und Plattformen vorbereiten und optimale Nutzerszenarien für ihre Kunden definieren müssen. Denn die Kunden mit den richtigen Inhalten zur richtigen Zeit anzusprechen, ist und bleibt wettbewerbsentscheidend – national wie international. „Handel überhaupt, speziell aber Onlinehandel, wird zunehmend geprägt von globalen digitalen Plattformen. Das betrifft Informationsprozesse wie Transaktionsprozesse. Die Teilnahme an solchen Plattformen erschließt den deutschen Unternehmen potentiell globale Märkte, bringt sie aber auch in den Wettbewerb mit Teilnehmern aus anderen Ländern, die anderen ökonomischen Rahmenbedingungen unterliegen“, betont Furchheim und spezifiziert: „Während in Amerika Unternehmen mit relativ wenig Regulierung ihre digitalen Angebote und Technologien weiterentwickeln können, ist in Asien der Staat der größte Treiber der Digitalisierung und maximalen Daten-Prozessierung. Dadurch haben sich diese globalen Pole einen großen Vorsprung herausgearbeitet. Deutschland sucht, und das ist historisch wohlbegründet, einen europäischen ‚dritten Weg‘, der Datenschutz, Datensparsamkeit und Datensouveränität priorisiert. Die Hürden für das Handeln werden aber oftmals hysterisch hochgelegt und stellen einen Wettbewerbsnachteil dar. Wir fordern die Politik auf, bei Themen wie der E-Privacy-Regulierung oder der Datenethik chancenorientiert und nicht angstbesessen zu handeln.“

Diese systemischen Nachteile können deutsche Händler laut bevh durch Exzellenz nur teilweise in digitalen Vertriebs- und Distributionsprozessen ausgleichen, beispielsweise durch den Aufbau digitaler Kompetenzen, maximaler Vernetzung und permanenter Prozessverbesserungen.

Fakten

Kunden unterscheiden immer weniger zwischen Onlinehandel und stationärem Handel. Sie informieren sich online über Produkte und wählen den für ihre Bedürfnisse besten Einkaufsort. Daher gibt es schon heute weithin, künftig aber durchgängig für jeden Händler E-Commerce-Prozesse, etwa beim Produktdaten-Management und der Sortimentspräsentation auf verschiedenen Endgeräten.

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Journalist

Kirsten Schwieger

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