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Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer, Radiologe, Gründer der Grönemeyer Institute und Gesundheitsbuchautor HEALTHCARE

Volkskrankheit Rücken: Das Kreuz mit dem Kreuz

Rückenleiden gehören zu den Volkskrankheiten. Wir sitzen meist zu viel, bewegen uns zu wenig und ernähren uns einseitig. Der überwiegende Anteil der akuten Rücken-schmerzen beruht auf muskulären Verspannungen. 

Die mikroinvasiven Eingriffe sind in der Regel ohne Narkose durchführbar und schmerzlos.

Der Rücken ist ein zentrales Körper-teil, aber eben viel mehr als ein Organ, er ist ein psychosomatisches Organ. Zu Gründen von Rückenschmerzen gehören neben den physischen Belastungen auch psychologische Faktoren wie Angst, Traurigkeit oder negativer Stress, der körperliche Anspannung bewirkt. Dauerstress oder übergroßer Druck führen dazu, dass aus Anspannung Verspannung wird. Und schmerzhafte, chronische Verspannungen führen schließlich zu ungesundem Vermeidungsverhalten bzw. Schonhaltungen, die letztendlich verantwortlich für Gelenkverschleiß und Bandscheibenvorfälle sein können. Grundsätzlich kann man aber sagen, dass in Deutschland viel zu schnell operiert wird, das zeigen aktuelle Studien der Krankenkassen. Insofern ist immer wieder zu betonen: Es gibt in vielen Fällen Alternativen zur Operation, es gibt schonendere und ambulante Verfahren, wie die Mikrotherapie. Die Verfahren der Mikrotherapie, eine Zusammenführung und Weiterentwicklung von interventioneller Radiologie, Endoskopie und Schmerztherapie als ambulante Verfahren, lassen sich gerade an Rückenerkrankungen, beispielsweise Bandscheiben oder Arthrose-Wirbelgelenke, sehr erfolgreich und für Patienten schonend einsetzen. Normalerweise wird in der Radiologie der Computer- oder Kernspintomograph nur zur Diagnostik benutzt. Da aber die die bildliche Auflösung im Millimeterbereich liegt, können auch immer winzigere Instrumente unter Sicht mit diesen Sichtmethoden gesteuert werden. Gleich-zeitig wird in den letzten Jahren auch das Instrumentarium für Operationen und anderen Behandlungen (z. B. zur Biopsie, zur Endoskopie oder Implantation von Schmerztherapiesonden) immer kleiner.  Die Durchmesser der Instrumente liegen zwischen 0,1 und drei Millimetern, häufig sogar schon unter einem Millimeter, und sie können punktgenau unter Sicht platziert werden. Der Patient wird zur Behandlung auf der Liege so positioniert, dass die zu therapieren-de Region optimal zu erreichen ist und im Tomographen sichtbar gemacht werden kann. Es gibt bereits Geräte, die so konzipiert sind, dass in ihnen lokal, Anti-Schmerzmedikamente injektiert oder operiert werden kann (z. B. ein offener Kernspintomograph). Die meisten Eingriffe erfolgen bei lokaler Betäubung. Während der Behandlung kann der Arzt sich mit dem Patienten unterhalten. Die mikroinvasiven Ein-griffe sind in der Regel ohne Narkose durchführbar und schmerzlos.

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Journalist

Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer

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