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Ronald Stöferle, Managing Partner und Fondsmanager bei Incrementum & Autor INVESTMENTS

„Aussichten für Gold sind hervorragend“

Gold ist ein irrsinnig emotionales Thema, sagt Ronald Stöferle, Herausgeber der „In GOLD we TRUST“-Studien. Wir haben mit ihm gesprochen.

Im Zuge von Krisen oder einer Neuordnung des Weltwährungssystems sind die Menschen immer zu Gold zurückgekehrt. So wird es in Zukunft sein.    

Herr Stöferle, die Rezessions- und Inflationswolken verdichten sich. Warum machen Anlagen in Gold jetzt Sinn?

Weil man immer stärker die extremen Verzerrungen der Geldpolitik erkennt, die durch die künstlich tiefe Preisfestsetzung der Zinsen ausgelöst wird. Aufgrund der Nullzins- bzw. Negativzinspolitik werden Anleger immer tiefer ins Risiko getrieben, um überhaupt eine Rendite zu erzielen. Die große Frage ist jetzt, wann die Notenbanken erkennen, dass ihre Interventionen nicht für den selbsttragenden Aufschwung sorgen. Im Zuge von Krisen oder einer Neuordnung des Weltwährungssystems sind die Menschen immer zu Gold zurückgekehrt. So wird es in Zukunft sein.

Wie hat sich der Goldpreis in den letzten Jahren entwickelt?

Im Vergleich zum Vorjahr hat Gold in allen wichtigen Währungen um etwa 20 % zugelegt (Stand 3.9.19), teilweise wurden Allzeithochs verbucht oder der Goldpreis ist nahe am Allzeithoch.

Wie geht es mit dem Gold weiter?

Technisch betrachtet ist der Widerstandsbereich von 1360 bis 1380 US-Dollar nach oben durchbrochen worden. Das war ein deutliches Lebenszeichen von Gold. Aus fundamentaler Sicht ist ein neuer Bullenmarkt zu erwarten, wenn sich die Rezessionsängste bewahrheiten und erneute fiskalische und monetäre Stimuli gesetzt werden. Genau das erwarten wir.

Wieviel Gold sollte man im Portfolio haben?

Performancegold eröffnet die Möglichkeit, an bestimmten Preisbewegungen teilzuhaben. Beispielsweise kann man Futures, Minenaktien, börsengehandelte Fonds (ETFs) oder Goldzertifikate erwerben. Zwar kommt man dabei nicht in den physischen Besitz von Gold, kann dafür aufgrund der niedrigen Handels- und Lagerkosten aktiv traden und auf Inflationstendenzen spekulieren. Da Gold mit den meisten anderen Anlageklassen wenig oder negativ korreliert ist, kann eine Gold-Beimischung, etwa über Goldzertifikate, das Portfolio deutlich verbessern. Wer Gold kauft, um sich gegen eine schwere Krise unseres Geldsystems abzusichern, sollte Sicherheitsgold, sprich physisches Gold, kaufen und es sicher, am besten außerhalb des Bankensystems – und eventuell sogar außerhalb des Landes – verwahren. Sicherheitsgold ist ein Buy-and-Hold-Investment, eine Versicherung gegen einen Systemzusammenbruch. Der große Vorteil beim Erwerb von physischem Gold ist, dass es weder ein Laufzeitrisiko noch ein Rohstoffrisiko hat, und vor allem kein Gegenparteirisiko. Wieviel man investieren sollte, hängt stark von der Risikobereitschaft, der Zeitpräferenz, dem restlichen Depot, dem Alter und weiteren individuellen Faktoren ab. Aufgrund der Absicherungsfunktion des Goldes gegen systemische Risiken könnte man auch sagen: Der Prozentsatz sollte so hoch sein wie die individuell angenommene Wahrscheinlichkeit, dass ein monetäres Großevent eintritt – von einer stark anziehenden Inflation bis hin zu einer Währungsreform.

Fakten

Ronald Stöferle (38) ist Managing Partner und Fondsmanager des in Liechtenstein beheimateten Vermögensverwalters Incrementum. Er begann schon 2007, seine jährlich erscheinenden „In GOLD we TRUST-Studien zu veröffentlichen. Gerade ist von ihm das Buch „Die Nullzinsfalle“ erschienen.

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Journalist

Chan Sidki-Lundius

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